Stofftiertechnik: Teddys telefonieren und twittern - DER SPIEGEL
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Stofftiertechnik Teddys telefonieren und twittern

Ein Stofftierklassiker macht Karriere als Technik-Vehikel: Das Teddy-Handy soll Telefonate emotionaler machen, mit MP3-Teddys lernen Kinder frühzeitig Gadgets lieben, und der Twitter-Bär liest Kurznachrichten vor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der japanische Mobilfunker Willcom hat ein Teddy-Handy vorgestellt. Mit dem Plüschtier kann man gleichzeitig telefonieren und kuscheln. Ein Prototyp des Tiertelefons wurde auf der Messe Good Design Expo  gezeigt, und nach einem Bericht der Site
" CScoutJapan " will Willcom den Hybrid demnächst für rund 400 Euro auf den Markt bringen. Dabei soll das Teddy-Handy vor allem Frauen ansprechen, die normale Telefone zu unpersönlich finden. Die Frage ist, wie viele es von dieser Sorte eigentlich gibt.

Die Idee, mittels Kuschelfaktor Telefongesprächen ein bisschen Intimität und Wärme zurückzugeben, ist nicht neu. So hat das Wiener Unternehmen Urban Tool bereits vor zwei Jahren ein Handy-Kissen vorgestellt. Rasend erfolgreich kann das
" perCushion" aber nicht gewesen sein, denn inzwischen findet es sich nicht einmal mehr auf der Website des Unternehmens. Wie das Teddy-Handy ankommen wird, bleibt trotzdem abzuwarten - schließlich erreichen auch japanische Handy-Anhänger regelmäßig Kitschwerte, die in Europa schlicht als gruselig empfunden werden.

MP3- und USB-Teddys

Für das Traditions-Kuscheltier bedeutet das Teddy-Handy unterdessen eine konsequente Fortsetzung seiner Karriere als Vehikel digitaler Technik. So sind schon geraumer Zeit diverse MP3-Bären für Kinder erhältlich. Zum Beispiel der Teddy namens
" Bandy ", mit dem Kindern ab drei Jahren die Freuden digitaler Audioplayer kennenlernen sollen. Hörspiele und Musik werden durch beherztes Rückenknuffen gestartet, außerdem soll das MP3-Plüschtier allen denkbaren Misshandlungen durch Kleinkinder widerstehen.

Der " iTeddy " soll etwas ältere Kinder ansprechen und sie an den Umgang mit digitalen Gadgets gewöhnen. Dazu verbergen sich unter dem T-Shirt des Kuscheltiers die üblichen Elemente zur Bedienung eines MP3-Players, Display inklusive. Pädagogisch fragwürdig ist dagegen der "Teddy Bear USB Drive", in dem sich ein USB-Stick mit 1 GB Speicherplatz verbirgt. Um den zu nutzen, muss man dem Bären den Kopf abreißen .

Twitter-Tier

Teddys werden aber auch gerne benutzt, um eher unkuschelige Technik effektiv zu tarnen. Denn für Überwachungskameras ist ein Plüschtier im Zweifelsfall die ideale Camouflage. So berichtete die BBC erst Ende August von einem Fall, bei dem die Aufnahmen einer Bärenkamera ein diebisches Kindermädchen überführten. Im Gegensatz zu Großbritannien sind Spähaktionen per Teddy-Cam hierzulande übrigens strikt verboten: Das deutsche Telekommunikationsgesetz verbietet nämlich, Überwachungstechnik mit Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs zu tarnen.

Jenseits solcher gesetzlicher Hindernisse dürfte der weiteren Entwicklung von Hightech-Teddys wenig im Weg stehen. Dabei könnten sogar halbwegs sinnige Funktionen entstehen, wie der Twitter-Teddy, dessen Entstehung in der US-TV-Show "2PointHome" gezeigt wurde . Nach entsprechender Bastelarbeit ist dieser spezielle Teddy mittels Bluetooth mit dem Microblogging-Dienst Twitter verbunden, so dass er eingehende Twitter-Botschaften "vorlesen" kann.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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