GPS-Kompass Das Handy als Konsum-Zeigefinger
Am Rathaus hängt ein Barcode. Wer mit dem Handy ein Foto davon macht, bekommt übers Drahtlos-Internet den zugehörigen Wikipedia-Eintrag aufs Display gebeamt. Solcherlei vom eigenen Standort abhängige Informations-Services wurden schon bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen als kommende Massenanwendung gehandelt.
Mittelfristig sollen die sogenannten "Location Based Services" das Handy-Display zum Konsumwegweiser machen. Vor allem Geschäfte, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten sollen schnell mit Informations-Codes versehen werden, die sich mit dem Handy abrufen lassen.
Seit vergangenem Jahr wird dem Konzept, das zwischen bezahlter Werbung und nützlicher Navigationshilfe changiert, ernsthaft Massenpotential zugeschrieben. Nicht nur die Handy-Branche, auch die Nutzer scheinen den Location Based Services inzwischen zugeneigt zu sein: Jedenfalls stehen sie laut einer In-Stat-Umfrage, die Ende letztes Jahres durchgeführt wurde, in der Gunst potentieller 3G-Anwender sogar höher als Video- oder TV-Dienste.
Entscheidende Details
Unterdessen scheint das alte Konzept langsam im mobilen Alltag des Durchschnittsnutzers anzukommen. Unlängst hat es der drittgrößte US-Mobilfunkanbieter Sprint umsetzt: Ein neuer Service namens "Slifter" soll Handy-Besitzer via GPS-Navigation auf dem kürzesten Weg zum gewünschten Produkt führen. Die Suche wird mit einem einfachen Stichwort oder einer konkreten Produktbezeichnung gestartet. Das von der Firma GPShopper entwickelte System liefert zunächst verfügbare Preise und Produktinformationen aufs Handy. Sobald der Nutzer ein Ziel ausgewählt hat, navigiert Slifter zum gewünschten Geschäft
In Branchenkreisen gilt Slifter als wichtiger Praxistest, vor allem weil der Service auf Spezialisierung verzichtet. Durch den generalistischen Ansatz ist das Risiko groß, dass Nutzer zu bestimmten Artikeln keine oder nur magere Informationen erhalten. Als Erfolgsrezept für die Konsum-Navigation gilt bislang die Konzentration auf ein bestimmtes Produkt oder eine exakt definierte Zielgruppe. Zielgruppenspezifisch ist beispielsweise der japanische Dienst "Guinness Navi": Mit diesem können Fans der Biermarke in Tokio den kürzesten Weg zum nächsten Irish-Pub finden.
Handys mit Kompass
Ebenfalls aus Japan kommt die Location-Based-Services-Erweiterung "Mapion Pointing". Bislang bot dieser ähnliche Funktionen wie Slifter, aber seit kurzen können die Nutzer mit ihren Handys auf ein Geschäft oder ein Restaurant zeigen, um Informationen zum Angebot zu erhalten.
Möglich wird dies durch die Integration einer Kompass-Funktion in Handy-Modelle von Casio, Kyocera und Sony Ericsson. Durch Kombination der Positions-Daten mit der Richtung, in die ein Telefon gehalten wird, kann das System jetzt auch die intuitive Geste des Nutzers erkennen. "GPS erkennt, wo ein Telefon ist, der Kompass, auf welches Geschäft der Nutzer 'klickt'", erläutert ein Mapion-Sprecher die neue Navigations-Dimension gegenüber der Site "Networking Computing".
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler