Das rosarote T: Es kann nur Eines geben - DER SPIEGEL
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Das rosarote T Es kann nur Eines geben

Ein Telefon für überall, statt ein Telefon für Unterwegs und eins für Zuhause. So lautet die Vision der Herbstkampagnen vieler Mobilefunkanbieter: Voice Over IP, W-Lan und Handynetze sollen bei Freecom, Arcor und der Telekom zusammenwachsen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"T-One". Wer auch immer im entscheidenden Meeting der T-Online-Konzepter diesen Namens-Geistesblitz hatte - der oder die Betreffende dürfte noch heute am entrückten Lächeln zu erkennen sein. "T-One", das klingt nicht nur wie ein Neuanfang biblischen Ausmaßes der Volksaktiendesaster-T-Bindestrich-Familie, es mutet irgendwie sogar cooler als an als "Terminator 2".

Bis Eins kann nämlich jeder zählen, das sagt uns auch die im letzten Monat endgültig beschlossene Wiedervereinigung von T-Online und T-Com. Und T-One will das Produkt dieser Wiedervereinigung sein. Die Firma mit dem T verspricht sich folglich Großes von T-One.

Telekom im Zugzwang

Festnetztelefonie ist als Geldquelle mittlerweile auch in den Manageretagen der Telekommunikations-Unternehmen nahezu abgeschrieben. In Großbritannien ist die Umstellung des Festnetzes auf das Internet-Protokoll beschlossene Sache. Da ist es nahe liegend, die lukrativen Mobilsparten und die darbende Festnetzwelt zu koppeln.

Schon im Frühjahr auf der Cebit angekündigt, rückt der September-Start von T-One jetzt in greifbare Nähe und lädt zu Gedankenexperimenten ein: Vor ein paar Tagen wurde beispielsweise klar, dass mit T-One höchstens zwei Personen gleichzeitig über den heimischen DSL-Anschluss telefonieren können. Da fragt man sich unwillkürlich: "Warum nur zwei?" Wo doch bis zu vier Telefone (Mama, Papa und vermeintliche Durchschnittskinder) Zuhause ein und dieselbe VoIP-Flatrate nutzen dürfen.

Richtig: DSL ist ja hierzulande gar nicht DSL, sondern nahezu immer ADSL. Asynchrones DSL. Heißt: Alle können viel und schnell runterladen, aber Daten ins Netz schicken geht eher im Schneckentempo. Und was für den Konsum von Webseiten durchaus Sinn macht, ist für das Telefonieren über das Internet eher problematisch. Denn Audio-Daten wie bei einem VoIP-Gespräch ins Netz schicken, das erfordert auch beim Senden eine nicht zu unterschätzende Bandbreite.

Und das Problem könnte auch im W-Lan-Netz der Telekom auftauchen, das in Deutschland mittlerweile aus 7.000 Hotspots besteht, und von T-One als günstige Alternative zum Handynetz automatisch genutzt werden soll, wann immer dies möglich ist. Denn auch dieses Netz basiert zum größten Teil auf DSL. Wer schon einmal versucht hat, große Datenmengen am Flughafen über einen der so genannten "HotSpots" zu verschicken, weiß um den Flaschenhals.

Sollte sich also die Prognose von T-Com-Chef Walter Raizner bewahrheiten, und Ende 2007 wirklich eine halbe Millionen Kunden T-One nutzen, dann könnte es schon bald auf Flughäfen und an Bahnhöfen, in Cafes und Ballungszentren heißen: Wer zuerst kommt, telefoniert am billigsten. Zusammenwachsen ist eben immer eine komplizierte Geschichte.

Sascha Koesch / Robert Stadler, de-bug.de