Handy-Trends: Heimliches Toiletten-Surfen - DER SPIEGEL
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Handy-Trends Heimliches Toiletten-Surfen

Im ersten Quartal 2007 wurden von den Briten zum ersten Mal seit zehn Jahren weniger mobile Telefonate geführt. Gleichzeitig gehen immer mehr von ihnen mit ihren Handys online - im Zweifelsfall auf der Bürotoilette zur Umgehung von Surf-Verboten am Arbeitsplatz.
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Großbritannien ist nicht nur das Land mit der höchsten Überwachungskameradichte der Welt, die Briten haben auch ein besonderes Faible für neue Mobiltelefon-Spielereien. Und anders als im Fall des Handy-Vorreiters Südkorea finden die Entwicklungen von der Insel meist recht nahtlos ihren Weg ins übrige Europa.

Angesichts dieser Trendsetter-Funktion lässt eine aktuelle Meldung zur Handy-Nutzung in Großbritannien aufhorchen: Nach Zahlen der Meinungsforscher von JD Power nimmt die Zahl der Telefonate mit dem Handy erstmals ab. Demnach tätigten britische Pre-Paid-Nutzer im ersten Quartal 2006 durchschnittlich nur noch zehn Telefonate in der Woche, 2007 waren es noch 14. Bei den Vertragskunden fiel die Zahl unterdessen von 35 auf 27 Anrufe in der Woche.

Datenverkehr statt Redefluss

JD Power nimmt die Handy-Nutzung in Großbritannien bereits seit einer Dekade regelmäßig unter die Lupe, der jetzt festgestellte Rückgang der Telefonate ist dabei eine ganz neue Entwicklung - Bislang stiegen die Zahlen langsam aber stetig an. Ursache scheint aber mitnichten ein abnehmendes Kommunikationsbedürfnis zu sein, die Kommunikation verlagert sich einfach weg von der Sprachtelefonie hin zu Datendiensten wie der mobilen E-Mail-Nutzung oder dem Klassiker SMS: Während die Zahl der Telefonate britischer Vertragskunden im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent abnahm, stieg gleichzeitig die Zahl der gesendeten SMS um rund 43 Prozent.

Der Übergang von der traditionellen Handy-Nutzung hin zu den allgemein propagierten Datendiensten vollzieht sich aber auch in Großbritannien nicht reibungslos. Denn ähnlich wie hierzulande kann das mobile Surf-Vergnügen mit einer bösen Überraschung enden, wenn die monatliche Rechnung im Briefkasten landet. Mit den Diensten des Mobilfunkers "3" gibt es zwar auf der Insel bereits Handy-Flatrates, die wirklich "flach" sind, aber die großen Anbieter zögern diesen Schritt auch in Großbritannien noch immer hinaus.

Web auf dem Klo

Neue Dynamik könnte die mobile Internet-Nutzung jetzt durch die Ergebnisse einer Studie bekommen, die im Auftrag der britischen T-Mobile-Tochter durchgeführt wurde. Dabei fanden die Meinungsforscher von YouGov heraus, dass Internet-Restriktionen am Arbeitsplatz zunehmend mit dem Handy umgangen werden: Von 2.000 Befragten gaben rund 23 Prozent an, dass ihnen die Nutzung von sozialen Netzwerk-Sites am Arbeitsplatz untersagt ist, elf Prozent dürfen nicht einmal auf Webmail zugreifen.

Gleichzeitig nutzt bereits annähernd die Hälfte der Befragten das Handy, um während der Arbeitszeit online zu gehen. Neben der Umgehung entsprechender Verbote spielt dabei auch der Schutz der Privatsphäre eine tragende Rolle - Schließlich können Firmen jederzeit kontrollieren, welche Internet-Angebote von ihren Rechnern aus angesteuert wurden. Eine besondere Gruppe stellen dabei die 15 Prozent der mobilen Surfer dar, die ihren Web-Geschäften heimlich von der Büro-Toilette aus nachgeht.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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