Handy-Werbung Nicht abheben - Geld verdienen
Das Geschäft mit dem kostenpflichtigen Download von Klingeltönen befindet sich seit geraumer Zeit im Niedergang, sogar unter Teenagern sinkt der Anteil der Klingeltonkonsumenten stetig.
Diese Entwicklung bedeutet allerdings nicht das Ende der oft nervtötenden Telefon-Sounds, sondern nur den Wechsel des Geschäftsmodells. Die Zukunft gehört nämlich nach einhelliger Branchenmeinung dem Download ganzer Songs - aus denen sich die Nutzer dann einfach selbst Klingeltöne herausschneiden.
Dass der Tonfall auf dem Klingelton-Basar etwas ruhiger wird, ist unterdessen nicht zu erwarten: Die großen Plattenfirmen achten argwöhnisch darauf, dass ihnen nicht schon wieder ein Markt entgeht. Gleichzeitig versuchen Klingelton-Pioniere wie Jamba auf dem neuen, alten Musikmarkt am Handy ihre Position zu behaupten. Zuletzt sind sich alle Akteure bewusst, dass Musik am Mobiltelefon eine Paradeschnittstelle zwischen individueller Kommunikation und digitalen Medien darstellt - also den perfekten Platz für Werbung.
Ein aktuelles Beispiel für "neuartige" Werbung mit Klingeltönen und dafür liefert der US-Mobilfunker AT&T. Das Unternehmen stellt auf einer Website Akteure aus der MTV-Serie "The Hills" und deren Klingeltonarsenal vor: Die Sternchen nutzen nämlich nicht nur einen Song als Klingelton, sondern jeweils gleich fünf verschiedene. Einer meldet die Anrufe von Freunden, ein anderer anrufende Eltern, ein weiterer ist für die Freundin reserviert.
Nicht abnehmen!
Der jugendlichen Zielgruppe nicht einen, sondern gleich fünf kostenpflichtige Downloads unterzujubeln, ist natürlich eine besonders plumpe Vorgehensweise. Aber natürlich kann man Musik am Handy auch raffinierter mit Werbung verknüpfen. So hat der türkische Mobilfunker Turkcell unlängst ein Programm gestartet, mit dem das Anläuten zum Werbeblock wird.
Die Turkcell-Aktion namens "TonlaKazan" (sinngemäß: Ton und Gewinn) zielt allerdings nicht auf den Angerufenen als Empfänger der Werbebotschaft, sondern auf den Anrufer. Dieser bekommt statt des Freizeichens Musik eines Sponsoren zu hören. Ohne Werbung ist das Prinzip als "Ringbacktone" bekannt, bei dem es darum geht, das Freizeichen genau wie den Klingelton zu personalisieren.
Der Clou bei den Turkcell-Ringbacktones besteht nun darin, dass der Angerufene bei jedem Anruf Gesprächsguthaben "verdienen" kann. Die Höhe dieser Vergütung hängt dabei von der Zeit ab, die der Anrufer der "Musik vom Sponsoren" lauscht. Je länger man es klingeln lässt, umso mehr Freiminuten erhält man am Monatsende.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler