Project Bambuser Veröffentliche Dich Live
Das YouTube-Motto lautet "Broadcast Yourself". Die Aufforderung verhallt bekanntlich nicht ungehört. Täglich werden 65.000 Videos hochgeladen, mit denen sich Millionen Internet-User selbst "auf Sendung" bringen. Trotz dieses gewaltigen Heeres aktiver Teilnehmer ist das Publikum noch weit zahlreicher als die Produzentenschar. Je eineinhalb Filmchen konsumieren die durchschnittlich 20 Millionen Websurfer, die YouTube pro Monat aufsuchen.
So viele private Videos waren noch nie öffentlich zu sehen. Wenn es aber nach drei schwedischen Medien-Studenten und Jungunternehmern geht, ist das aktuelle Angebot erst ein bescheidener Anfang. Mans Adler, Alexander Fölsch und Rebecca Kopelman wollen mit ihrem Projekt "Bambuser" Menschen dazu animieren, mit ihrem Handy Live-Bilder zu senden, statt "nur" Ausschnitte des eigenen Filmschaffens online zu stellen.
Wie YouTube, bloß live
Während alle darüber reden, wie man TV-Programme aufs Handy-Display bekommt, sollte der umgekehrte Weg nicht vergessen werden, lautet die Grundidee des Projekts, aus dem auch eine Firma für Streaming-Software entstehen soll. Unter reger Anteilnahme der schwedischen Medien führte Bambuser letzte Woche die Machbarkeit ihrer Idee vom Handy-TV vor. Dazu ging Bambuser im offenen Kanal der südschwedischen Stadt Malmö ohne Unterbrechung 48 Stunden lang von einem Mobiltelefon aus auf Sendung.
Der Bambuser-Claim "Was passiert, wenn du eine Sendeanstalt in der Tasche hast?" muss nach diesem Sendemarathon leider mit "Nicht viel" beantwortet werden. Die meiste Zeit redeten die Handy-TV-Initiatoren in ihrem improvisierten Studio mit Zufallsgästen - meistens über das eigene Projekt.
Es ist der Inhalt, Dummy!
Vor dem zweitätigen Test erklärte ein Bambuser-Aktivist dem Magazin "Computer Sweden": "Das wird wie YouTube, bloß live!" Schon hier hätte man stutzig werden können, denn Aktualität ist nicht das wichtigste Kriterium auf der Video-Site. Jedenfalls werden Filmchen auf YouTube nicht deswegen erfolgreich, weil sie ein Thema einige Stunden vor allen anderen aufgreifen. Ein Mangel an Echtzeit-Sendungen ist eben kein drängendes Problem der YouTube-Nutzer. Eher ist das Gegenteil der Fall: Die Bewertung von anderen Nutzern macht eine Orientierung im Video-Dschungel überhaupt erst möglich.
Technische Machbarkeit heißt denn wohl auch im Web2.0-Zeitalter nicht unbedingt, dass die entsprechende Anwendung auch dringend nachgefragt wird. Daher ist auch aus WayMarkr, einer Software für Series-60-Telefone von Nokia, bislang kein neues Massenphänomen entstanden: WayMarkr nutzt die Kamera des Telefons nicht um ein bestimmtes Photo zu schießen, sondern schickt einen konstanten Strom von automatisiert geknipsten Photos ins Netz. Wie Flickr, bloß live.
Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler