Handschrift-Erkennung: SMS per Datenstift - DER SPIEGEL
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Handschrift-Erkennung SMS per Datenstift

Einfach einen Text auf ein Blatt Papier schreiben, dahinter den Namen des Empfängers einkringeln und schon ist die SMS unterwegs. Das Konzept eines Nachwuchsdesigners erinnert an eine alte Idee, die mit einer neuen Sensorengeneration endlich umgesetzt werden könnte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nicht nur in den Labors der großen Technikkonzerne wird fleißig am Handy der Zukunft gearbeitet, auch Nachwuchsdesigner widmen sich immer häufiger dem Thema. Weil die angehenden Produktgestalter ihrer Phantasie noch freien Lauf lassen können, sind ihre Entwürfe oft spannender als real existierende Telefone.

Die Design-Konzepte erkunden aber nicht nur ästhetisches Neuland. Viele Entwürfe sind auch als technische Spekulation zu verstehen. Ein besonders plastisches Beispiel dieser Science-Fiction hat gerade der australische Jungdesigner Reuben Png  vorgestellt. Sein Datenstift " D:Scribe " soll handschriftliche Notizen digital aufzeichnen, und bei Bedarf per SMS verschicken. Letzteres soll wirklich im Handumdrehen möglich sein: Nach dem Inhalt der SMS schreibt man einfach den Namen des gewünschten Empfängers und kringelt diesen ein, den Rest soll der schlaue Stift von alleine erledigen.

Geschichte des Scheiterns

Nach dem Konzept ist das Einkringeln des Empfängernamens der Befehl zum Versenden des zuvor Geschriebenen als Kurzmitteilung. " D:Scribe " stellt daraufhin per Bluetooth die Verbindung mit dem Handy des Nutzers her, und schlägt den Namen im Adressbuch nach. Die Versandbestätigung bzw. Fehlermeldungen erscheinen anschließend auf dem einzeiligen Display der Science-Fiction-Gadgets.

Die eingängige Funktionsweise des Datenstift-Konzepts wirft die Frage auf, ob es sich auch realisieren lässt. Um die Antwort zu finden, muss man zunächst einen Blick auf die Geschichte des "Pen Computing" werfen: Die Idee, Rechner mit einem Eingabestift zu bedienen, ist nämlich schon 40 Jahre alt. Aber die ersten drei Jahrzehnte scheiterten alle Umsetzungsversuche mehr oder weniger dramatisch. Der erste Durchbruch kam mit den Handheld-Computern von Palm, deren Bedienung allerdings noch eine spezielle Schreibweise erforderte.

Sensor-Revolution

Verbesserte Algorithmen und die Rechenleistung, die aktuelle Computer zur Verfügung stellen, ermöglichen inzwischen sogar die automatische Erfassung handschriftlicher Notizen, auch wenn dazu eine "Lernphase" erforderlich ist. Das größere Problem bei der Realisierung des Entwurfs von Jungdesigner Reuben Png, dürfte daher nicht Schrifterkennung, sondern die Schrifterfassung sein: Mit dem " D:Scribe " soll man ja nicht auf einem Touchscreen, sondern auf normalem Papier schreiben. Der Stift muss daher zunächst die Schreibbewegungen in ein Schriftbild umsetzen. Und daran sind bislang alle entsprechenden Versuche gescheitert.

2001, auf dem Höhepunkt der New Economy, kündigte beispielsweise die Firma Gou Lite (inzwischen OTM Technologies) an, in absehbarer Zeit einen "Virtual Pen" auf den Markt zu bringen - dessen Entwicklung bis heute nicht abgeschlossen ist. Zur gleichen Zeit wurde der "ChatPen" von Anoto  als revolutionäre Anwendung gehandelt. Das System erfordert allerdings ein Spezialpapier, weshalb es sich nur in einigen Nischen etablieren konnte.

Im Unterschied zu "Virtual Pen" und "ChatPen", die Schreibbewegungen mit optischen Methoden erfassen, soll "D:Scribe" diese Aufgabe mit Bewegungssensoren erledigen. Der Nachwuchsdesigner ist offensichtlich von der rasanten Entwicklung in diesem Bereich, für die beispielhaft Nintendos Spielkonsole Wii steht, inspiriert. Eine neue Sensor-Generation, die sogenannten "Micro Electro Mechanical Systems", sollen schon in wenigen Jahren feinfühlig genug sein, um die feinen Bewegungen wie beim Schreiben aufzuzeichnen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler