Mobile Mangas: Das bessere E-Book - DER SPIEGEL
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Mobile Mangas Das bessere E-Book

Comics am Mobiltelefon lesen - was manchem eher absurd vorkommen mag, ist in Japan, der Hochburg der Manga-Kultur, gerade auf dem Vormarsch. Und, wie es scheint, vor allem unter den weiblichen Usern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schon seit Jahren wird regelmäßig mit neuen Geräten und diversen Inhalten versucht, den Usern das Lesen von Büchern am Bildschirm näher zu bringen. Gestern veröffentlichte beispielsweise Adobe eine neue Software Namens " Digital Editions " mit der der Inhalt sicherer sein soll, die Verwaltung der E-Books so einfach wie das Verwalten von Musik auf iTunes, und das Lesen eben einfacher. Sogar erste Gehversuche mit (vor allem urheberrechtsfreien) Büchern in Handy-kompatiblen Formaten werden in letzter Zeit entwickelt. Vielleicht aber - das zumindest legt der Boom digitaler Mangas in Japan nahe - wird bislang einfach das falsche Format auf den Bildschirm gebracht.

Der Trend, der wohl vor allem auf aktuelle Handymodelle mit hochqualitativen LCD-Displays und der dort längst erfolgten Durchsetzung der 3G-Technologie zurückzuführen ist, hat einem Artikel in "Newsweek" zufolge  den Markt für digitales Publishing gegenüber dem vergangenen Jahr um ein Vierfaches ansteigen lassen: Bei einem Kostenpunkt von 30 bis 40 Cent pro Comic-Episode für den japanischen Leser lag der Umsatz im März diesen Jahres in Japan bei 38,5 Millionen Dollar.

Frau liest Comics

"Das Wachstum bei den Mangas zeigt", so ist hier nachzulesen, "wie schwer man einschätzen kann, welchen Effekt neue Technologien auf alte Märkte haben werden." Interessanterweise sind es wohl vor allem weibliche Kunden, die Gefallen an den mobilen Mangas finden. So sind beispielsweise inzwischen 60 Prozent der Kunden von NTT Solmare, einem der größten Content Provider Japans, Frauen.

Einerseits scheint dieses Phänomen darauf zurückzuführen zu sein, dass aufgrund entsprechender Nachfrage mehr Frauen-orientierte Titel in das Programm mit aufgenommen worden sind. Daneben ist der Boom insgesamt wohl aber auch damit zu erklären, dass der weitestgehend anonyme Konsum es den Usern auch ermöglicht, gewagte Titel zu lesen, ohne dabei in der Öffentlichkeit - wie beispielsweise beim Kauf in einem Mangashop - ertappt zu werden.

Positive Nebeneffekte

Neben den Verlegern, die mit dem neuen Markt eine neue Umsatzsparte für sich entdecken und ihr Angebot entsprechend der Nachfrage im Eilverfahren erweitern, das heißt immer mehr ihrer Titel in digitaler, mobiler Form anbieten, dürfte dieses Phänomen auch ein Segen für die japanischen Netzbetreiber sein: Die Begeisterung für das mobile Lesen fördert auch den Abschluss von entsprechenden Flatrateverträgen.

Bis dieses Beispiel auch bei uns Schule macht, dürften wir uns allerdings noch ein wenig gedulden müssen: Einerseits ist trotz aller Manga-Erfolge auch hierzulande die Lesetradition, wie sie in Japan mit der Kultur der Mangas einhergeht, immer noch einzigartig. Außerdem sind bei uns die entsprechenden Flatrate-Angebote der Netzbetreiber sicherlich nicht vergleichbar und demzufolge noch nicht so verlockend und standardisiert, sondern haben eher den Ruf der unüberschaubaren Kostenfalle.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler