Handy-gesteuert: Roboter fängt Einbrecher per Fangnetz - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Handy-gesteuert Roboter fängt Einbrecher per Fangnetz

Vor allem in Japan sind Roboter schon häufig als Wachhunde im Einsatz, per Handy vernetzt auch in Privathaushalten. Ein Modell aus der Roboterschmiede Tmsuk kann Einbrecher sogar per Fangnetz an der Flucht hindern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Roboter als Wachhunde einzusetzen, ist inzwischen ein gängiges Konzept, auch wenn der Roboter auf Patrouille noch kein echtes Massenphänomen ist. Trotzdem gibt es sogar für den Hausgebrauch schon zahlreiche Angebote, wobei natürlich das Roboter-verrückte Japan führend ist. Ein typischer Blechkamerad für die Hausüberwachung ist beispielsweise der "Roborior" aus der Bot-Schmiede Tmsuk , der von Sanyo vermarktet wird und in Japan umgerechnet rund 2.300 Euro kostet.

Die wichtigste Roborior-Funktion ist der Anschluss ans schnelle Mobilfunknetzwerk der dritten Generation, denn über dieses kann der Roboter einerseits gesteuert werden, andererseits übermittelt er die Lage per Videobild inklusive Ton an seinen Besitzer. Im Werbevideo sieht die Roborior-Praxis dann so aus, dass die berufstätige Mutter vom Arbeitsplatz aus daheim das Kommando führt: Eine Kontrollfahrt ins Wohnzimmer zeigt, dass der Sohn im Grundschulalter zu nah am Fernsehschirm hockt, aber auf eine Ermahnung der Mutter, deren Stimme aus dem Roborior-Lautsprecher tönt, diesen Fehler prompt korrigiert. Das ist noch Erziehung!

Fangnetz

Letztendlich funktionieren aber auch die Roboter für den kommerziellen Einsatz als Wachhund nicht anders als der schnuckelige Roborior. Geräte wie der "Guardrobo" schlagen Alarm, wenn sie Ereignisse registrieren, die ihre Software nicht als Routine erkennt. Die Reaktion auf den Ausbruch eines Feuers oder das Auftauchen eines Einbrechers bleibt aber immer noch Menschen überlassen.

Die neueste Kreation aus dem Hause Tmsuk bricht allerdings aus dem Schema des Roboters als passivem Beobachter aus. Die martialisch wie ein berühmter russsischer Panzer "T-34" benannte Maschine fährt nämlich nicht nur per Handy vernetzt Patrouille. T-34 stellt sich vielmehr der direkten Konfrontation mit einem Einbrecher.

Ist ein unerwünschter Eindringling ausgemacht, überträgt T-34 zunächst das Videobild per Handy-Netz an die Einsatzzentrale. Von dort kann wiederum der Abschuss eines Fangnetzes ausgelöst werden, mit dem der Einbrecher wenigstens für kurze Zeit an der Flucht gehindert werden soll. Dem Vernehmen nach soll der T-34 in zwei Jahren für etwa 7.000 Euro auf den japanischen Markt kommen, wobei auch an einer Version für Privathaushalte gearbeitet wird. Ob dann auch Einbrecher auf den Markt kommen, die sich so bereitwillig fangen lassen wie der reichlich unbewegliche Herr im Demo-Video (siehe unten), ist noch nicht ganz klar.

Robotergesetze

Angesichts der Tatsache, dass der Schuss mit dem Fangnetz per Handy von einem Menschen ausgelöst wird, könnte der T-34 noch gerade dem "Robotergesetz" genüge tun. Dieses wurde 1942 vom Schriftsteller Isaac Asimov aufgestellt und hat natürlich keinerlei juristische Relevanz, gilt aber unter Wissenschaftlern als weitgehend akzeptierte Richtschnur.

Asimovs erstes Gesetz für Blechkameraden lautet: "Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen." Kompliziert wird der Fall des T-34 allerdings erst durch das zweite Gesetz: "Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen - es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren." Demnach müsste der T-34 den Befehl zum Netzabschuss verweigern, wenn dies als "Verletzung" einzustufen wäre.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler

Mehr lesen über