Mobilfunk: Durchsichtige Chips für Sci-Fi-Handys - DER SPIEGEL
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Mobilfunk Durchsichtige Chips für Sci-Fi-Handys

Südkoreanische Forscher haben komplett durchsichtige Speicherchips entwickelt. Damit sollen in einigen Jahren Design-Visionen Wirklichkeit werden, etwa Monitore oder Handys, die scheinbar nur noch aus Glasscheiben bestehen. Schicke Designs gibt es dafür schon.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Erst präsentierten US-Forscher einen extrem robusten und biegbaren Bildschirm, nun überraschen Wissenschaftler aus Südkorea mit durchsichtigen Speicherchips. Die transparenten Bausteine mit dem sperrigen Namen TRRAM könnten laut Aussagen der Entwickler "ein Meilenstein bei der Entwicklung durchsichtiger Geräte der Zukunft" sein.

Es scheint, als würde die internationale Forschergemeinde mit vereinten Kräften an der Realisierung von Sci-Fi-Gadgets arbeiten, wie sie etwa Nokia im Februar vorgestellt hat. Das damals gezeigte Design-Konzept für das Mobiltelefon der Zukunft namens "Morph" (siehe Bilderstrecke unten), wurde skeptisch aufgenommen. Schmutzabweisende Oberfläche, extrem biegsam, weitgehend transparent - wie soll das denn gehen?

Die durchsichtigen TRRAM-Chips wurden am Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) entwickelt. Ihre vielversprechenden Erkenntnisse haben die südkoreanischen Tüftler jetzt im Wissenschaftsjournal " Applied Physics Letters " veröffentlicht. Der komplett durchsichtige TRRAM ist eine Weiterentwicklung des semitransparenten RRAM, dessen Praxistauglichkeit schon in zahlreichen Firmenlabors erprobt wird.

Und RRAM und TRRAM haben neben der Transparenz weitere erstaunliche Eigenschaften. Die neuartigen Chips behalten gespeicherte Informationen nämlich auch ohne Stromversorgung, gleichzeitig sollen sie auch noch kostengünstig herzustellen sein.

Wenn die TRRAM-Chips tatsächlich den Sprung aus den Labors in die Produktion schaffen, wären beispielsweise Monitore denkbar, die scheinbar nur noch aus einer Glasscheibe bestehen - bis wie durch Zauberhand ein Bild auftaucht. Aber auch für Konzepte wie "LucidTouch"  verbessern sich die Realisierungschancen: Dahinter verbirgt sich eine gemeinsame Entwicklungsstudie von Microsoft und Mitsubishi für einen Taschencomputer, der nur aus einem semitransparenten Display besteht, das von der Rückseite aus bedient wird (siehe Video unten). Vorteil: Die Finger verdecken nicht immer den Touchscreen, wie das bei heutigen Modellen der Fall ist.

Neben den Industrie-Projekten für zukünftige Elektronik kommen aber auch besonders kühne Visonen von freien Designern, für die die Machbarkeit ihrer Entwürfe keine große Rolle spielt. So hat der US-Nachwuchsdesigner Michael Laut  ein kreisrundes Handy-Konzept namens "Radia" entworfen, das schlicht aus einem Ring aus gebürstetem Stahl besteht, der eine semitransparente Touchscreen-Scheibe umschließt.

Es gibt auch Designs, bei denen nicht nur das Display, sondern auch alle anderen Innereien durchsichtig gehalten sind - wozu neben den TRRAM-Chips aber noch weitere Durchbrüche notwendig wären.

Um so beeindruckender wirken etwa die Entwürfe des Japaners Mac Funamizu , bei denen auch der Rahmen auf ein Minimum reduziert wurde. Übrig bleiben eigentlich nur Glasscheiben, die zusammengeklappt oder -geschoben werden können, und auf denen je nach Bedarf Bedienungsoberflächen oder Inhalte angezeigt werden. Hier löst sich das Design allerdings fast schon selbst auf.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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