Tech-Trends Solarenergie fürs Handy?
Im November waren auf der Seite des Gadget-Magazins "T3" Bilder eines Handy-Prototyps zu sehen , der das Mobilitätsversprechen wahr zu machen scheint: Die Designstudie des japanischen Mobilfunk-Primus NTT DoCoMo mit Solarzellen auf der Gehäuse-Oberfläche des Klappmodels ist Teil einer Roadshow des Konzerns, bei der auch Handys der vierten Generation zu sehen sind. Eigentlich ist das Ding eine alte Kamelle, die bisher nur nahezu unbemerkt blieb: Mit dem Solar-Prototypen geht DoCoMo bereits seit Juli 2005 tingeln.
Zeigen kann man das Gerät trotzdem mit bestem Gewissen, denn nach wie vor repräsentiert es den aktuellen Stand der Technik: Es hat sich seitdem eigentlich nichts getan. Obwohl DoCoMo auch über den Prototypen mit der ungewöhnlich langen Lebensdauer so gut wie keine Details bekannt gab, wandert die Kunde vom Solar-Handy bis heute durch die einschlägigen Blogs. Die Bilder des vermeintlich voll funktionstüchtigen Handys sind offensichtlich faszinierend, weil die Idee vom Handy ohne lästiges Aufladen des Akkus einen Nerv trifft: Die örtliche Fixierung des Mobiltelefons durch Kabel widerspricht schlicht den gewachsenen Ansprüchen an mobile Geräte.
Solar-Ladegeräte
Warum die NTT-DoCoMo-Entwickler sich mit der Veröffentlichung von Spezifikationen des "Super-Phone" (wie "T3" titelt) zurückhalten, wird unterdessen klar, wenn man bereits vermarktete Solar-Gadgtes näher betrachtet. Solar-Ladegeräte wie das "Solio" oder der "Solar Charger" kommen zwar im ansehnlichen Design daher und versprechen Handys der führenden Hersteller sowie MP3-Player mit Sonnenenergie zu versorgen, aber auch hier werden die Ladezeiten aus gutem Grund nicht in den Vordergrund gestellt.
Für das "Solio"-Ladegerät mit ausklappbaren Solarflächen gibt der Hersteller beispielsweise eine Ladezeit von acht bis zehn Stunden an - und das auch nur bei vollem Sonnenschein. An kurzen, dunklen Wintertagen in unseren Breitengraden könnte demnach für das vollständige Wiederaufladen des Mobiltelefons ein ganzer Tag nicht einmal reichen.
Die Zukunft: Hybrid-Modelle
Wie weit entfernt wir noch vom Energie-autarken Handy entfernt sind, hat eine Präsentation des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) auf der letzten Hannover-Messe deutlich gemacht: Das Solarhandy der ISE-Forscher bekommt durch seine "geräteintegrierten, hocheffizienten Solarzellen" gerade soviel Energie, wie im Standby-Modus nötig ist - wenn man telefoniert, muss das Gerät also fast genauso schnell wieder an die Steckdose, wie die gängigen Modelle. Der Solarstrom reicht gerade einmal aus, die Standby-Zeit zu verlängern.
Rein solar betriebene Handys sind also auch zukünftig so schnell nicht zu erwarten. Das ISE sieht die Zukunft der Stromversorgung mobiler Gadgets daher in Hybrid-Lösungen mit "intelligentem Powermanagement", bei dem Batterien, Solarzellen, Thermoelektrik oder Brennstoffzellen jeweils kombiniert zum Einsatz kommen.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler