Globalisierung: Gebrauchte Handys, gebrochene Beine - DER SPIEGEL
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Globalisierung Gebrauchte Handys, gebrochene Beine

Manchmal kann man Nachrichten aus verschiedenen Teilen der Welt zu neuen kombinieren. Zwei aktuelle Meldungen ergeben zusammengefasst eine Geschichte über die Zusammenhänge in der globalisierten Welt: Wie US-Mobilfunkverträge afrikanische Beine brechen - und Lacher verursachen.
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Die US-Lokalzeitung "Clarion Ledger" berichtet diese Woche von der Erfolgsgeschichte der Firma ReCellular aus Michigan: Nach 15 unspektakulären Jahren im PC-Entsorgungsgeschäft explodiert das Geschäft jetzt durch Verträge mit Mobilfunkbetreibern wie Verizon, Cingular oder T-Mobile.

Derzeit werden von ReCellular monatlich 300.000 gebrauchte Handys verarbeitet, wobei ein Großteil der Geräte für den Wiederverkauf aufgearbeitet wird, dabei gehört eine Reinigung ebenso zur Prozedur wie die Löschung vorhandener Daten.

Exportschlager Alt-Handy

Durchschnittlich werden die gebrauchten Handys von ReCellular für 18 Dollar wiederverkauft, und ein Großteil geht in den Export: ReCellular liefert in mehr als 30 Länder, darunter vor allem Entwicklungsländer, in denen es im Gegensatz zum US- oder europäischen Markt nicht üblich ist, zu einem Zweijahresvertrag ein stark verbilligtes Telefon zu erhalten.

Stattdessen müssen etwa in weiten Teilen Afrikas Mobilfunknutzer ihre Handys und Gesprächsguthaben separat erwerben - und trotzdem boomt auch hier das Geschäft, schon lange wurden die spärlich ausgebauten Festnetze von der Handy-Welle abgehängt.

Das Nebro-Syndrom

Nach einem aktuellen Bericht der BBC hinkt etwa in Uganda der Ausbau der Netze der Nachfrage eklatant hinterher, was dazu führt, dass es in vielen ländlichen Gebieten zwar zahlreiche Handy-Besitzer gibt, aber der Empfang deutlich zu wünschen lässt.

Um zu Telefonieren, müssen daher viele Menschen im ländlichen Uganda zunächst einen Hügel erklimmen oder auf einen Baum klettern: Mediziner berichten in der Folge von einem spürbaren Anstieg bestimmter Verletzungen. Vor allem alte Menschen zahlen demnach für die moderne Kommunikation mit Blessuren bis hin zu gebrochenen Beinen und Armen.

Der ugandische Satiriker Joachim Buwembo hat dem Phänomen jetzt sogar einen Namen gegeben: "Nebrols" steht für das "Network Broken Limbs Syndrome" - Nicht nur die Spur gebrauchter Mobiltelefone führt rund um den Globus, auf umgekehrtem Weg und medial vermittelt zeugt auch der afrikanische Humor von seiner Export-Tauglichkeit.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler