Geräuschdämmung Handy-Telefonzellen senken Plapper-Pegel
Handy-Gespräche in der Öffentlichkeit führen regelmäßig zu Konflikten: Der Telefonierende nervt die unfreiwilligen Zuhörer, die sich wiederum an der Handy-Konversation stören. Im Effekt schaukelt sich der allgemeine Lärmpegel auf, neudeutsch müsste man wohl von einer "Lose-Lose-Situation" sprechen. Die Lösungsvorschläge von Designern, zum Beispiel aufblasbare Ballonzelte, sind witzig, aber nicht besonders praktisch.
Nun hat es bereits in der Vergangenheit ein recht erfolgreiches Konzept für öffentlich geführte, aber dennoch abgeschirmte Gespräche gegeben: die Telefonzelle. Sie gilt im Handy-Zeitalter schon fast als Kuriosum der Technikgeschichte. Das Konzept scheint insbesondere der jüngeren Zielgruppe nur noch als Karikatur nahezubringen zu sein. So präsentierte Nokia vergangenes Jahr auf Musikfestivals in Belgien und Holland eine "Silence Booth", in der die Besucher in Ruhe Telefonate führen konnten.
Dabei bezog sich das Ruhe-Versprechen nur auf die Akustik. Die rundum verglasten Zellen wurden nämlich erhöht auf Sockeln platziert, um das "ruhige" Gespräch zum Ereignis hochzujuxen.
Telefonzellen ohne Anschluss
Dass sich das Mobilitätsversprechen von Handys schlicht nicht mit dem Konzept der Telefonzelle verträgt, beweisen die kommerziellen "Handy-Zellen". So bekam der US-Unternehmer Dennis Raney für seine Idee, Telefonzellen im Retro-Look aufzustellen, vor allem eine Reihe wohlwollender Pressemeldungen.
Nur kaufen wollte Raneys "C.P. Booth" kaum jemand - kein Wunder, bei Preisen bis zu 2600 Euro. Momentan versucht die Firma Salemi Industries noch, "Cell Zones" zu Dumping-Preisen unter 300 Dollar loszuschlagen. Besonders gefragt scheinen die Handy-Röhren im Nasszellen-Design aber nicht zu sein.
Künstler versuchen sich an witzigen Telefonzellen: So hat der US-Bildhauer Nick Rodrigues eine "tragbare Telefonzelle" in Form eines überdimensionierten Hutes entworfen, die "Portable Cellphone Booth". Eine vollwertige und dennoch tragbare Telefonzellen-Hommage kommt unterdessen von der Medienkünstlerin Jenny Chowdhury, deren "Cell Atlantic CellBooth" man als Rucksack mit sich führen kann - um sie bei Bedarf zu entfalten, womit man ein Zelt aus Plastikplanen in Originalgröße erhält.
Die radikalste Arbeit zum Thema kommt aber unbestritten von den britischen Designern James Auger und Jimmy Loizeau: Deren "Isophone" schließt wirklich sämtliche Umgebungsreize aus, damit sich der Nutzer voll auf sein Handy-Gespräch konzentrieren kann. Dazu greifen sie das Konzept des Isolationstanks auf, in dem man gegen Licht und Geräusche abgeschottet in einer warmen Salzlösung schwimmt.
Anders als in den zu Therapiezwecken oder für Selbsterfahrungstrips konzipierten Isolationstanks lassen Auger und Loizeau aber noch einen Reiz zum Nutzer durchdringen. Das "Isophone" umschließt dafür den Kopf mit einem Aluminium-Helm, den Stangen mit drei Schwimmkörpern verbinden. Damit kann der "Isophone"-Nutzer sich in einem Schwimmbecken treiben lassen und sich gänzlich seinen Telefonaten hingeben, garantiert ungestört vom lästigen Umgebungslärm.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler