Interface-Innovationen: Der Körper als Handy - DER SPIEGEL
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Interface-Innovationen Der Körper als Handy

Alltagselektronik schrumpft bis zum Verschwinden, nun entdecken Designer den Körper des Nutzers als Interface. Erste Entwürfe von Körper-Schnittstellen: Der Handschuh "Clove 2" ersetzt eine Tastatur, und das "Hand Phone" macht Finger zum Telefon.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Idee, die menschliche Hand als Teil von Unterwegs-Elektronik zu nutzen, hatte der japanische Mobilfunkriese NTT DoCoMo schon vor fünf Jahren - zu früh. Damals entwickelten die Ingenieure ein Handy-Konzept, bei dem der Finger des Nutzers für die Sprachausgabe genutzt wird. Das Mobiltelefon Finger Whisper wird als Armband getragen, wenn es klingelt, muss sich der Nutzer den Finger ins Ohr stecken. Der Sound aus dem Finger wird dabei im Armband erzeugt und als Schwingung über den Handknochen geleitet.

Finger Whisper produzierte allerdings nur Schlagzeilen, zu einem Produkt wurde die Idee nicht.

Doch das Konzept vom Körper-Handy lebt weiter: Gerade hat der italienische Designer Massimo Marrazzo sein Hand Phone  vorgestellt, das noch mehr Funktionen in die Nutzerhand gibt.

Das Hand Phone kann an einer Schlaufe um den Hals getragen werden, zum Telefonieren streift man diese Schlaufe dann über den Arm und eine zweite, kleinere um den Mittelfinger. So ist das runde Handy, auf dem Tastatur und Display untergebracht sind, auf dem Handrücken befestigt. Zuletzt müssen noch zwei Kappen über den Daumen oder den kleinen Finger gesetzt werden.

Um in den eigentlichen Telefonmodus zu gelangen, muss der Nutzer jetzt nur noch die übliche Telefoniergeste machen: Der Daumen mit der Lautsprecherkappe wird zum Ohr gestreckt, der kleine Finger mit der Mikrofonkappe in Richtung Mund. Freilich ist auch das Hand Phone bislang nur ein Konzept.

Eine andere Hightech-Handtechnik hat der Erfinder schon als voll funktionstüchtigen Prototypen umgesetzt: Der Datenhandschuh Clove 2 macht aus der Hand ein vollwertiges Keyboard. Um freihändig zu tippen, muss der Clove-2-Träger mit dem Daumen die Felder auf den Fingern und in der Handfläche berühren (siehe Video oben).

Mit verschiedenen Tricks ermöglicht der Konstrukteur des Datenhandschuhs 93 verschiedene Berührungskombinationen. Diese Kombinationen sind 93 Zeichen oder Sondertasten einer Tastatur zugeordnet, womit wirklich freihändiges Tippen von Texten möglich wird - und zwar mit einer Hand.

Zum Rechner kommen die Tastenbefehle des Handschuhs dabei via Bluetooth. Für Bastler hat der Entwickler des schlauen Handschuhs sogar eine ausführliche Bauanleitung ins Netz gestellt, die deutlich unkomplizierter ist, als man auf den ersten Blick annehmen würde. Kniffelig ist dagegen die Gewöhnung an die neue Eingabeart.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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