Texting Der Sprache ihr Tod?
Als ein großer Gefahrenherd, der mit der jugendlichen Handykultur einher geht, gelten insbesondere SMS, IMS und Anverwandtes, zusammengefasst auch "Texting" oder "Text Messaging" genannt. Denn Text Messaging, so der weitläufige Konsens, hindert Heranwachsende daran, gut und grammatikalisch korrekt Schreiben zu lernen.
Jedenfalls kamen zahlreiche Studien zu diesem Schluss. Schon seit Jahren weisen Sprachexperten auf die vermeintliche Gefahr hin, beispielsweise 2004 der Dozent für Soziolinguistik der Queensland University of Technology, Jo Carr.
SMS als Sprachschule
Letztes Jahr konstatierte allerdings eine Studie der Cambridge-Universität, dass die weit verbreitete Theorie von der sprachlichen Erosion durch SMS eher auf Mutmaßungen als auf soliden Fakten beruht. Und aktuell kommt eine Studie der Universität von Toronto sogar zu dem Ergebnis, dass Text Messaging den grammatikalischen Fähigkeit von Teenagern zugute kommt.
Demzufolge waren Jugendliche im aktiven Umgang mit Texten noch nie so kompetent wie heute. Die zweijährige Studie konstatiert beispielsweise, dass heutige Teenager durch Texting über ein größeres Vokabular verfügen, in der Interpunktion besonders sicher seien und komplexere Satzstrukturen verwenden.
Und damit nicht genug: Laut der ebenfalls aktuellen US-Studie des "Pew Research Center For The People And The Press" lesen heute dank der Online-Ausgaben mehr US-Amerikaner im Alter von 18 bis 24 Jahren Zeitungen als noch vor zehn Jahren.
Neue Technik löst Angst aus
Die These, "Texting" im Besonderen und die digitale Kultur im Allgemeinen zerstöre die Sprache der Jugend, scheint aus aktueller Perspektive also mindestens fragwürdig, wenn nicht sogar völlig abwegig, und das Beispiel der Englischlehrerin aus Neuseeland, die bereits vor zwei Jahren erfolgreich begonnen hat, Texting als Literatur-Vehikel einzusetzen, könnte noch in einem weiteren Sinn Schule machen.
Passend dazu kündigte Virgin Mobile USA gestern eine Kurzgeschichte namens "Ghost Town" an, die exklusiv via Text Messages zum Leser kommt, aber nur ein Beispiel von vielen für spezielle Handy-Literatur ist. Und selbst für das renommierte Oxford Dictionary sind "Texting" und "Text Messaging" keine Fremdwörter mehr, sie wurden gerade offiziell in das Begriffsrepertoire aufgenommen.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler