Konzepte Werbe-SMS statt Telefonrechnung
Die Idee vom Tauschgeschäft Werbung-gegen-Gratistelefonie hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Sie gilt gemeinhin als Tummelplatz für etwas dubiose Anbieter und im Internet als weitestgehend gescheitert. Wenn jetzt das finnische Start-Up Blyk mit dem Konzept zunächst in Großbritannien und perspektivisch in ganz Europa antritt, ist also Skepsis angebracht, aber die Finnen scheinen mit einem langen Atem und einer ansehnlichen Mannschaft gut aufgestellt zu sein.
Werbeunterbrechungen während Telefongesprächen wurden schon einmal im Jahr 2000 als heißes Ding gehandelt, damals ging es allerdings um die gerade aufkommende Internet-Telefonie (Voice over IP), also letztendlich Festnetz-Gespräche. Nach einem kurzen, aber heftigen Hype wurde die Idee im Zusammenhang mit VoIP allerdings schnell wieder beerdigt, Anbieter wie Gratistel oder Mox zogen sich zurück oder lösten sich gleich auf: Alle paar Minuten einer Werbung zu lauschen, um danach weiterzutelefonieren, scheint im Rückblick auch eine ziemlich abwegige Idee.
Jugendliche im Visier
Blyk hat das Konzept jetzt auf Handys übertragen, womit zumindest die Übermittlung der Werbung realistischer wird: Im Vergleich zu Werbepausen mitten im Gespräch erscheinen Werbebotschaften per SMS als eine relativ erträgliche Alternative.
Zudem zielen die Finnen speziell auf den Markt der 16- bis 24jährigen, also einer chronisch klammen, aber besonders Handy-versessenen Gruppe. Um die Blyk-Gratis-Handy-Services zu nutzen, werden sich die Jugendlichen zudem mitsamt einem ausführlichen Nutzerprofil müssen, die Werbung soll dann möglichst punktgenau auf die jeweiligen Interessen zugeschnitten werden.
Von Nokia zu Blyk
Blyk wurde Anfang des Jahres gegründet, das Angebot soll 2007 zunächst in Großbritannien an den Start gehen. Ein Blick auf die Firmen-Website zeigt allerdings schon jetzt, dass hinter Blyk einiges Kapital und vor allem eine seriöse Belegschaft steht, angefangen beim CEO und Mitgründer, Pekka Ala-Pietilä: Der war nämlich von 1999 bis 2005 Aufsichtsrats-Vorsitzender von Nokia und sitzt immer noch im Aufsichtsrat des deutschen Software-Primus SAP.
"Die Nutzer sollen im Idealfall gar nicht darüber nachdenken, dass sie Werbung gegen Telefonminuten oder SMS tauschen", erklärte Ala-Pietilä unlängst der britischen Zeitung "Herald Tribune" das Blyk-Konzept. Die Generation MTV soll sich demnach mit der Werbung auch noch amüsieren, weil diese so zielgenau und altersgerecht gestaltet wird.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler