Handy-Auslandsgebühren Weg frei für niedrigere Roaming-Preise
Straßburg - Auf dem Weg zur Senkung der Handy-Gebühren für Auslandsgespräche ist eine weitere Hürde genommen worden. Am späten Montagabend stimmte der zuständige Ausschuss des EU-Parlaments in Straßburg für einen in der vergangenen Woche ausgehandelten Kompromiss.
Dieser sieht vor, dass die Gebühren-Obergrenzen für Handygespräche in den kommenden drei Jahren schrittweise gesenkt werden. Demnach sollen die Mobilfunkanbieter ab diesem Jahr nur noch maximal 49 Cent pro Minute für abgehende Gespräche sowie 24 Cent pro Minute für ankommende Telefonate berechnen dürfen. Derzeit werden für dieselbe Leistung bis zu drei Euro in Rechnung gestellt.
In den folgenden Jahren soll die Gebührengrenze dann schrittweise zuerst auf 46 und später auf 43 Cent pro Minute für abgehende Gespräche festgezurrt werden. Erst letzte Woche hatten sich die Deutsche EU-Ratspräsidentschaft, die EU-Kommission und das EU-Parlament auf diesen Kompromissvorschlag geeinigt. Bevor der Vorschlag bindend wird, muss er jedoch noch vom EU-Parlament und den zuständigen EU-Ministern ratifiziert werden.
Zu spät für den Sommer
Da die Abstimmung durch die Minister für Anfang Juni geplant ist, könnte eine neue Regelung frühestens Mitte Juli in Kraft treten. Allerdings billigt das Parlament den Anbietern eine Übergangsfrist von einem Monat zu. Diese Zeit sollen die Mobilfunk-Provider nutzen, um ihren Kunden ein Angebot für die neuen Tarife vorzulegen. Die Kunden wiederum haben daraufhin zwei Monate Zeit, sich entweder für die Annahme des EU-Tarifs oder für ein Alternativangebot ihres Providers zu entscheiden. Wer bis zum Ablauf dieser Frist keine Entscheidung getroffen hat, soll auf die EU-Tarife umgestellt werden - allerdings nur, sofern diese günstiger sind als der bisher gewählte Tarif.
Vor den Sommerferien dürfte es also für die meisten Mobilfunkkunden nichts mehr werden, mit den günstigen Euro-Tarifen.
Billig-Angebote suchen
Ohnehin ist Handy-Nutzern zu empfehlen, sich vor einer Reise ins Ausland über die Höhe der zu erwartenden Roaming-Gebühren zu informieren. Meist halten die Mobilfunk-Provider entsprechende Übersichten auf ihren Webseiten bereit. Künftig, so sieht es der Roaming-Kompromiss vor, soll man zudem eine Informations-SMS mit den jeweiligen Roaming-Gebühren bekommen, sobald man einer innereuropäische Grenze übertritt.
Zudem bieten fast alle Provider jetzt schon spezielle EU-Tarife an. Um von denen profitieren zu können, muss man sich allerdings zunächst bei seinem Netzanbieter für die Nutzung der günstigen Auslandstarife . Je nach Anbieter liegen die Kosten für ankommende Gespräche bei solchen Tarifen meist bei rund einem Euro pro Minute. Einige Spezialtarife unterbieten jedoch schon jetzt die künftigen EU-Obergrenzen.
Zu beachten ist allerdings, dass außerhalb der EU andere Preise gelten, die nochmals drastisch höher sein können. Besonders dramatisch zeigt sich das bei den Kosten für mobile Datenübertragung und Internetzugänge - die auch zukünftig von der Regulierung durch die EU ausgenommen sind.
Mit Material von AFP