Paranormale Telekommunikation Das Ghostbuster-Handy
Handys können heute scheinbar wirklich alles: Musik abspielen, den Nutzer per GPS zur nächsten Kneipe lotsen, das Urlaubs-Video direkt vom Strand streamen - und Geister aufspüren. Jedenfalls wenn man prinzipiell an Geister glaubt. Und daran, dass sich deren Anwesenheit durch Schwankungen im elektromagnetischen Feld bemerkbar macht.
Die entsprechende paranormale Telefonfunktion heißt Ghost Detector und kommt ganz diesseitig daher: durch den kostenpflichtigen Download einer Java-Software aufs Handy. Nach der Installation zeigt das Programm durch unheimliches Aufleuchten und den Ausschlag eines Geister-Tachometers übersinnliche Aktivitäten in der Umgebung an. Besonders eifrige Handy-Ghostbuster können Frequenz und Empfindlichkeit des Ghost Detectors per Hand regulieren - und so, nach Angaben des Herstellers, sogar besonders diskret spukende Gespenster ausfindig machen.
TV-Trend Mystery-Shows
Der Ghost Detector wurde von den auf Handy-Anwendungen spezialisierten Firmen Wiretown und Future Platforms entwickelt. Nach deren Angaben handelt es sich bei dem Teil zwar um eine "Fun-Application", trotzdem erfolgen die Ausschläge des Geister-Tachos nicht völlig willkürlich. Sie beruhen vielmehr auf der Analyse der Übertragungsgeschwindigkeit, die dem Handy aktuell für den Datentransfer zur Verfügung steht. Aus dieser Geschwindigkeit sollen sich Schwankungen im elektromagnetischen Feld in der Umgebung des Telefons ableiten lassen. Diese Schwankungen gelten unter Fans des Übernatürlichen als Hinweis für die Anwesenheit von Geistern. Der nötige Testdatenverkehr nimmt laut den Entwicklern jede Stunde etwa 6 KB in Anspruch - er sollte also auch ohne Daten-Flatrate keine exorbitanten Kosten verursachen.
Die Software ist zudem wohl keine Spielerei, die auf das Taschengeld leichtgläubiger Teenager abzielt; sie wurde immerhin im Auftrag des Fernsehsenders "Discovery Channel" geschrieben. Dieser folgt dem TV-Trend zu Mystery-Inhalten mit einer Show namens "Most Haunted" . In der werden Geisterschlösser und andere Gruselorte rund um den Globus mehr oder weniger wissenschaftlich unter die Lupe genommen. Gerade läuft die zweite Staffel, die sich Europas unheimlichsten Plätzen widmet.
Landkarte des Übernatürlichen
Die Handy-Ghostbuster sollen "Most Haunted" dabei helfen, eine Landkarte des Übernatürlichen zu erstellen. Nutzer, die sich beteiligen wollen, müssen eine Funktion im Menu des Ghost Detectors aktivieren, mit der sie die Weitergabe ihrer Messdaten erlauben. Diese werden dann mit den Positionsdaten des Handys kombiniert.
Mit den gesammelten Nutzerdaten wollen die "Most Haunted"-Macher feststellen, in welchen Gegenden besonders viele paranormale Aktivitäten zu verorten sind. Aus dieser Auswertung entsteht ein Spukatlas, der die Reiseziele für kommende Folgen der TV-Serie festlegt.
Neu ist die Idee, mit dem Handy auf Geisterjagd zu gehen, indes nicht: Die japanische Firma Solid Alliance hat bereits vor drei Jahren einen "Ghost Radar" als Telefon-Accessoir auf den Markt gebracht. Das Gadget kostet weniger als sechs Euro und kommt in Form der in Japan extrem populären Telefonanhänger. Der Ghost Radar soll nach dem gleichen Prinzip wie die US-Software funktionieren.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler