Apple-Nachbauten iPhone-Plagiate schon im Handel
Die Gerüchteküche um das iPhone hat sich zwar beruhigt, aber ganz will sie nicht verstummen: Derzeit kreisen hartnäckige Spekulationen vor allem um eine weitere Verzögerung bei der Markteinführung des Apple-Handys. Zuletzt hieß es dazu unter Berufung auf den taiwanesischen Auftragsproduzenten Han Hai, dass die Batterielaufzeiten nicht befriedigend seien.
Ursache für den Energiehunger des iPhones ist laut den Gerüchten die Software des Gadgets. Dazu passt, dass Apple letzte Woche eingestehen musste, die nächste Version seines Betriebssystems Mac OS X, Codename "Leopard", auf den Herbst verschieben zu müssen - Weil Personal vom Leopard-Projekt abgezogen werden musste, um das iPhone pünktlich im Juni ausliefern zu können.
Piraten sind schneller
Aber während Apple mit allen zur Verfügung stehenden Kräften noch an der Optimierung des iPhone arbeitet, haben chinesische Produktfälscher ihren Job bereits erledigt: Die ersten Kopien des Hype-Handys werden jedenfalls schon angeboten. Beispielsweise von der "Fuijan Huamin Import and Export Company". Details des Klons sind nicht bekannt, und Apples Anwälte haben das Angebot offensichtlich auch schon entdeckt, die Fälschungen tauchen auf jeden Fall nur noch auf der Übersichtsseite eines Händlers auf.
Produkt-Piraten aus China haben sich inzwischen den Respekt westlicher Konzerne erarbeitet, weil sie in einzelnen Fällen Geräte so schnell und gut kopieren, dass sie vor ihren Vorbildern auf den Markt kommen. Nach der Darstellung von südkoreanischen Handy-Produzenten werden von den chinesischen Produktpiraten inzwischen Teams von 20 bis 40 Ingenieuren und Programmierern angeheuert, die die Geräte sofort nach der Präsentation kopieren oder "nachentwickeln". Danach werden einige Zehntausend Plagiate hergestellt und meistens so schnell abgesetzt, dass die betroffenen Unternehmen höchstens einzelne Chargen abfangen können, aber die Produzenten ihre Spuren bereits verwischt haben.
Kreative Plagiatoren
Und die Plagiatoren haben inzwischen auch so viele Erfahrungen gesammelt, dass sie sich immer öfter nicht mehr aufs reine Kopieren beschränken. Stattdessen nutzen sie das Vorbild manchmal auch, um eine "Interpretaion" des Originals zu kreieren: So brachte die chinesische Firma CMEC einen "E-Smart" mit Elektromotor auf den Markt, und ein Unternehmen namens TJR ein "PSP Phone", das es von Sony gar nicht gibt.
Apple hat natürlich auch schon reichlich Erfahrung mit den kreativen Fälschern sammeln können, spektakulär beispielsweise das GPRS-Telefon "ZTC 321" im klassischen iPod-Design, das im Dezember 2006 auftauchte, als das iPhone offiziell noch gar nicht vorgestellt war. Und jetzt muss sich Apple mit Geräten wie dem " Hua Long IP2000 " auseinandersetzen, das dem iPhone zwar sehr ähnlich sieht, aber eine Reihe Design-Unterschiede zum Original aufweist: Am augenfälligsten ist die konventionelle Tastatur unterhalb des Touchscreens, eine Funktion die bei konservativ gestimmten Konsumenten auf Zustimmung stoßen könnte. Für rund 100 Euro bietet das "Hua Long IP2000 " zudem ein besonders großes Apple-Logo auf der Geräterückseite, das es beim Vorbild auch nicht gibt.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler