Handy-Wegweiser SIM-Karte mit eingebautem GPS
Das britische Start-up BlueSky Positioning hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Positionsbestimmung mit dem Handy zu revolutionieren. Dabei setzt das Unternehmen auf die aufgebohrte Satelliten-Navigation A-GPS. Das "Assisted Global Positioning System" allein ist allerdings nichts besonderes, die Methode ist sogar schon in einigen Varianten Handy-Alltag.
Das spezielle an BlueSkys Ortungslösung ist dagegen, dass die komplette A-GPS-Anwendung auf einer SIM-Karte integriert sein soll - und zwar "inklusive Antenne", wie das Unternehmen behauptet. Wie gut der Empfang mit solch einer kleinen, integrierten Antenne ist, bleibt aber abzuwarten - die Geschwindigkeit und Empfangsqualität solcher Lösungen enttäuscht bisweilen. Sagem verspricht vollmundig einen "äußerst genauen GPS-Empfänger inklusive integrierter Antenne".
Im vergangen Jahr verkündete das Unternehmen, die Technik sei serienreif, jetzt soll die Markteinführung unmittelbar bevorstehen - jedenfalls wenn man dem Tonfall der letzten BlueSky-Pressemeldung folgt: "Wir freuen uns darüber, zusammen mit Sagem Orga unsere bahnbrechende Technologie auf den Markt bringen zu können", erklärt darin Firmen-Chef Risto Savolainen.
Das Selbstbewusstsein des erst 2005 gegründeten Start-ups wird allerdings vom neuen Kooperationspartner noch einmal locker übertroffen: "Für die SIM-Karte beginnt eine neue Ära, da sie nun eine echte Dienstplattform darstellt. Durch ihre A-GPS-Fähigkeit wird die SIM-Karte zu einem nützlichen Instrument, das auch die Sichtweise ändern wird, mit der Netzbetreiber und Endanwender ihr bisher begegnet sind," erklärte François Blanchard, Global Account Marketing Manager bei Sagem Orga.
Wichtige Details zur "Markteinführung" sucht man in der Presseaussendung unterdessen vergeblich. So bleibt unklar, in welcher Größenordnung die getunten SIM-Karten wirklich verfügbar sind und auch zu welchem Preis. Die Ursache für diese recht schwammige Art der Ankündigung einer "neuen Ära", dürften unterdessen wieder einmal die speziellen Verhältnisse in der Mobilfunkbranche sein.
Denn hier sind Handy-Hersteller und Mobilfunkbetreiber Partner aber auch gleichzeitig Konkurrenten, wenn es um vielversprechende neue Geschäftsfelder geht. Und Standort-abhängige Dienste, die sogenannten "Location Based Services" (LBS), gelten in der Branche allgemein als Feld mit großem Potential.
Karte oder Telefon
Bislang herrscht im Rennen um die beste Ausgangsposition für das LBS-Geschäft ein Patt. Die Handy-Hersteller kontrollieren die Navigations-Hardware, die Mobilfunkbetreiber haben direkten Zugang zu den Kunden. Aber mit dem GPS-Modul auf der SIM-Karte könnten die Netzbetreiber im Alleingang ortsbezogene Services anbieten. SIM-Karten sind schließlich eine ureigene Angelegenheit der Netzbetreiber, sowohl technisch betrachtet, als auch in der Kunden-Wahrnehmung.
Und das SIM (Subscriber Identity Module) auf der markanten Karte mit abgeschrägter Ecke kann schon längst viel mehr, als Besitzer mobiler Telefonanschlüsse zu identifizieren. Die Kärtchen sind nämlich echte Mini-Computer mit eigenem Prozessor und Speicher mit bis zu 4 Gigabyte Volumen. Viele kleine Programme laufen daher schon lange auf SIM-Karten, auch wenn deren Stromaufnahme stark begrenzt ist. Aber genau diese Hürde will BlueSky erfolgreich genommen haben, womit eine vollwertige A-GPS-Anwendung auf der SIM-Karte erst möglich sein soll. Mit Sagem Orga hat das Unternehmen zudem einen Partner, der mindestens in Europa eine einflussreiche Rolle beansprucht. Satellitennavigation könnte es daher tatsächlich bald zum Handy-Vertrag dazu geben.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler