SMS-Boom Deutschland simst
Sie finden, dass Daumen nicht wirklich zum Tippen gemacht sind? Dass "SMS" nicht für "Short Message Service", sondern für "Sado-Maso-Schreiben" stehen sollte? Damit stehen Sie sicher nicht allein - aber einer schwindenden Minderheit gehören Sie schon an.
Im Trend liegen Sie dagegen, wenn Sie "simsen", was die Daumen hergeben: 22,4 Milliarden Kurznachrichten wollen Deutschlands Mobilfunkanbieter im letzten Jahr übertragen haben, behauptet der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Das wäre ein Rekord, der in diesem Jahr noch einmal getoppt werden soll: 23 Milliarden erwartet der Branchenverband für 2007.
Heruntergerechnet soll der durchschnittliche Handy-Nutzer damit rund 350 SMS verschickt haben. Die relative SMS-Abstinenz daumenfauler Handybesitzer wird vor allem durch den jüngeren Teil der Kundschaft mehr als kompensiert: Für Jugendliche ist das krampfige Getippe nach wie vor die mobile Mitteilungsform Nummer 1. Denn SMS sind im Vergleich zu Telefonaten oder gar den bisher nur wenig verbreiteten Multimedia-Mitteilungen MMS relativ preiswert.
Für die Zukunft erhofft und erwartet die Branche allerdings eine verstärkte Nutzung fortschrittlicherer (und für die Anbieter profitablerer) Dienste wie E-Mail via Handy. Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer: "Für einen Abgesang auf die SMS gibt es aber noch lange keinen Anlass, dafür sind SMS und MMS schon viel zu sehr Teil unseres täglichen Lebens geworden." Eher sei damit zu rechnen, dass die MMS mit dem eigenen Urlaubsfoto die Ansichtskarte aus dem Urlaub ablösen werde. Die wäre allerdings teurer und auch weniger flexibel nutzbar: Man kann sie nicht an die Wand hängen.
pat/AP