Handy-TV E-Plus steigt aus
Das seit vielen Monaten als Zukunftstechnologie gepriesene Handy-Fernsehen hat einen schweren Stand in Deutschland. Eigentlich sollten schon zur Fußball-WM in ganz Deutschland Menschen Spiele in Briefmarkengröße ansehen - aber irgendwie wurde dann doch nichts draus. Eigentlich wollten die großen deutschen Mobilfunkbetreiber in einem Konsortium dafür sorgen, dass das mobile Fernsehen endlich Realität wird. Nun ist E-Plus aus der Allianz ausgestiegen.
Die KPN-Tochter teilte am Mittwoch mit, über wesentliche Eckpunkte sei bislang keine Einigung erzielt worden. Außerdem seien derzeit Rahmenbedingungen für ein wirtschaftlich tragfähiges Angebot auf Basis des Rundfunk-Standards DVB-H nicht erfüllt, weil es weiterhin Unklarheit über Lizenzen und Regulierung gebe.
E-Plus hatte zusammen mit T-Mobile, Vodafone D2 und o2 Germany Ende Mai ein Pilotprojekt für Handy-TV über DVB-H gestartet. Beim zweiten Standard DMB stehen jedoch Frequenzen bundesweit zur Verfügung - für DVB-H-Frequenzen gilt das nicht. Sie müssen von den einzelnen Landesmedienanstalten vergeben werden.
Handy-TV: Grundsätzlich ok, nur nicht so
"Wir entscheiden uns nicht gegen das Produkt Handy-TV, sondern ziehen die Konsequenzen aus unseren bisherigen Erfahrungen", so E-Plus-Chef Michael Krammer. E-Plus werde sich auf Produkte und Dienste konzentrieren, für die bereits eine entsprechende Kundennachfrage bestehe.
Aus heutiger Sicht müssten die Netzbetreiber das komplette Investitionsrisiko für den Aufbau einer TV-Infrastruktur tragen, obwohl etwa Fernsehsender an dem Modell mitverdienten, erläuterte ein E-Plus-Sprecher. Handy-TV sei daher für die Kunden zu teuer oder für die Betreiber unwirtschaftlich. Zudem zeigten Erfahrungen aus anderen Ländern, dass Handy-TV noch nicht anwenderfreundlich genug sei.
Die DMB-Frequenzen hatte sich das Unternehmen Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) gesichert.
cis/rtr