Akustik-Trick: Handy-Prototyp blendet Hintergrundlärm aus - DER SPIEGEL
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Akustik-Trick Handy-Prototyp blendet Hintergrundlärm aus

Eine US-Firma simuliert die Verarbeitung von komplexen Geräuschen im menschlichen Hirn, um Hintergrundlärm und Telefongespräche im Handy zu trennen. In Japan und Südkorea kursieren Prototypen des Flüster-Telefons.
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Einmal an die Telefonfreiheit gewöhnt, wollen Nutzer heute auch in Bars, Flughäfen oder an anderen eigentlich viel zu lauten Plätzen telefonieren. Bisher sind alle Versuche, die wohltuende Ruhe der guten, alten Telefonzelle mobil zu machen, kläglich gescheitert.

Einen echten Fortschritt verspricht bei diesem Lärmproblem nun der Hersteller neuer Flüster-Mobiltelefonie. Die in Japan und Südkorea vorgestellten Geräte sind mit einer Technik ausgestattet, die Hintergrundgeräusche automatisch und effektiv filtern soll. Damit sollen Gespräche auch an notorisch lärmenden Orten wie einer überfüllten Bar bequem und praktikabel werden.

Die Handys von Sharp bzw. LG Electronics, werden von den Mobilfunkern NTT DoCoMo (Japan) und SK Telecom (Südkorea) angeboten, und können sowohl ein- als auch ausgehende Signale filtern. So reicht es prinzipiell schon aus, wenn einer der Gesprächspartner eines der Lärmfilter-Telefone nutzt, um die störenden Hintergrundgeräusche an beiden Enden der Verbindung deutlich zu reduzieren.

In den Handys mit eingebautem Lärmkiller arbeitet unabhängig vom Telefonhersteller die gleiche Technik in Form eines Chips der US-Firma Audience. Deren aktueller Filter-Chip hört auf den nichts sagenden Namen "A1010", aber dafür ist die Funktionsweise des Bauteils umso spektakulärer. Denn in dem Audience-Chip  werden Klänge mit ähnlichen psychoakustischen Tricks bearbeitet, wie sie im menschlichen Hirn ablaufen.

Die Trennung verschiedener Schallereignisse, die es uns beispielsweise erlaubt, aus einem Stimmengewirr einzelne Sprecher herauszuhören, nennt sich Auditory Scene Analysis (ASA). Dieser Prozess ist deshalb so komplex, weil die alleinige Betrachtung der Klangverteilung über das Frequenzspektrum hier nicht viel hilft: Denn einzelne Geräuschquellen erzeugen im Zweifelsfall immer wieder Signale auf ein und der selben Frequenz.

Um verschiedene Tonerzeuger trotzdem getrennt wahrnehmen zu können, müssen zusammengehörende akustische Elemente daher in sogenannte "auditorische Ströme" zusammengefasst werden. Und genau diesen Prozess, der ständig im menschlichen Hirn abläuft, simulieren die Audience-Chips.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler