Suchen statt sortieren: Nokia gegen Google - DER SPIEGEL
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Suchen statt sortieren Nokia gegen Google

Der Kampf um die Hoheit über mobile Inhalte ist voll entbrannt: Vom Internet aus greift Google an, die Netzbetreiber wollen ihre Hausmacht mit einer eigenen Suchmaschine halten, und Handy-Hersteller Nokia geht mit einer eigenen "Mobile Search" ins Rennen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf dem heimischen Rechner und im Internet war das Auffinden von Informationen schon immer eines der zentralen Probleme: Oft weiß man zwar noch ganz genau, dass die gesuchte Information da sein muss, irgendwo in einer E-Mail, in einem Text-Dokument oder auf einer Webseite, die man letzte Woche besucht hat. Aber man kann sie, egal wie lange man nachdenkt und herumklickt, einfach nicht mehr finden.

Die Lösung des Problems kam schon vor geraumer Zeit aus dem Netz, indem Google und andere Searchengines gigantische Indizes erstellten und diese halbwegs übersichtlich ordneten. So war es stellenweise leichter, im Internet Dinge zu finden, als auf dem heimischen Rechner, auf dem man sich viel zu lange darauf verlassen musste, dass man die eigenen Daten übersichtlich sortiert hatte. Manche Betriebssysteme wie Apples OS X zogen nach, und verwandelten ihre Suche nach Dateinamen, Erstellungsdatum oder File-Art zu einer Inhaltssuche. Und Googles freier Mail-Service, Googlemail, wirbt sogar mit dem Slogan: "Nicht sortieren, suchen".

Auf Mobiltelefonen war die Suche bis vor einiger Zeit zumeist kein Problem, da Adressen und Telefonnummern im Adressbuch waren, der Rest eher Nebensache, und der Speicher auf einem Mobiltelefon sowie nicht groß genug, dass sich dort irgendwelche Daten verstecken konnten. Mittlerweile sind Speicherkapazität und Funktionalität auf Mobiltelefonen aber so sehr angewachsen, dass in den Alleskönnern in der Größe eines Schokoriegels Daten gerne mal verloren gehen. Die kleinen Bildschirme und gelegentlich umständliches Navigation erschweren das Problem noch.

Nokia, die schon seit längerem eine Suchoption als Zusatz für ihre Smartphones anbieten, haben jetzt endlich die logische Konsequenz gezogen, und das Telefon als unübersichtlichen Datenträger neu entdeckt. Die "Mobile Search" indiziert ab sofort - für die meisten gängigen Nokia-Telefone der N- und E-Serien und einige mehr - Inhalte auf dem Telefon und integriert sie in die Suche.

Nokia will Google-Mobil werden

Als besonders praktisch erweist sich die neue Suchfunktion, wenn man sein Telefon für E-Mails benutzt, oder als Backup für wichtige Dateien. Denn nicht selten vergisst man, eine neue Telefonnummer ins Adressbuch zu übertragen, blickt aber bei der Menge an E-Mails, in denen die Nummer stehen könnte, nicht mehr durch. Das "Es liegt mir auf der Zunge"-Phänomen einfach in einen Suchbegriff umgewandelt und schon hat man gefunden, was sonst unnütz Zeit gekostet hätte.

Und auch bei einem weiteren, heute angekündigten Service zeigt sich, dass Nokia immer stärker auf intelligente Software für Telefone setzt und sich zu einer Art Google des Mobiltelefons entwickelt. Denn ab dem 10. Februar wird es für alle Nokia-Smartphones "Nokia Maps" kostenlos geben. Eine auf dem Navigationssystem smart2go  basierende Software, die einem dann auch ermöglicht, sich selbst im Großstadtdschungel wiederzufinden.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler

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