Personal Hotspot W-Lan in der Westentasche
Man stelle sich vor, wie man vor zehn Jahren auf eine Schilderung des heutigen Internet-Alltags reagiert hätte. Zum Beispiel darauf, dass Funknetze in Privathaushalten eine Selbstverständlichkeit sind, mit der das Hochgeschwindigkeits-Internet aufs Sofa kommt. 1997 hätte man ein solches Szenario wahrscheinlich als Produkt einer zu regen Phantasie betrachtet.
Dabei sind DSL-Modems mit integriertem W-Lan nur der Anfang. Die Zahl der (aktiv) genutzten Funknetz-Varianten dürfte noch deutlich zulegen. Zudem wird es immer mehr Verknüpfungspunkte und Verschränkungen zwischen den unterschiedlichen Netzen geben. Zum Beispiel durch sogenannte "Femto-Zellen", die ein Mini-UMTS-Netz erzeugen, das über einen DSL-Anschluss mit dem Rest der Kommunikationswelt verbunden wird - Mobilfunk-Basisstationen für den Hausgebrauch.
Personal Hotspot
Angesichts der derzeitigen Preisunterschiede für den Internet-Anschluss über das Festnetz (DSL) einerseits und über das Mobilnetz (UMTS) andererseits, erscheint die Nutzung von Femto-Zellen sofort einleuchtend. Während eine massenhafte Verbreitung der Mini-Mobilfunkstationen in Branchenkreisen bereits als ausgemachte Sache gilt, hat jetzt eine US-Firma das Gegenstück vorgestellt. Der "Personal Hotspot" von CradlePoint ist eine besonders kompakte W-Lan-Basisstation, die über das Handy-Netz ans Internet angebunden wird.
Nun sind, technisch betrachtet, weder die Femto-Zelle noch der "Personal Hotspot" sensationelle Neuerungen. Neu ist allerdings, dass Anschaffung, Installation und Betrieb der Funknetze auf Konsumentenniveau ankommen. Der "Personal Hotspot" mit dem Produktnamen "PHS300" wird ab Mitte Dezember für 179 Dollar in die US-Geschäfte kommen. In Europa kann man die Geräte allerdings nicht verwenden, da sie mit dem US-Mobilstandard CDMA arbeiten.
US-Kunden verspricht Hersteller CradlePoint unterdessen den Betrieb im Plug-and-Play-Prinzip. Gleiches gilt für die teilweise schon verfügbaren Femto-Zellen, die auch eine nahtlose Übergabe im Hintergrund vom öffentlichen zum privaten UMTS-Netz ermöglichen. Umgekehrt wird das vertraute Prinzip des W-Lans durch Personal Hotspots beweglich. Demnach ist der Name, den CradlePoint für die Produktgruppe vorschlägt, irreführend, eigentlich müsste sie "Mobile Hotspot" heißen.
Daheim im Multinet
Jeweils für sich betrachtet, sind Femto-Zellen oder Personal Hotspots zunächst nur praktische Hilfsmittel, die in bestimmten Situationen einfach und bequem den Zugang zum gerade gewünschten Netz erlauben. Zusammen und in der Kombination mit weiteren Funknetzen jeder denkbaren Größenordnung eröffnen sich aber ganz andere Perspektiven: Dabei sind mobile Geräte auf vielen Ebenen gleichzeitig vernetzt, womit die Abhängigkeit von einer einzelnen Technik, beziehungsweise einem Provider aufgelöst wird.
Femto-Zellen oder Personal Hotspots stellen in einem solchen Szenario Brückenschläge zwischen zwei Netzebenen dar. Im zukünftigen Idealfall gibt es natürlich sehr viele dieser Verknüpfungen, die zusammen ein engmaschiges Netz bilden. Auf die Spitze getrieben, können Daten bei Bedarf vom globalen Satelliten-Kanal über Zwischenschritte in den Bluetooth-Nahfunk wechseln. Um sich heute den Online-Alltag des Jahres 2017 auszumalen, braucht man wohl eine ziemlich rege Phantasie.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler