Microsoft-Strategie Das Handy, dein erster Computer
Während sich die Mobiltelefonsättigung weltweit in einem rasanten Tempo der magischen Grenze von einem Handy pro Person nähert, bietet der Markt für Heim-Computer noch weitaus größere Potentiale - und genau die will der Marktführer für Computer-Software jetzt erschließen.
Aktionen wie das 100-Dollar-Laptop von Nicholas Negroponte haben in den letzten Monaten für viel Aufsehen gesorgt, wurden aber von Microsoft immer belächelt. Kein Wunder: Hier sollte das Open-Source Betriebssystem Linux zum Einsatz kommen. Mit der Ankündigung und den ersten Prototypen von "FonePlus" hat der Konzern jetzt enthüllt, was ihm statt dem 100-Dollar-Laptop vorschwebt.
Smartphone rechnet schnell wie ein PC vor fünf Jahren
FonePlus geht von der Überlegung aus, dass selbst in ärmeren Gegenden, in denen kaum ein Rechner vorhanden ist, eine Infrastruktur aus Handys und Fernsehern existiert. Darauf aufbauend will Microsoft sein Betriebssystem für Smartphones, Windows CE, und diverse Zusatzgeräte zum "ersten Computer" für die Konsumentenmassen der Schwellenländer machen.
Die Rechenleistung von Smartphones entspricht mittlerweile der durchschnittlichen Kapazität eines PCs vor etwas über fünf Jahren, und manche Handyhersteller wie Nokia haben deshalb auch schon angekündigt, ihre Handys demnächst nicht mehr Handys, sondern Multimedia-Computer zu nennen.
Einstiegsschwelle niedrig halten
Und so soll FonePlus funktionieren: Einfach eine Tastatur an das Telefon anschließen, es mit dem Fernsehen als Bildschirm verbinden und schon arbeitet das Smartphone als ganz normaler Computer. Nicht wenige dürfte dies an die bislang weitgehend gescheiterte Idee des WebTV erinnern - oder an frühe Tischrechner wie den C64.
Da aber üppig ausgestattete Smartphones auch zukünftig sicher nicht zu Verkaufsschlagern in ruralen Gebieten südlich und westlich des Himalaya zählen werden, dürfte die Strategie von Microsoft zunächst auf relativ mager ausgestattete Handys hinauslaufen, die die meisten Funktionen bei Bedarf über Microsoft-Server beziehen, nämlich die als "Pay As You Go" beworbenen Web-Services im Abo.
FonePlus passt damit perfekt in Microsofts Strategie den Markt für Computer - und damit auch den für die eigene Software - zu erweitern, indem die Einstiegsschwelle möglichst niedrig gehalten wird, die neuen Kunden aber anschließend für Services stetig Kleinstbeträge entrichten.
Sascha Koesch / Robert Stadler, de-bug.de