Technik-Artikulationen Nutzer schüttelt, Handy gluckert
Die adäquate Methode zur Bedienung von Handys ist bislang offensichtlich noch nicht erfunden worden. Aber immerhin sind schon vielversprechende Ansatzpunkte sichtbar: Natürlich die intuitive "Verflüssigung" der Größenverhältnisse auf dem iPhone-Display, aber auch die zunehmende Sensibilität der Handys.
Diese entsteht durch eine neue Sensor-Generation, den sogenannten "Micro Electro Mechanical Systems". MEMS verbinden mechanische Komponenten direkt mit den Halbleitern der digitalen Chip-Welt, wodurch unter anderem Beschleunigungs- und Gleichgewichtssensoren bereits dramatisch geschrumpft sind.
Die Produkte dieses technischen Fortschritts sind längst fester Bestandteil unseres Alltags, MEMS sorgen etwa dafür, dass Airbags auf den Sekundenbruchteil genau ausgelöst werden. Eine breite Öffentlichkeit ist aber erst durch Nintendos Spielkonsole "Wii" auf die Potentiale der neuen Sensorik aufmerksam geworden: Dessen bewegungssensitive Controller ermöglicht ganz neue Spielkonzepte, und die sind so spannend, dass Nintendo 2007 die eigentlich übermächtige Konsolenkonkurrenz ausstechen konnte.
Das Handy lernt sprechen
In Handys und anderen mobilen Geräten wie Digicams werden unterdessen auch vermehrt Sensoren integriert, allen voran die Gleichgewichtsfunktion. Die Nutzung dieser Sensoren ist allerdings weitgehend enttäuschend.
So kippen einige Canon-Kameras und das iPhone den Bildschirminhalt vom Hoch- ins Querformat, wenn die Geräte entsprechend gedreht werden. Phantasievollere Anwendungen sind dagegen rare Ausnahmen, beispielsweise Sony Ericssons Modell "W910i": Bei der Musikwiedergabe muss das Gadget nur gerüttelt werden, um einen Titel zu überspringen.
Solche intuitiven Bedienungsweisen fordern aber nicht nur Umdenken vom Nutzer, sie werfen auch die Frage danach auf, wie ein Dialog zwischen Mensch und Maschine jenseits der Menu-Logik aussehen könnte: Wie könnte ein Handy auf das intuitive Geruckel des Nutzers reagieren? Ein Team von der Universität in Glasgow hat diese Frage jetzt mit einem Programm namens " Shoogle " beantwortet. Dieses übersetzt die Daten der Bewegungssensoren in verschiedene Szenarien, aus denen jeweils markante Klangmuster folgen.
So wird der Batteriestatus signalisiert, indem beim Schütteln des Handys das Geräusch einer Flüssigkeit simuliert wird, deren Menge dem Ladezustand entspricht. Eingehende SMS werden dagegen als Metallkugeln im Telefon gedacht, die beim Schütteln aufeinander klackern: "Man kann den Zustand des Handys hören, ohne einen Blick aufs Display zu werfen", erklärte Entwickler John Williamson dazu im "New Scientist".
Neben Metallkugeln und Flüssigkeit experimentieren die Forscher mit den Geräuschen von Glasscherben, Holzstücken, Schlüsseln oder Tischtennisbällen. Und anhand der Klangbeispiele auf der Projekt-Site lässt sich jetzt schon sagen, dass Dialoge zwischen Mensch und Maschine endlich plastisch werden
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler