Pocket Web Klappflunder statt Blackberry
...falls dieser text etwas holprig wirken sollte, das gehoert zum test. er ist unterwegs entstanden, und ich habe ihn auch nicht getippt - sondern gedrueckt. mit zwei daumen auf einer tastatur aus 31 bleistiftradiergummi-grossen tasten...
Dergleichen Daumendrückgeschreibsel war bislang das Privileg einer wachsenden Zahl von Geschäftsleuten, die von ihrer Firma mit einem Blackberry ausgestattet worden waren. Mit der öffentlich zur Schau getragenen Körperhaltung - beidhändig am Kleingerät, leicht vornüber gebeugt, mit den Daumen auf den Knubbeltasten - kann man sich absetzen.
Immer noch. Denn so selbstverständlich E-Mails heute von jedem Handy aus gelesen werden können, so quälend ist das Schreiben. Der Daumentanz auf einer Minitastatur im fast-Normallayout ist jedem Handy-Geschreibsel per T9-Texterkennung überlegen.
...das ist die liga, in der dieser handschmeichler antritt. vergleiche mit dem schreibkomfort ausgewachsener computertastaturen waeren unfair. mit zwei daumen kommt man da nicht ran. selbst großbuchstaben sind umstaendlich (ein daumen auf die umschalttaste, mit dem anderen quer über die tastatur, nur um ein großes "F" zu schreiben), umlaute richtig ungemuetlich (für ein "ü" muss das "u" laenger gedrueckt werden, bis ein auswahlfenster erscheint)...
Das Gehäuse des Pocket Web gemahnt an ein Spielzeug. Abgerundet und Blinklicht-besetzt, mit kleinteiligen Ausbuchtungen und mattem schwarzen Plastik, eignet es sich nicht eben als hippes Accessoire - ein Gerät, wie aus dem Überraschungsei gepellt. Die Tasten lassen sich nicht geräuschlos drücken, der Bildschirm ist klein, niedrig auflösend und saugt viel Strom - nach weniger als drei Stunden Dauerbetrieb muss das Ding wieder ans Netz. Geladen werden kann es auch per USB-Kabel vom PC aus.
Wenn das Ding zusammengeklappt in meiner Brusttasche ruht, kündet eine kurze Vibration von neuen E-Mails. Wenn ich gerade arbeite, wird ein roter Nachrichtenbalken eingeblendet - von selbst, ohne dass ich händisch online gehen und mein Postfach aktualisieren müsste. Push heißt das. Eine spezielle Software drückt ("pusht") die Post zum Portable: Praktisch und teuer war das bisher, denn Hersteller und Mobilfunknetzbetreiber langen kräftig zu.
Beim Pocket Web ist das nicht so, was für einige Vorschusssympathien sorgt. Gut, das Ding ist nicht umsonst, dennoch macht sich das Geschenkter-Gaul-Syndrom breit: in Form eines milden Blicks.
Die Technik ist Klappflunder gewordene Verknappung: E-Mails und SMS schreiben und lesen, in einem schlichten Browser langsam Websurfen, Kalender, Adressbuch, Tetris, das war's. Und zugreifen kann ich bloß auf ein Postfach bei Web.de, GMX oder 1&1. Gut daran ist, dass ich tagsüber und aktuell - auch unterwegs und bei der Arbeit - meine privaten Emails im Blick habe.
...das bedeutet natuerlich auch, dass meine freunde und bekannten mit kleingeschrieben nachrichten ohne umlaute, sonderzeichen und allzu viel lyrischen ausschweifungen leben muessen. schicken sie mir e-mails, sehe ich meist nur eine zurechtgestutzte fassung: kein html, kein layout, fotos nur dann, wenn sie klein genug sind. word-dokumente oder pdf-dateien sind tabu. eine geburtstagseinladung empfing ich nur als endlose steuerzeichenkette. und musste mich bei einem ebenfalls eingeladenen nach dem genauen inhalt erkundigen - natürlich per e-mail von unterwegs...
Das Pocket Web ist ein Minimal-Mobilmailer, nicht mehr. An Synchronisierung mit dem PC, Übertragen von Dateien, gar an die Verwendung des Teils als Mobilfunkmodem ist nicht zu denken. Doch in Anbetracht des Preises erscheinen auch diese Restriktionen noch akzeptabel.
Mit Zweijahresvertrag kostet es 49,95 Euro, bei Abschluss eines unvorteilhaften 100-SMS-Tarifs bei Vodafone, sinkt der Preis gar auf einen Euro. Die 10 Euro Monatsgebühr, in denen jegliche Datenübertragung - also Websurfen und Emailabrufe - abgegolten sind, locken. Das ist momentan konkurrenzlos billig. Ich nehme mir fest vor, es einfach niemals als Handy, nie für den SMS-Versand zu gebrauchen.
...mit einem videospiel-controller in der hand sozialisiert, ist mir das beidseitige daumendruecken schnell in fleisch und blut übergegangen. klein genug für die brusttasche meiner jeansjacke trage ich mein emailpostfach spazieren. der fastnichtskönner pocket web hat die erste huerde genommen: ich raeume ihm einen der wenigen plaetze in meinen begrenzten taschen ein, neben handy, ipod, portemonnaie. wie wichtig mir ueberball-e-mail wirklich ist, muss dann der sommer zeigen - wenn die tage waermer, dicke jacken seltener und die verfuegbaren taschen weniger werden.