Aufgebohrte SMS: 160 Zeichen als Video - DER SPIEGEL
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Aufgebohrte SMS 160 Zeichen als Video

Handy-Nutzer lieben die schlanken Textnachrichten per SMS. Die Mobilfunkbranche sucht daher fieberhaft nach Möglichkeiten, SMS zu personalisieren, ohne den Service grundlegend zu verändern: Aus Fotos werden dabei 3D-animierte Videobotschaften.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SMS sind nach wie vor der populärste und umsatzstärkste Datendienst in den Handy-Netzen. Dazu dürfte nicht unwesentlich beitragen, dass die Textnachrichten einen einfachen, günstigen und ziemlich ausfallsicheren Service bieten. Im Gegensatz zur MMS werden hier ganz offensichtlich nur winzige Datenmengen bewegt. Und trotzdem haben wir uns daran gewöhnt, dass 160 Zeichen sehr emotional sein können.

Da die Nutzer den schlanken Dienst offensichtlich sehr schätzen und sich nur zögernd mit Multimedia-Services anfreunden, versucht sich die Mobilfunkbranche gerade an einer Art Quadratur des Kreises: SMS soll gewohnt einfach bleiben - und gleichzeitig ausdrucksstärker werden. Die Textnachrichten sollen persönlicher werden, und zwar möglichst ohne größere Datenmengen zu verschicken.

Am gradlinigsten ist das Konzept des koreanischen Konzerns Samsung: In einem unlängst erteilten US-Patent hat sich der Handy-Hersteller die Idee schützen lassen, Textnachrichten mit Comic-Figuren aufzupeppen. "Mobiles Kommunikations-Terminal und Methode um auf diesem Kurznachrichten darzustellen" lautet der sperrige Titel des Patents auf das eigentlich recht einfache Konzept: Kontakte im Adressbuch werden Zeichnungen zugeordnet. Geht von dem Kontakt eine SMS ein, wird die Textnachricht als eine Art Comic-Sprechblase dargestellt.

Einen Schritt weiter gehen Forscher der University of Pittsburgh, die Emoticons personalisieren wollen. Die einschlägigen Zeichenkombinationen wie ";)", werden dabei durch ein Foto des Absenders mit dem passenden Gesichtsausdruck ersetzt. Im Gegensatz zu ähnlichen Ansätzen muss für die "Face Alive Icons" aber nicht mehr für jede Gefühlslage ein Foto gespeichert werden. Das System kommt stattdessen mit einem einzigen Porträtbild aus. Auf diesem sollte der Nutzer "möglichst neutral" wirken, erklärte Entwickler Xin Li "Technology Review". Das Basisfoto wird dann je nach Bedarf zu einem lachenden, einem skeptischen oder einem traurigen Gesicht moduliert - was manchmal allerdings etwas seltsam aussieht.

Handys erzeugen Videos

Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch die Technik der Firma Pulse Mobile, allerdings wird bei deren "Veepers Messaging" aus dem Ausgangsfoto gleich ein dreidimensional wirkendes Video errechnet. Das animierte Bild kann dem Empfänger SMS, aber natürlich auch E-Mails "vorlesen".

Derzeit sieht das noch etwas holperig und unbeholfen aus, vor allem die Lippenbewegungen wirken noch arg steif. Aber Pulse Mobile hat gerade sieben Millionen Dollar Risikokapital eingesammelt, das vor allem in weitere Forschung fließen soll. Womit in naher Zukunft die Quadratur des SMS-Kreises gelingen könnte: Aus 160 Zeichen könnten dann ausgewachsene Videobotschaften werden.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler