Technikfarbe Missverständnisse in Pink
Laptops, Handys und digitale Gadgets waren vor nicht allzu langer Zeit durchgehend in gedeckten Unfarben gehalten, irgendwo zwischen schmuddeligem Beige und indifferentem Grau. Nun übertreiben es einige Hersteller mit Technikfarben nach dem Prinzip Versuch und Irrtum.
Dabei geht ein besonders zäher Trend zur Farbe Pink als dominierendem Element: " Dell Thinks Pink! " hieß es in einem besonders deutlichen Fall von Designer-Übermut in einer Aussendung des Computerherstellers zu Laptops in Rosa, die nach dem Farbwechsel leider noch genauso langweilig wie zuvor wirken.
Eine Erfahrung, die Garmin zuvor mit Navigationsgeräten machen musste, die es inzwischen wieder ausschließlich in zurückhaltenden Farben gibt. Dafür stehen Netzteile für die Nintendo DS Lite rosa im Regal, oder Scherzartikel wie das "Keyboard for Blondes", dessen Anblick wirklich schwer zu ertragen ist.
Rosa Schussweste
Immer wieder effektvoll ist auch die rosa Verwirrung durch das Einfärben von Gadgets mit martialischer Anmutung, etwa die Schussweste für Körper-Feedback in Ballerspielen 3rd Space FPS Vest .
Einen gemeinsamen Nenner hat der Drang zum rosaroten Technikspielzeug wohl nicht, wenn man man einmal davon absieht, dass das Klischee von Rosa als Mädchenfarbe bemüht wird. Allerdings aus den unterschiedlichsten Motiven. Für die Brustkrebskampagne "Pink Ribbon" wurden etwa Festplatten, Laptops, MP3-Player und vieles mehr rosafarben eingefärbt, um das Bewusstsein für ein Problem zu schärfen, das eigentlich nur erwachsene Frauen betrifft.
Gleichzeitig haben asiatische No-Name-Produzenten eine ausgesprochene Vorliebe für Hello-Kitty-Kitsch, von dem man ohne jede Ironie annimmt, dass er vierjährigen Mädchen gefällt. Die Digitalspielzeuge der Erwachsenen scheinen mit diesem Abziehbild von der heilen, unschuldigen Kinderwelt aber hervorragend zu harmonieren, wie rosarote Handy- und iPod-Imitate zeigen, die sich inzwischen ganz selbstverständlich in den Spielzeugabteilungen finden. Die Spielzeuge tragen Titel wie "iPop Lip Compact" und beinhalten billige Schminksets für Kinder.
Bei Frauen kommt Technik in Pink schlecht an, so das Ergebnis einer Umfrage, die 2007 im Auftrag der Werbeagentur Saatchi und Saatchi in Großbritannien durchgeführt wurde.
Denn während nur neun Prozent der befragten Frauen Wert darauf legten, dass Gadgets "weiblich" gestaltet sind, fühlte sich eine Mehrheit durch rosa Internet-Radios und Handys mit Glasperlendekor herablassend behandelt.
Aktuell ist die Lage in der rosa Gadget-Welt jedenfalls ziemlich verworren: Unter der Überschrift "Vorsicht vor der rosa Plage" geißelte das Technik-Blog Gizmodiva zum Jahresanfang den Spielzeugtrend in Pink, da er Kinder in traditionelle Geschlechterrollen dränge. Gizmodiva schreibt zwar fast täglich begeistert über neuen Hello-Kitty-Tand - aber inzwischen sei es einfach "zu viel des Guten".