YouTube: Creator Space in Berlin eröffnet - DER SPIEGEL
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Besuch in Berlin: So sieht der Berliner YouTube Space aus

Foto: Anja Reumschüssel

Creator Space YouTube eröffnet eigene Studios in Berlin

Filmsets, Vorführraum und jede Menge Platz: Die Zeiten, in denen YouTube-Filmer nur daheim mit Handy drehen konnten, sind vorbei. Die Plattform eröffnet in Berlin eigene Studios - und profitiert natürlich auch davon.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es riecht nach Lebkuchen und ganz viel Zucker. Am südlichen Ende des Tempelhofer Felds befindet sich YouTubes erster deutscher YouTube-Space, gleich gegenüber einer Keksfabrik. Den Duft können die vielen Kameraleute nicht einfangen. Ansonsten wird aber alles aufgenommen: Die Google- und YouTube-Mitarbeiter auf der Bühne, die Plastikstühle, Pressemappen, Kameras, andere Journalisten.

Und natürlich die YouTube-Stars, die für dieses Event aus Köln angereist sind: Joyce Ilg, Moderatorin, Schauspielerin und Comedian, und die drei Jungs von Bullshit TV, die in ihren Videoclips Berufe parodieren und Passanten auf die Schippe nehmen.

Das Kameragewusel der Journalisten beeindruckt Ilg und die "Bulls" nicht. Sie sind ja schon längst Stars, deren Kanäle millionenfach abonniert und geklickt werden. Sie stehen zur Eröffnung des neuen YouTube-Spaces stellvertretend für all die Filmchenmacher, die bald in den Räumen noch mehr Videomaterial herstellen sollen.

Alles begann im Zoo

Das allererste YouTube-Video zeigte einen der Plattform-Gründer vor einem Elefantengehege. Der sensationell tiefgründige Text des Protagonisten : "Das Coole an denen ist, sie haben richtig, richtig lange Rüssel. Das ist cool."

Seitdem sind zehn Jahre und eine Woche vergangen. Und in dieser Zeit hat sich viel getan: Mittlerweile klicken sich jeden Monat über eine Milliarde Nutzer durch die Plattform, pro Minute werden Hunderte Stunden Videomaterial hochgeladen. Die YouTuber sind professioneller geworden, viele - wie etwa Joyce Ilg und die Comedians von Bullshit TV - können von ihren Videos leben.

Vor allem haben sie viele Zuschauer: Am Freitag beginnen in Berlin die Video Days,  ein riesiges Treffen von Fans und YouTubern. 2014 kamen 15.000 Besucher, um Autogramme zu ergattern, ein Selfie mit ihrem Lieblingsstar zu machen oder den Videomachern einfach nur zuzujubeln. Dafür stehen viele junge Menschen stundenlang Schlange und dann noch einmal stundenlang in einer Arena.

Wer mehr als tausend Abonnenten hat, darf hier kostenlos drehen

Gegenüber dem klassischen Fernsehen haben die Stars im Netz einen entscheidenden Vorteil: Sie können prinzipiell machen, was sie wollen. Sie können fast alles ausprobieren, neue Formate entwickeln und Ideen umsetzen, ohne dass ein Chef, Regisseur oder Programmleiter ihnen reinredet. "Der Broadcast wurde demokratisiert", sagt Jonny Percey, Chef der Met Film Group. Die einzigen Grenzen sind die Regeln der Plattform, die zum Beispiel beleidigende, diskriminierende oder pornografische Beiträge verbieten - und natürlich das Geld.

Wer sich kein Studio mieten oder eine teure Ausrüstung leisten konnte, musste bisher im eigenen Wohnzimmer drehen, zur Not mit dem Handy. Im Berliner Studio stellt YouTube nun wechselnde Filmsets, einen Vorführraum, einen Maskenraum und ein 140 Quadratmeter großes Studio zur Verfügung.

All das können YouTuber zukünftig nutzen - zumindest diejenigen, die einen eigenen Kanal und mehr als tausend Abonnenten haben. Wenn es eng wird, werden Plätze danach vergeben, wer zuerst gekommen ist. Die Kosten teilt sich das Unternehmen mit der Met Film School, die die Räume bereitstellt.

Mehr Follower, mehr Klicks, mehr Geld

Die Ausgabe ist eine Investition in die Nutzer, sagt David Ripert, Chef der YouTube Spaces in Europa bei Google. Hier sollen diejenigen lernen, die schon gezeigt haben, dass sie ihre Zuschauer begeistern können. Und sie sollen sich hier in Berlin treffen, um neue Ideen zu entwickeln.

So kann der YouTube Space auch ein Versuch sein, professionellere Nutzer heranzuziehen, die erfolgreich sein und Geld verdienen wollen. "Es gibt auch viele, die professioneller arbeiten wollen", sagt Ripert. "Wir wollen sie lehren, ihre Qualität zu verbessern - wenn sie das wollen." Das bedeute ja auch mehr Abonnenten, mehr Klicks und damit mehr Geld durch Werbung. Auch für YouTube.

"Das soll ja die Videos von zu Hause aus nicht ersetzen", betont Joyce Ilg, "es kann ja auch nicht jeder extra nach Berlin fahren." Die Räume und Ausrüstung sollen stattdessen Videos ermöglichen, die YouTuber mit begrenztem Budget sonst nicht umsetzen könnten. "Wenn ich einen Sketch drehen will, der in einem Hotelzimmer spielt, kann ich das zu Hause ja sowieso nicht machen", erklärt sie, "da hilft es, wenn man hierher kommen kann."

Als Joyce Ilg vor zwei Jahren anfing, lange bevor ihr über 735.000 Nutzer folgten, hätte sie sich solche Möglichkeiten gewünscht, sagt Ilg. Gefolgt von drei Kamerateams schaut sie sich das Studio an, gibt Interviews im Raum, der wie ein Hotelzimmer aussieht. Im Nachbarzimmer sitzen die Bullshit-TV-Jungs auf einem Vintage-Sofa und grinsen in die Kamera. Wenn die Fernsehkameras weg sind, werden sie wieder vor ihren eigenen Kameras stehen. Und können machen, was sie wollen.

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