Künstliche Intelligenz: Anthropic wirft chinesischen KI-Rivalen Schummelei vor - DER SPIEGEL
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Künstliche Intelligenz Anthropic wirft chinesischen KI-Rivalen Schummelei vor

Günstige KI aus China weckt Zweifel an den Marktchancen großer US-Anbieter wie Anthropic. Das Unternehmen berichtet nun von dreisten Tricksereien chinesischer Konkurrenten. Dabei seien sensible Daten aus Russland in die USA gelangt.
Anthropic-Logo: Fast 300.000 Kundenanfragen aus China
Anthropic-Logo: Fast 300.000 Kundenanfragen aus China

Anthropic-Logo: Fast 300.000 Kundenanfragen aus China

Foto: Andrej Sokolow / dpa

Die KI-Firma Anthropic wirft chinesischen Rivalen vor, Anfragen von Nutzern heimlich zu ihr umgeleitet zu haben, statt sie mit der eigenen Software zu beantworten. Dadurch seien zum Teil auch Daten staatlicher Stellen aus China und Russland in Systemen der US-Firma gelandet, schreibt Anthropic in einem ausführlichen Bericht  zu Versuchen unerlaubter Nutzung.

So habe jemand Aufnahmen von Überwachungskameras unter anderem aus der Umgebung von Standorten der chinesischen Armee hochgeladen, mit dem Ziel, das Verhalten einer bestimmten Person in den Videos zu analysieren. Der Nutzer ging dabei davon aus, dass die Anfrage von der chinesischen KI-Software Kimi der Firma Moonshot ausgeführt wird. Kimi ließ sie jedoch von Anthropics Claude erledigen, wie es in dem Bericht heißt.

Allein in einem Zeitraum von zehn Tagen habe Kimi fast 300.000 Kundenanfragen nicht selbst, sondern von Claude beantworten lassen, berichtet Anthropic. Dafür sei ein Netzwerk aus 5380 Fake-Accounts genutzt worden.

Auch russisches Militär betroffen

Auch die noch bekanntere chinesische KI DeepSeek fiel laut Anthropic mit solchen Tricks auf. Das habe unter anderem dazu geführt, dass zur US-Firma Anfragen mit Daten einer Behörde aus dem Umfeld des russischen Verteidigungsministeriums umgeleitet wurden. Darin enthalten gewesen seien auch gültige Einwahldaten für eine Datenbank der russischen Regierung.

Die Vorwürfe werfen einen Schatten auf das Ansehen der chinesischen KI-Branche. Seit Anfang vergangenen Jahres hatten die günstigen KI-Modelle von DeepSeek und Moonshot wiederholt für Beben an der Börse gesorgt. Anleger zweifelten zeitweise an den Geschäftsaussichten amerikanischer KI-Labore wie Anthropic und des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, weil der Eindruck entstand, dass leistungsstarke Künstliche Intelligenz mit deutlich weniger Aufwand trainiert werden könne.

Die US-Seite wirft den chinesischen Entwicklern unterdessen vor, in großem Stil amerikanische Software wie Claude und ChatGPT benutzt zu haben, um ihre Künstliche Intelligenz anzulernen. Für diese in der Branche unter dem Namen Destillation bekannte Technik habe allein Kimi von Mai bis Juli 23 Millionen Mal auf Anthropic-KI zugegriffen, hieß es in dem Bericht.

Mehr zum Thema: Im globalen KI-Wettrennen haben chinesische Firmen massiv aufgeholt. Ihre Modelle stellen sie zum Download ins Netz: ein Frontalangriff auf das Silicon Valley .

hda/dpa