Tocmag: Fanzines für Handys - DER SPIEGEL
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Tocmag Fanzines für Handys

Mit Tocmag kehrt die durch Blogs vermeintlich verdrängte Idee des Fanzines in Form von Handy-Miniaturen zurück: Wahrhaft spezielle Interessen und Ego-Universen auf sechs Display-Seiten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Magazin-Genre der Fanzines (von "Fan-Magazin") entstand in der Folge der Punk-Bewegung und ihrem Do-It-Yourself-Imperativ: Es waren meistens handverteilte, im Copycenter vervielfältigte Heftchen, die in den 80ern und frühen 90ern als Sprachrohr flüchtiger Subkultur-Szenen dienten, dabei allerdings oft stilbildend waren.

Die Site "Tocmag" will die Fanzine-Idee jetzt am Handy-Display neu beleben, und obwohl Blogs allgemein als Nachfolger der Fanzines gelten, könnte das Vorhaben aufgehen, weil es zwischen Blog und Fanzine kleine, aber entscheidende Unterschiede gibt.

Kein Kommentar

Blogs funktionieren wie ein konstanter Strom von Information, Fanzines folgen eher dem Ausgaben-Rhythmus regulärer Print-Formate und können so Themen und Interessen auf den Punkt bringen, was Blogs durch ihren dynamischen Charakter eher nicht leisten können.

Der zweite und entscheidende Unterschied sind die Leser-Kommentare: Auf einem Blog kann man nur bedingt unwidersprochen seine Meinung breittreten, weil das Abstellen der Kommentarfunktion in Blogger-Kreisen prinzipiell verpönt ist. Im Fanzine herrschte dagegen, fast schon per Definition, die großmäulige, mediale Besserwisserei.

Universen auf sechs Seiten

Tocmag bietet den Nutzern nicht nur die Möglichkeit, die Minimagazine umsonst herunterzuladen, sondern diese mit wenigen Klicks auch selbst online zu stellen. Die Erstellung der Minimagazine erfolgt dabei allerdings nicht am Handy, sondern vollständig auf der Tocmag-Webseite.

Tocmags haben maximal sechs Seiten, was der kurzen Aufmerksamkeitsspanne des durchschnittlichen Handy-Nutzers entgegen kommt. Und passender Weise landen die heruntergeladenen, mobilen Fanzines zunächst im Spiele-Ordner des Handys, weil sie als Java-Applikationen verschickt werden.

Thematisch reichen die Tocmags von Games, über Filme bis zu den Universen fanatischer Sportfans. Musik ist natürlich auch ein Thema, dazu kommt die heute übliche Zurschaustellung übergroßer Egos. Und solange es YouTube nicht für Handys gibt (am Wochenende wurde ein provisorischer Starttermin von YouTube Gründer Chad Hurley für Ende 2007 bekannt gegeben), könnten sich die Handy-Fanzines zu einem unterwarteten Renner entwickeln.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler