Hightech-Handys: Die anderen iPhones - DER SPIEGEL
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Hightech-Handys Die anderen iPhones

Und wieder campieren sie vor den Elektronik-Läden: Der Hype um das Apple-Handy nähert sich seinem Höhepunkt. Aber muss es wirklich ein iPhone sein? SPIEGEL ONLINE hat sich umgeschaut und festgestellt: Was das iPhone kann, können andere schon lange.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit dem iPhone will Apple einen Meilenstein setzen. Sein schickes Design, die intuitive Bedienung und viele Hightech-Funktionen sollen scharenweise Käufer anlocken. Ob die von dem Gerät tatsächlich so begeistert sein werden, wie es ihnen Apple-Chef Steve Jobs verspricht, wird sich zeigen.

Bis das Apple-Handy auch in Deutschland erhältlich sein wird, werden allerdings noch einige Monate vergehen. Wenn Apple dann das amerikanische Preismodell auch auf dem hiesigen Markt einführt, wird es für viele, die sich das neue Apple-Mobiltelefon wünschen, eine böse Überraschung geben. Denn während die Preise für das Gerät und die Monatsgebühren für US-Verhältnisse nicht außergewöhnlich hoch sind, dürften deutsche Mobiltelefonierer zusammenzucken, wenn ihnen monatliche Minimalgebühren in Höhe von rund 60 Euro in Aussicht gestellt würden.

Doch muss es denn überhaupt ein iPhone sein? Gibt es nicht andere Hersteller, die schon viel länger Handys bauen als Apple und möglicherweise auf dieselben Ideen gekommen sind, wie das Unternehmen aus Cupertino? SPIEGEL ONLINE macht den Reality Check und vergleicht die Features des iPhone mit den Fähigkeiten von Konkurrenzprodukten.

Alle Funktionen in einem Gerät

Apple hat das iPhone mit Funktionen vollgestopft. Neben Kalender und Adressbuch gehören dazu beispielsweise ein Webbrowser, ein E-Mail-Programm, ein Photobetrachter, Börseninformationen und Wettervorhersagen. Vor allem aber verlässt sich Apple darauf, dass Programmierer in aller Welt Zusatzfunktionen und Programme für das iPhone schreiben. Indem diese auf etablierten Webstandards basieren sollen, will Apple es den Entwicklern leicht machen, solche Anwendungen zu schreiben.

Einzigartig ist das iPhone damit aber kaum. Die Krone der Vielfältigkeit trägt dagegen Nokias N95, das folgerichtig als Multimedia-Computer bezeichnet wird. Auch das Nokia wird bereits mit etlichen vorinstallierten Programmen geliefert, kann aber bereits auf eine riesige Menge zusätzlicher Software zugreifen. Damit nicht genug verfügt es über eine bessere Kamera als das iPhone sowie ein, zugegebenerweise verbesserungswürdiges, GPS-Modul für Navigationsaufgaben.

Das hochauflösende Display

Keine Frage: Mit seiner Auflösung von 480 mal 320 Bildpunkte bietet das iPhone viel mehr Bildfläche als die meisten Handys. Gerade beim Betrachten von Videos und Bildern dürfte das zum Tragen kommen. In der Standard-Klasse sind eher Auflösungen wie 160 mal 176 Bildpunkte üblich. Nur sogenannte Smartphones sind in der Regel mit höher auflösenden Bildschirmchen ausgestattet. Deren Pixelzahl liegt mit 320 mal 240 Bildpunkten jedoch weit unter den Fähigkeiten des iPhone.

Weltbewegend ist das Display deswegen jedoch nicht. Den Maßstab in Sachen Auflösung setzt dagegen Nokia mit dem neuen Communicator E90. Dessen Hauptbildschirm protzt mit 800 x 352 Pixel, das sind fast doppelt so viele Bildpunkte wie sie das iPhone zu bieten hat.

Der automatisch umschaltende Bildschirm

Ein nettes Gimmick des iPhone, mit dem man unbedarfte Zuschauer sicher mächtig beeindrucken kann, ist sein Beschleunigungssensor. Der ist von außen zwar unsichtbar, sorgt aber beim Drehen des iPhone dafür, das der Bildschirminhalt entsprechend rotiert wird. So kann man ohne einen Knopf drücken zu müssen vom Hoch- ins Querformat wechseln.

Einzigartig ist diese Funktion jedoch nicht. Auch das neue Sony Ericsson W910i ist mit einem solchen Sensor ausgestattet. Sony Ericsson nutzt diesen Sensor jedoch gleich für eine Reihe weiterer Funktionen. Beispielsweise genügt es, das Handy ein wenig zu rütteln, um beim Musikhören einen Titel zu überspringen. In Spielen wird das komplette Gerät zum Steuerinstrument, dessen Bewegungen das Spielgeschehen beeinflussen.

Der Touchscreen

Um den Touchscreen des iPhone wurde und wird seit der ersten Präsentation des Geräts viel geredet und noch mehr gerätselt. Das ist auch naheliegend, verzichtet Apple doch vollständig auf Hardware-Tasten. Die gesamte Bedienung erfolgt per Fingerzeig auf dem Display. Und auch diese Fingerzeige sind etwas besonderes, denn mit bestimmten Bewegungen lassen sich entsprechende Aktionen auslösen.

Das Konzept erscheint charmant, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig. Ob sich die Anwender damit anfreunden können, muss sich erst zeigen. Der Handheld-Hersteller Palm hat mit einem vergleichbaren Ansatz - die Anwender müssen bestimmte Zeichen lernen, um mit dem Stift auf dem Display schreiben zu können - großen Erfolg.

Aber auch hier ist Apple nicht allein auf weiter Flur. Der asiatische Hersteller HTC hat vor kurzem ein Mobiltelefon vorgestellt, das auf ganz ähnliche Weise funktioniert, das HTC Touch. Bei diesem Gerät kann man beispielsweise per Fingerzeig virtuell übereinanderliegende Seiten umblättern - und schick ist es auch noch.

Synchronisation mit PC und Mac

Apple betont gerne, das iPhone sei problemlos mit Datenbeständen auf Mac und PC abgleichbar. Alles, was man dafür braucht, ist Apples iTunes-Software sowie eines der dazu kompatiblen Mailprogramme (Apple Mail, Microsoft Entourage, Microsoft Outlook oder Outlook Express). Der Datenabgleich, auch von Musik, Bildern und Videos, erfolgt dann automatisch, sobald das Gerät an den Computer angeschlossen wird. Einfacher geht's kaum noch.

Doch vergleichbare Konnektivität bieten auch andere Handys. Am Mac sorgt Apple selbst dafür, mit seiner Synchronisationssoftware iSync, die mittlerweile Hunderte verschiedene Geräte unterstützt . Am PC hingegen gibt es etliche Lösungen der Handy-Hersteller, sowie seit Windows Vista auch eine verbesserte systeminterne Software. Bestens für den Datenaustausch mit beiden Plattformen sind beispielsweise die Treo-Smartphones von Palm geeignet.

Die 2-Megapixel-Kamera

Logisch, eine Digicam gehört heutzutage nun mal in - fast - jedes Handy. So auch ins iPhone. Mit ihrer 2-Megapixel Auflösung bietet das Apple-Modell allerdings nur magere Durchschnittskost. In Korea hingegen bietet Samsung bereits ein Modell mit 8-Megapixel an, bei etlichen aktuellen Modellen anderer Hersteller sind 5-Megapixel-Digicams eingebaut.

Ein gutes Beispiel dafür, wohin der Trend bei den Handy-Kameras geht, hat der Mobilfunk-Neuling Grundig im Februar vorgestellt. Das Grundig X5000 soll mit einer 6-Megapixel-Kamera die höchstauflösende integrierte Kamera hierzulande mitbringen. Noch allerdings ist das Gerät nicht im Laden zu bekommen.

Der iPod inside

Von manchen Beobachtern wird das iPhone als iPod, mit dem man auch telefonieren kann, bezeichnet. Das hat seine Berechtigung, denn beim Transfer und auch beim Hören von Musik unterscheidet sich das iPhone in keiner Weise von einem iPod. Wegen des begrenzten Speicherplatzes liegt es etwa gleichauf mit dem Modellen der iPod-nano-Serie.

Aber das können andere auch. Schließlich gehört auch ein integrierter MP3-Player bei modernen Mobiltelefonen zum guten Ton. Weit vorneweg ist Sony Ericsson mit seinen Walkman-Handys. Durchaus mit dem iPhone vergleichbar ist beispielsweise das Modell W960i. es bietet mit 8GB genau soviel Speicherplatz wie das iPhone, ermöglicht aber im Gegensatz zum Apple-Handy auch den Download von Musik über die Mobilfunknetze.

E-Mail immer und überall

Dank des unbegrenzten Datenvolumens, das in den iPhone-Monatstarifen in den USA enthalten ist, können sich iPhone-Anwender immer und überall mit ihren neuesten elektronischen Briefen versorgen lassen. Das integrierte Mail-Programm beherrscht alle wichtige Formate und Standards.

Die beherrscht allerdings auch jeder Blackberry. So wie beispielsweise der neue und multimedial ausgestattete Blackberry Curve oder dessen Schwestermodell 8800. Diese Geräte lassen sich über ein spezielles Internetportal eingehende Mails sofort zustellen. Die Technik erlaubt es, beliebige Mail-Konten, egal ob privat oder geschäftlich, in den Dienst einzubinden. Auch hier gilt: Bequemer geht es kaum.

Jetzt auch mit Youtube

An der Entscheidung, dass das Videoportal Youtube seine riesige Videosammlung jetzt aufwendig in das Videoformat H.264 umwandelt, dürfte Apple großen Anteil gehabt haben. Nicht nur, weil Apples Set-Top-Box Apple-TV erst vor kurzem für die neuen YouTube-Videos fit gemacht wurde, sondern vor allem, weil auch das iPhone die Bewegtbilder anzeigen kann.

Exklusiv ist diese Eigenschaft jedoch nicht. Vielmehr gehört die Fähigkeit H.264-Videos anzeigen zu können, bei allen halbwegs Multimedia-tauglichen Mobiltelefonen heutzutage zum guten Ton. So zum Beispiel auch bei Motorolas Moto Q9, einem Smartphone auf Basis des neuen Windows Mobile 6.

Das Betriebssystem

An diesem Punkt beißt sich die Konkurrenz die Zähne aus. Auf dem iPhone arbeitet eine spezielle Version des Apple Betriebssystem Mac OS X. Wenn es Apples Entwicklern nur Ansatzweise gelungen ist, der Mobilvariante ein wenig von dem Charme und den Fähigkeiten seines großen Bruders einzuhauchen, ist Apple damit allen anderen Smartphone-Betriebssystemen um Längen voraus - sagen seine Befürworter.

Kritiker fürchten hingegen, das System sei eben nicht, wie beispielsweise das Symbian OS, von Anfang an für die mobile Nutzung ausgelegt worden und könne daher nur mit viel Aufwand an die speziellen Bedürfnisse der Handy-Nutzer angepasst werden. Ob die Zweifler Recht haben, wird man erst in einigen Monaten, vielleicht sogar Jahren, abschätzen können.

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