Mobile Schuldenfalle: Wucherkredite per SMS - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Mobile Schuldenfalle Wucherkredite per SMS

Wer Klingeltöne schon für den Gipfel der Kunst hält, Handy-Nutzer abzuzocken, irrt. Kurzzeitkredite per SMS feiern in den skandinavischen Ländern zweifelhafte Erfolge. Die Auszahlung innerhalb weniger Minuten lockt vor allem jüngere Konsumenten in die Hochzinsfalle.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dass Handys insbesondere für Kinder und Jugendliche leicht zur Schuldenfalle werden können, gilt schon als Gemeinplatz, wobei vor allem Mehrwertdienste wie der Download von Klingeltönen, Hintergrundbildern oder Spielen von Eltern und Verbraucherschützern kritisch beobachtet werden.

Der Drang zum statusträchtigen Anrufsignal nimmt sich allerdings harmlos gegen einen Trend aus, der derzeit in den skandinavischen Ländern, traditionell Vorreiter in Sachen mobiler Telefonnutzung, beobachtet wird: Werbung und Vermittlung von Wucherkrediten per SMS.

1000 Prozent Zinsen

Die finnische Finanzaufsicht FIN-FSA kommt in einer aktuellen Studie jedenfalls zu dem Schluss, dass mit den SMS-Krediten ein neuartiges Problem entstanden ist. Unaufgefordert versandte Werbe-Textnachrichten versprechen demnach, ohne sich groß mit Details aufzuhalten, die schnelle und unkomplizierte Lösung für akute Finanzknappheit - und das erste Attribut wird auch prompt erfüllt:

Nach einer Antwort-SMS mit der Angabe einer Bankverbindung überweisen die Kreditfirmen innerhalb weniger Minuten Beträge von bis zu einigen Hundert Euro. Unkompliziert sind die Kurzzeitkredite dagegen schon alleine wegen der horrenden Zinsen nicht, für einen Kredit von 100 Euro wird nach zwei Wochen leicht eine Rückzahlung von 120 Euro fällig, was einem Jahreszins von rund 1000 Prozent entspricht.

Schnelles Geld für Twens

FIN-FSA-Anwalt Paivikki Lehto-Sinisalo erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass die überteuerten Kurzzeitkredite bei Skandinaviern unter 30 schon ein übliches Phänomen seien. Die Kreditfirmen sind demnach auch schon in Tschechien aktiv, und in den meisten europäischen Ländern juristisch schwer oder gar nicht zu stoppen.

Und auch wenn man davon ausgehen kann, dass die schnellen SMS-Kredite hierzulande als illegal bzw. sittenwidrig eingestuft werden, zeigt die Geschichte von überteuerten Internet-Dialern und leichtfertig von Minderjährigen bestellten Klingelton-Abos, dass vor dem juristischen Happy-End für die betroffenen Verbraucher mindestens eine teure und nervenaufreibende Auseinandersetzung steht.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler