Multimedia am Handy Warten auf das große YOU
Teenager am Handy wecken ganz unterschiedliche Erwartungen: Lehrer, Eltern und viele Medien machen sich vor allem Sorgen um die Moralzersetzende Wirkung von Handy-Videos. Für die Mobilfunkindustrie gelten die Jugendlichen dagegen zu Recht als vorbildliche Konsumenten, wie eine aktuelle Studie der Marktforscher von M:Metrics zeigt, die sich der mobilen Multimedia-Nutzung unter Jugendlichen widmet.
Dabei gilt insbesondere "soziale Software" von YouTube bis MySpace in Verbindung mit dem Handy als großer Hoffnungsträger der Mobilfunker. Und der "User-generated content", als großes "YOU", soeben vom "Time Magazine" zur Person des Jahres gekürt, birgt laut den M:Metrics-Zahlen wirklich noch große Potentiale.
Von den untersuchten Ländern in Europa und den USA führt - wenig überraschend - das Handy-besessene Italien den mobilen Multimedia-Trend an: Dort hantieren mehr als zwei Drittel der Jugendlichen mit entsprechenden Inhalten auf dem Handy, in Deutschland sind es noch nicht einmal die Hälfte. Diese Werte sind allerdings zu relevanten Teilen darauf zurückzuführen, dass auch der reine Versand von Bildern zwischen zwei Telefonen mitgezählt wurde. Und dass es sich bei den ausgetauschten Bildern zum größten Teil um selbstgeknipste handelt, also um "User-generated content" im eigentliche Sinn, darf man getrost in den Bereich urbaner Mythen verbannen - auch auf YouTube nimmt man es ja mit den Urheberrechten hinter dem großen YOU nicht immer so genau.
Verbote als Marktbelebung
Rund ein Viertel der Jugendlichen in Italien tauscht auch Videos von Handy zu Handy, in Deutschland dagegen nur knapp über zehn Prozent. Damit steht dann auch das Phänomen von mobilen Porno- und Gewalt-Videos unter Deutschlands Teenagern noch ganz am Anfang.
Ein Handy-Verbot an Schulen dürfte übrigens den Markt kaum bedrohen. Im Gegenteil, wenn verhindert wird, dass der Schulhof zum Tauschmarkt von Videos und Bildern wird, dürfte das Tauschen auf Distanz, und somit über kostenpflichtige Services, stärker in Anspruch genommen werden.
USA hinken bei SMS hinterher
Die Hoffnung auf den Motor soziale Software für die Mobilfunknetzwerke der dritten Generation ist nicht ganz unberechtigt, denn dort, wo das Tauschen von Fotos und Videos den meisten Raum einnimmt, ist auch die Nutzung der schnellen UMTS-Netze am größten und Services wie MMS besonders beliebt.
Eins der erstaunlichsten Ergebnisse der M:Metrics-Studie ist unterdessen die vergleichsweise geringe Verbreitung von SMS und MMS in den USA, während die mobile Nutzung von E-Mail dort, trotz geringerer Abdeckung mit Netzwerken der dritten Generation, gleichauf mit der in Europa liegt. Das Phänomen dürfte immer noch darauf zurückzuführen sein, dass SMS in Europa bereits etabliert war, als das handelsübliche mobile Massenmedium in den USA noch Pager waren.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler