Apple-Kopie Das iPhone, das keines ist
Was ist denn das? Es sieht erstmal aus wie ein iPhone, klar. Aber es ist kleiner, viel kleiner. Wenn es ein iPhone nano gäbe, dann würde es wohl so aussehen - oder so ähnlich. Denn was mir da in die Hand gedrückt wird, ist ein kein iPhone, es tut nur so.
Tatsächlich wird es von seinem Hersteller als m888a bezeichnet, doch von diesem Namen ist auf dem Gerät keine Spur zu sehen. Stattdessen steht da groß "mini" auf der Rückseite, gleich neben dem Apple-Logo.
Ein Apple-Logo? Na ja, beinahe, denn was da in das Metall geprägt wurde, sieht zwar wie ein Apfel aus, erinnert auch an Apples Wappen-Obst, steht aber irgendwie schief, fast so, als hätte jemand die Vorlage falsch auf den Kopierer gelegt. Aber damit haben die kuriosen Ausfälle der chinesischen Nachbauer noch kein Ende.
Besonders hübsch ist der Schriftzug unten auf dem Rückendeckel gelungen. Genau wie beim Original sind dort eine Seriennummer und der Hinweis auf das Herstellungsland China zu finden. Wo bei Apple allerdings klargestellt wird, dass das Gerät in Kalifornien gestaltet wurde, ist auf dem Klon zu lesen: "Made by USA". Aha, hergestellt von den USA also. Ob die das wissen?
Nicht jedes Icon hält, was es verspricht
Wohl kaum, denn der Entwickler und Hersteller des mini, die CisCam Electronics Co. LTD., hat ihren Firmensitz in der chinesischen Industriestadt Shenzhen. Ursprünglich hatte das Unternehmen sich auf die Herstellung von Netzwerk- und Überwachungskameras spezialisiert. Mittlerweile aber scheinen die Ingenieure Kopien erfolgreicher Handys als lukratives Betätigungsfeld entdeckt zu haben. Neben iPhone-Nachbauten offeriert die Firma ganz offen Nokia-, Samsung- und Sony- Ericsson-Klone. Sogar Handys im Stil der Nokia-Nobelmarke Vertu hat Ciscam im Angebot.
Mit denen hat das als "mini iPhone" beworbene Gerät allerdings herzlich wenig zu tun. Abgesehen von seiner Alu-Rückwand ist an dem Gerät nichts Edles zu finden. Dabei haben sich die Software-Entwickler redlich Mühe gegeben, den Apple-Look nachzuahmen. Das Hauptmenü präsentiert sich mit verkleinerten Versionen der iPhone-Icons. Die haben aber oft ganz andere Funktionen als die Originale. Ein Klick auf das Google-Maps-Logo etwa führt in einen Dateimanager.
Wo ist der Stift versteckt?
Ohnehin offenbart sich schnell, dass die hübschen Icons nur aufgeflanscht sind. Direkt darunter hat die grafische Pracht ein Ende, zeigen sich nur noch textbasierte Menüs. Die offenbaren auch, dass sie eigentlich nicht für Touchscreen-Handys entworfen wurden. Neben jedem Menüpunkt prangt eine Zahl zwischen 0 und 9. Hätte man eine Tastatur, könnte man die Funktionen damit wohl per Knopfdruck ansteuern.
Bei dem kleinen iPhone aber muss man versuchen, die jeweilige Textzeile mit dem Finger zu treffen, was knifflig ist. Der nur 2,6 Zoll kleine Bildschirm verfügt für die vielen dargebotenen Textzeilen einfach über zu wenig Fläche. Gut, dass Ciscam einen Zeigestift als Bedienhilfe mitliefert. Schade nur, dass der beim Design offenbar nicht berücksichtigt wurde und komplett unter dem Rückendeckel verborgen ist. Um an den Mini-Griffel heranzukommen, muss man erst das Handy zum Teil zerlegen und dann wieder zusammensetzen.
Alles außer Internet
Aber es gibt auch Highlights. So verfügt das m888a über zwei Sim-Kartenslots, kann sich also bei zwei Providern gleichzeitig einbuchen. Das ist praktisch, wenn man für Sprachanrufe und Datenübertragungen unterschiedliche Anbieter nutzt oder im Urlaub eine Sim-Karte des Reiselands zusätzlich zur heimischen einstecken möchte. Zudem ist der Akku wechselbar, und die Bluetooth-Funktion erlaubt es, Musik zu übertragen. Eine solche Funktion wird Apple erst mit dem nächsten Software-Update nachliefern.
Die musikalischen Fähigkeiten des Geräts selbst sind allerdings auf MP3-Dateien beschränkt, von denen man aber nicht sonderlich viele unterbringen kann. Obwohl auf dem Gerät die Angabe 8GB eingeprägt ist, ist nur 1 GB Speicher eingebaut. Internet-Funktionen gibt es überhaupt keine. Weder ein Web-Browser noch ein Mail-Programm sind verfügbar. Angesichts der lahmen Datenrate des eingebauten GPRS-Moduls ist das aber wohl auch besser so.
Muss es eine Kult-Kopie sein?
Ein echter iPhone-Ersatz ist das m888a oder "mini iPhone" also kaum. Mit Apples Kult-Handy teilt es lediglich ein wenig Optik, sonst nichts. Allerdings auch nicht den Preis. Für 85 Dollar, rund 62 Euro, preist der Hersteller sein Gerät an. Für ein schlichtes GSM-Handy mit Dual-Sim-Funktion und Touchscreen kein schlechter Preis.
Aber wer beim Handy sparen will, ist mittlerweile nicht mehr auf derartige Nachbauten angewiesen. Erst am Dienstag beispielsweise hat Nokia Einsteigerhandys vorgestellt, die ähnlich günstig wie der iPhone-Klon, ihm technisch aber weit überlegen sind. Darunter das Nokia 2720 fold, ein Klapphandy, das immerhin per EDGE online gehen kann, gar nicht übel aussieht und mit 55 Euro sogar noch billiger ist als der Apple-Klon.
Ähnliche Billig-Handys gibt es von diversen Herstellern, ganz legal und mit Garantie, falls mal etwas kaputtgeht. Ob man das auch vom "mini iPhone" erwarten kann? Zweifel sind angebracht.