Drei Stunden ohne E-Mail Totalausfall bei Blackberry
Es habe einen schwerwiegenden Ausfall gegeben, teilte der Smartphone-Hersteller Blackberry seinen amerikanischen Kunden am Montagnachmittag mit. Doch als die Nachricht kam, wussten die meisten Blackberry-Nutzer längst davon, hatten die Probleme längst zu spüren bekommen. So wie Internet-Manager Stuart Gold. "Ich drehe durch, jetzt reicht es mir", fluchte der Marketing-Mann. Er bekomme rund 1000 E-Mails pro Tag und könne sich keine Ausfälle leisten.
Doch das Ereignis vom Montag war bereits der zweite weitreichende Ausfall des Blackberry-Systems binnen zehn Monaten. Am Montag gegen 15.30 Uhr nordamerikanischer Ostküstenzeit fiel der E-Mail-Push-Dienst, der eingehende elektronische Post sofort auf die Blackberry-Handys der Empfänger weiterleitet, aus. Gegen 18.30 Uhr, so das Unternehmen, sei der Service wiederhergestellt gewesen. Sprachverbindungen und SMS-Dienste waren nicht betroffen.
Drei Stunden also, mussten Blackberry-Anwender in den USA und Kanada auf die sofortige Zustellung ihrer Mails aufs Handy verzichten. Drei Stunden nur, mag man denken, doch diese Zeitspanne genügte schon, um bei manchen Nutzern Panik auszulösen.
Eine Erklärung steht noch aus
So wie bei dem kanadischen Parlamentarier Garth Turner. "Alle befinden sich in einer Krise, weil sie auf ihren Blackberrys herumtippen, aber nichts passiert", sagte Turner. "Es ist so, als wären alle Telefonleitungen gekappt. Oder so, wie ein Zusammenbruch der Telegrafenverbindungen im letzten Jahrhundert", schmückte der Politiker seine Einschätzung aus.
Dabei sind Blackberry-Nutzer auf einzigartige Weise darauf angewiesen, dass die Blackberry-Server reibungslos funktionieren. Denn das Besondere an Blackberry-Handys ist es eben, dass man E-Mails ohne Verzögerung zugestellt bekommt, egal wo man gerade ist. Um das zu ermöglichen, werden die elektronischen Nachrichten von den Blackberry-Servern in Empfang genommen und über das Mobilfunknetz zugestellt.
Eine Erklärung zur Ursache der Probleme gab das Unternehmen bislang nicht. Doch das ist nicht ungewöhnlich, scheint bei den Kanadiern zur Unternehmenskultur zu gehören. Nach dem letzten großen Blackberry-Ausfall, im April 2007, ließ sich die Firma zwei Tage Zeit, bevor sie eine Stellungnahme veröffentlichte.
Notfallmaßnahmen
Stuart Gold nutzte während des Ausfalls sein Laptop, um eingehende Mails sichten zu können. Gold: "Ich bin 300 Tage im Jahr unterwegs. Mein ganzes Leben befindet sich in meinem Blackberry: Meine Familie, meine Arbeit, meine Emotionen, alles." Den letzten Ausfall habe er noch als nette Unterbrechung seines Arbeitsalltags empfunden, nun aber könne er gar nicht glauben, dass es schon wieder einen solchen Zusammenbruch gegeben habe. "Die dürfen so etwas nicht mit mir machen", jammerte Gold.
Um sich gegen mögliche künftige Blackberry-Auszeiten zu wappnen, will Gold bei seiner Firma jetzt ein zweites Smartphone beantragen, als Sicherheitsreserve. Entsprechende Geräte, die ebenfalls Push-Mails-Dienste nutzen können, gibt es von etlichen Herstellern, darunter beispielsweise Palm und Motorola.
Doch so dramatisch wie Stuart Gold wird der dreistündige E-Mail-Stopp nicht von allen Blackberry-Nutzern aufgefasst. An einigen davon sind Blackberrys Probleme glatt vorbeigegangen. So wie am einem Anwender, der sich im Internet "kingofthecarts" nennt. In einem Internet-Forum schrieb er: "Ich habe das erst gemerkt, als ich nach vier Stunden plötzlich von E-Mails überschwemmt wurde."
mak/AP