Angefasst: Fünf gegen das iPhone - DER SPIEGEL
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Angefasst Fünf gegen das iPhone

Seit einem Monat gibt es das iPhone in Deutschland. Zeit für eine erste Bestandsaufnahme: Wie gut ist das Apple-Handy wirklich? Gibt es nicht doch Alternativen? Was bietet die Konkurrenz? Matthias Kremp hat sich die wichtigsten Konkurrenten angeschaut.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vier Wochen lang hat mich Apples "Kult-Handy" genervt. Jeden Morgen stürzte der Webbrowser Safari beim Surfen in der U-Bahn ab. Und das nicht einmal, sondern mindestens viermal binnen 25 Minuten.

Nachvollziehbar war das nicht. Die Abstürze ereigneten sich vollkommen zufällig auf unterschiedlichen Web-Seiten. Abhilfe brachte erst eine komplette Neuinstallation der Systemsoftware. Immerhin 160 Megabyte muss man dazu aus dem Netz laden. Positiv: Die Installation erfolgt vollkommen automatisch über Apples iTunes-Software. Und damit man danach nicht von vorn anfangen muss, werden vorher sämtliche Einstellungen gesichert und hinterher wieder auf das Gerät übertragen. Seither läuft Safari ohne größere Probleme.

Geblieben sind leider Aussetzer bei der Musik. Gelegentlich, aber nicht selten, kommt es vor, dass der ins iPhone integrierte iPod die Musikwiedergabe spontan einstellt, wenn man gleichzeitig im Web surft. Auch dieser Malus tritt vollkommen unnachvollziehbar, offenbar willkürlich auf.

Ansonsten aber hatte es das iPhone nicht besonders schwer, mich von seinen Vorzügen zu überzeugen. Allen anderen Funktionen voran ist das vor allem dem Webbrowser zu verdanken. Der zeigt das Web endlich auch unterwegs so an, wie man es vom PC gewöhnt ist - zumindest, solange man einen Bogen um Flash-Animationen und -filme macht. Aber Flash-Unterstützung wird Apple, hoffentlich, eines Tages per Software-Update nachliefern. Eingeloggt ins heimische oder sonstige W-Lans, macht mich das iPhone zum passionierten Sofa-Surfer. Da kann der große Rechner ruhig noch ein wenig länger abgeschaltet bleiben, als Surfstation hat er weitgehend ausgedient.

Guter Akku, mäßige Ohrhörer

Wenig überzeugen konnten mich dagegen die WebApps, Online-Programme, die man nur über eine Internet-Verbindung auf dem iPhone nutzen, darauf aber nicht abspeichern kann. Zwar gibt es da schon etliche tolle Angebote, sogar einige nette Spiele, aber es nervt einfach, wenn man die Software vor jeder Nutzung aus dem Web laden muss. Dieses Problem wird hoffentlich im Februar enden. Dann will Apple eine Entwicklersoftware veröffentlichen, die es ermöglicht, Programme zu schreiben, die auf dem iPhone gespeichert werden können.

Selbst als Handy macht das iPhone eine gute Figur. Telefonnummern wählt man meist direkt aus dem Adressbuch, dass man wahlweise mit Apple Adressbuch auf dem Mac oder einem Outlook-Adressbuch auf dem PC abgleichen kann. Einzig eine Sprachwahlfunktion vermisse ich. Die hat doch heute eigentlich jedes Handy? Für Freude sorgt zu meinem Erstaunen auch der Akku. Bei moderater Nutzung versorgt er das Gerät tagelang mit Strom. Schaut man allerdings Filme an oder surft stundenlang im Web, schrumpft die Dauerbetriebszeit auf wenige Stunden zusammen.

Als lästig hat sich das mitgelieferte Headset entpuppt. Dessen klangliche Qualitäten haben mich darin bestärkt, dass es richtig war, die Kopfhörer meines allerersten iPods bis heute nicht auszupacken. Blöd: Die Kopfhörerbuchse ist so tief ins Gehäuse versenkt, dass normale Kopfhörerstecker nicht passen. Abhilfe verspricht Zubehörhersteller Belkin. Für knapp zehn Euro will der einen entsprechende Adapter auf den Markt bringen. Der steht schon jetzt auf meiner Weihnachtsliste.

+ Großartiger Webbrowser
+ Schnelle, einfach erlernbare Bedienoberfläche
+ Leistungsfähiger Akku

- Keine Zusatzsoftware aufspielbar
- Nur in Kombination mit speziellen iPhone-Tarifen erhältlich
- Kein UMTS/HSDPA
- Speicher nicht erweiterbar

Samsung Qbowl

Mit dem Samsungs Qbowl will Vodafone versuchen, der Konkurrenz von T-Mobile einige potentielle iPhone-Kunden abspenstig zu machen. Dementsprechend wurde das Gerät mit Funktionen vollgestopft, die es als das bessere iPhone erscheinen lassen: Touchscreen-Bedienung, eine echte Tastatur, ein Speicherkartensteckplatz und vor allem die schnelle Funknetztechnologie HSDPA.

In der Praxis konnte mich der Technikprotz aber leider doch nicht überzeugen. Am deutlichsten zeigte sich der Unterschied bei der Bedienung per Finger. So sind die von Samsung gewählten monochromen Symbole nicht alle eindeutig einer Funktion zuzuordnen. Viel schwerer wiegt jedoch, dass der berührungsempfindliche Bildschirm bei weitem nicht so reaktionsfreudig ist wie jener des iPhone. Oft muss man schon sehr vehement auf dem Display agieren, um die gewünschte Aktion auszuführen.

Wirklich gut ist dagegen die Schiebetastatur. Sie bietet zwar keinen Zehn-Finger-Komfort, macht das Tippen von SMS und Mails aber immerhin zur flinken Fingerübung. Einziger Nachteil: Wohl auch wegen der großen Tastatur ist das Qbowl etwas bauchig geraten.

Genervt hat der integrierte Browser. Der versucht Zeit zu sparen, indem er stets die Mobilvarianten von Web-Seiten aufruft, sofern solche vorhanden sind. Das ist ja normalerweise auch sehr nett, wenn man mit einer langsamen Funkverbindung durchs Web schleicht. Die im Qbowl integrierte HSDPA-Technologie hingegen ermöglicht theoretisch Geschwindigkeiten von bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde, was einer DSL-Leitung gleichzusetzen wäre. Da würde man sich doch wünschen, auch das "echte" Internet zu sehen zu bekommen. Das allerdings macht der mitgelieferte Browser schwer, steuert immer wieder zielgerichtet die Mobilseiten an.

Wenig sexy kommt auch der Musikplayer daher. Zwar legt Vodafone dem Gerät eine Vier-Gigabyte-Speicherkarte bei, doch lädt das schlichte Interface des Players nicht gerade zum Spielen ein. Immerhin: Wer mag, kann Musik auch unterwegs und via Mobilfunknetz kaufen und aufs Handy laden. Apple erlaubt das nur im Bereich von W-Lans. Eine Funktion, die dem Apple-Handy ganz fehlt ist das mobile Fernsehen, welches man am Qbowl nutzen kann. Einige Kanäle wie Giga, Eurosport und n-tv sind als Stream frei empfangbar, weitere zu Preisen ab 1,99 Euro zubuchbar.

+ Schneller HSDPA-Datenfunk
+ Schiebetastatur

- Hakelige Bedienung
- Auf Mobilseiten fixierter Browser
- Etwas klappriges Gehäuse

Nokia N81

Nokias neues Multimedia-Highlight gibt es in zwei Versionen, als große Varainte mit acht Gigabyte fest eingebautem Speicher und als billigere Zwei-Gigabyte-Version, die per Speicherkarte aufrüstbar ist. Beiden Geräten gemein ist die üppige technische Ausstattung. Allein die Funkabteilung ist mit UMTS, W-Lan und Bluetooth üppig ausgestattet. Löblich: auch das sogenannte A2DP-Bluetooth-Profil haben Nokias Programmierer nicht vergessen. Damit kann man beispielsweise Musik drahtlos an ein entsprechendes Autoradio oder schnurlose Kopfhörer senden. Das würde auch einem iPhone gut stehen.

Das Highlight des N81 ist jedoch die Spieleplattform N-Gage. Die soll das Mobiltelefon zur mobilen Gaming-Maschine machen. Schade nur, dass dies bislang nur ein Versprechen ist, denn echte Spiele gibt es dafür noch nicht. Nur einige Demos liefert Nokia. Doch die sind schon so gut gelungen, dass sie Lust auf das machen, was da noch kommen mag. Grafisch zumindest, ist das N81 top.

Ansonsten bietet das N81 die übliche üppige Ausstattung mit etlichen Zusatzprogrammen. Dazu zählt auch Nokias Navi-Software Maps. In Kombination mit einem Bluetooth-GPS-Empfänger wird das Handy so auch zum Navigationsgerät. Oberklasse ist das Design. Das Gehäuse besteht aus eloxiertem Aluminium, das dem Gerät eine "unkapputtbar"-Note verleiht. Die mitgelieferten Kopfhörer sind besser als der Durchschnitt. Einzig der USB-Anschluss nervt - hier hat Nokia eine "Mikro"-Variante eingebaut, die mit Standardkabel nicht nutzbar ist.

+ Üppige Ausstattung
+ N-Gage-Spieleplattform
+ Robustes und edles Design

- Mikro-USB-Anschluss

Sony Ericsson W910

Ähnlich robust wie das Nokia N81 kommt Sony Ericssons W910 daher. Ebenso wie diese ist das Walkman-Handy in eine robuste Metallhülle gewandet und funktioniert nach dem Slider-Prinzip. Die Tastatur ist also hinter dem Display verborgen. Im Gegensatz zum Nokia ist das W910 allerdings nur etwa halb so schwer und deutlich kleiner. Auf aktuelle Technik muss man deshalb nicht verzichten. UMTS ist ebenso integriert wie eine Digicam und 3D-Spiele.

Sehr schick ist die Benutzeroberfläche gelungen. In der Standardeinstellung ermöglicht sie es dem Anwender, mit nur einer Hand durch die Menüs zu scrollen, Telefonnummern oder einen Song auszuwählen. Extrem cool ist freilich die sogenannte "Shake Control".

Mit deren Hilfe kann man beim Musikhören von einem Song zum nächsten wechseln, ohne eine einzige Taste anzurühren. Stattdessen genügt es, das Gerät kurz zu schütteln - was Mitreisende in der U-Bahn durchaus verwirren kann. Wie sehr der Schwerpunkt beim W910 auf Musik liegt, spürt man auch bei den mitgelieferten Kopfhörern. Dabei handelt es sich um hochwertige In-Ear-Stöpsel, die Außengeräusche ordentlich abdämpfen und mit ordentlichen Bässen trumpfen.

+ Robustes Gehäuse
+ Gute Kopfhörer
+ Intuitive Bedienung

- Kleines Display

Sony Ericsson K850i

Satte fünf Megapixel zeichnet die Kamera des K850i auf. Und das auch noch in einer Qualität, die manche Billigknipse das Fürchten lehrt. Einziges Manko: Ein optischer Zoom fehlt - wie bei allen Handycams. Dafür genügt ein Knopfdruck, um das K850i vom Mobiltelefon in eine Kamera zu verwandeln. Vorbildlich: Eine Blende schützt das Objektiv vor Verschmutzungen. Nett auch: Über den eingebauten Lagesensor kann man auch Spiele steuern, indem man das Handy bewegt. Das sieht zwar komisch aus, macht aber Spaß.

Eher lästig ist dagegen die Tastatur. Die sehr kleinen Tasten verschwenden viel Platz auf der Vorderseite, sind etwas wabbelig. Hinzu kommt die neue Cursor-Steuerung, die über eine farbig abgehobene Vierfachwippe realisiert wird. Diese Wippe liefert zu wenig Rückmeldung an die Fingerkuppen. Am schlimmsten ist jedoch, dass man etliche Funktionen noch durch Antippen bestimmter Felder am unteren Bildschirmrand auslösen muss. Dadurch muss man stets zwischen Tastenfeld und Display hin- und hertippen.

+ Sehr gute Digicam
+ Schöne Spiele

- Umständliche Bedienung
- Zu kleine Tasten

Motorola Moto Q9

Motorolas Windows-Handy wird von seiner Tastatur dominiert. Die ermöglicht es, relativ schnell Mails und SMS zu tippen. Im Übrigen scheint das Q9 vor allem als mobile Verlängerung des PCs gedacht zu sein. Daran hat das Betriebssystem Windows Mobile 6 großen Anteil, weil es den nahtlosen Datenabgleich mit Outlook und Co. ermöglicht.

Eben deshalb bietet sich das Moto Q9 als tragbare Office-Lösung an. Musik beispielsweise lässt sich damit zwar auch hören, gehört aber eindeutig nicht zu dem was man als Kernkompetenz bezeichnen würde.

+ Gute PC-Integration
+ Gute Tastatur

- Kleines Display

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