iPod-Killer Nokia wird Musikshop
Ein iPod-Killer ist Nokia in gewisser Weise schon längst, da der Konzern allein im letzten Quartal 15 Millionen Handys mit integriertem MP3-Player verkaufen konnte, was Apples iPod-Absatz locker überflügelt.
Woran es Nokia allerdings bisher mangelte, ist die direkte Integration der Musiksoftware auf dem Rechner mit einem Musik-Onlineshop und dem MP3-Player auf dem Handy - bis zur gestrigen Akquisition der Download-Plattform Loudeye für rund 60 Millionen Dollar.
Globaler Download-Player
Loudeye ist weltweit einer der größten Player auf dem digitalen Musikmarkt, das Firmen-Portfolio umfasst mehr als 1,6 Millionen Titel und stellt die komplette Infrastruktur für mehr als 60 Online-Musikanbieter. Als so genannter "White Label"-Service betreibt Loudeye die Download-Site von MTV, MyCokeMusic und - vermutlich am wichtigsten - MSN.
Microsofts neuer MediaPlayer nähert sich inzwischen immer weiter dem Marktführer im Musikdownloadgeschäft, iTunes, an. Schon bei der Präsentation der neuesten Linie der N-Series-Telefone hat Nokia gezeigt, dass seine Geräte mit Microsofts MediaPlayer ebenso spielend leicht zusammenarbeiten wie der iPod mit iTunes.
Mit der Akquisition von Loudeye steht Nokia somit nicht nur die gleiche Infrastruktur wie Apple mit einer größeren Reichweite zur Verfügung, sondern auch ein neuer Vertriebskanal: Mobile Musikdownloads - das "iPhone" ist ja immer noch nur ein Gerücht.
Asien ist mobiler
Laut dem letzten Report des Musikindustrie-Verbandes IFPI hat der Download-Markt für Musik soeben die Milliarde-Dollar-Grenze durchschlagen. Einer der treibenden Faktoren weltweit sind dabei mobile Kunden, die für 400 Millionen Dollar Umsatz verantwortlich sind, wobei Europa aber nur eine bescheidene Rolle spielt.
In Korea betreibt SK Telecom die führende Musikdownload-Site mit zwei Millionen Abonnenten, das Unternehmen hat auch schon erste Musik-Label gekauft. In Japan finden laut dem "Digital Music Report" der IFPI sogar 96 Prozent aller digitalen Musikkäufe über das Handy statt.
Medienkonzern Nokia
Nokia könnte jetzt über direkte Links in der Handy-Software zum Download-Shop, der zusammen mit dem Loudeye-Ankauf angekündigt wurde, innerhalb kurzer Zeit zu einem führenden Anbieter digitaler Musik werden.
Nokias Vorteil gegenüber Apple ist derzeit, den Markt für mobile Endgeräte mit mehr als 30 Prozent aller produzierten Handys unangefochten anzuführen. Dazu kommt die Verbindung zu Microsofts MediaPlayer, der den PC-Sektor bereits dominiert.
Auch wenn es Nokia schwer fallen dürfte, den asiatischen Markt noch von der Telekomindustrie zurückzuerobern, woran auch Apple bisher gescheitert ist, steht der Konzern in Europa und Amerika, wo die 3G-Netze gerade langsam durchstarten, in der Poleposition.
Sascha Koesch / Robert Stadler, de-bug.de