UMTS, GPS, Software-Update Apple startet Preiskampf mit iPhone 2.0
Das Beste sparte sich Apple-Chef Steve Jobs bis zum Ende auf: den Preis. 199 Dollar soll das neue iPhone-Modell in der Acht-Gigabyte-Ausführung kosten - als halb so viel wie das Vorgängermodell. Die Version mit 16 Gigabyte Speicher, bisher 499 Euro teuer, soll für 299 Dollar angeboten werden. Mit Halbheiten wird man sich dennoch nicht begnügen müssen, denn die Ausstattung übertrifft den Vorgänger bei weitem.
Fast eineinhalb Stunden hatten die mehr als 5000 Anwesenden Software-Entwickler und Journalisten im Moscone Center in San Francisco Software-Demos und Produktankündigungen abwarten müssen - erst dann kam "seine Steveness" zum Kern der Veranstaltung: iPhone 3G soll die neue Version heißen und der Name ist auch Programm.
Ein Jahr nach der Einführung des ersten Modells kommt eine erweiterte Version auf den Markt. Anders als sein Vorgänger kann das neue Modell Mobilfunknetze der dritten Generation, also UMTS und HSDPA, für Datenübertragungen nutzen. Kritiker hatten lange gemäkelt, die EDGE-Anbindung des ersten iPhones sei zu lahm, nicht mehr zeitgemäß.
Positionsbestimmung per GPS
Damit soll es bald vorbei sein. Bis zu achtmal schneller als das Ur-iPhone soll das iPhone 3G-Web-Seiten herunterladen, über UMTS-Netze fast so schnell sein wie in W-Lans. Konkurrenzmodelle von Nokia und Blackberry will Apple in eigenen Tests locker übertrumpft haben.
Apple spendiert dem iPhone 3G auch ein GPS-Modul. Auch diese Funktion stand auf der Wunschliste vieler iPhone-Anwender. Ob oder wie man das iPhone 3G damit als Navigationsgerät nutzen kann - die Antwort darauf blieb Jobs schuldig. Stattdessen verwies er auf Möglichkeiten, die Positionsbestimmung zu nutzen, um ortsbezogene Dienste in Anspruch zu nehmen, so man kann sich also beispielsweise heraussuchen, wo die nächste Pizzeria liegt.
Mobile Breitbandformate
Befürchtungen, die Akkulaufzeit könnte unter den neuen Funktionen leiden, entkräftete Jobs. Das neue Gerät werde länger als der Vorgänger durchhalten, bis zu 300 Stunden Standby und 24 Stunden Musikabspielzeit, versprach er. Im GSM-Netz soll es bis zu zehn Stunden Sprechzeit bieten und fünf bis sechs Stunden Web-Browsen per UMTS bieten.
Auf dem Weg zur Mobilfunk-Weltherrschaft?
Auch an Details wurde gefeilt. Der Kopfhöreranschluss ist jetzt weiter außen am Gehäuse angebracht, so dass Standardklinkenstecker hineinpassen und keine Adapterlösungen mehr nötig sind, um Nicht-Apple-Kopfhörer nutzen zu können. Vor allem aber besteht das Gehäuse jetzt aus Plastik, statt wie vorher aus Metall - offensichtlich ein Tribut an die Preisgestaltung.
Am 11. Juli soll das iPhone 3G in 22 Ländern gleichzeitig auf den Markt kommen, auch in Deutschland. Bis zum Jahresende peilt das Unternehmen an, das iPhone 3G in 70 Ländern anzubieten.
Welche Preise Apples exklusiver iPhone-Vertriebspartner T-Mobile für das neue Gerät verlangen wird, ist derzeit noch unklar. Die bisher genannten Dollarpreise bezeichnete Jobs allerdings als Obergrenze. Vermutlich also wird das iPhone 3G inklusive Vertrag noch deutlich günstiger und damit massenmarkttauglich werden. Das ursprünglich angepeilte Ziel von zehn Millionen verkaufter Geräte bis Ende 2008 könnte Apple damit bei weitem übertreffen.
iPhone-Update, Drittanbieter-Software, Mobilfunk-Web-Dienst
Der Enthüllung des iPhone 3G ging ein Vorstellungsmarathon voraus, wie man ihn selbst von Apple-Keynotes nicht gewohnt ist. Fast eineinhalb Stunden lang wurden die Zuschauer mit Produktvorstellungen berieselt, die selbst enthusiastische Apple-Fans, die das Event live per Weblog kommentierten, als nervenzehrend empfanden. Die wichtigste Nachricht dabei war, dass das Update auf die iPhone-Software-Version fertig ist, zumindest so gut wie.
Pünktlich zum neuen iPhone-Modell wird auch die Softwareversion 2.0 Anfang Juli zum Download freigegeben. Dann aber bekommen sie alle iPhone-Besitzer kostenlos auf ihr Apple-Handy überspielt. Besitzer eines iPod touch müssen 9,95 Dollar für das Update berappen.
Die wichtigsten Funktionen in der iPhone-Software 2.0
- Im Adressbuch kann künftig durch Buchstabeneingabe nach bestimmten Personen gesucht werden.
- Es gibt eine erweiterte Löschfunktion. Mehrere Dokumente, wie etwa Mails, können in einem Rutsch gelöscht werden.
- An E-Mails angehängte Bilder können in die Bibliothek des iPhone übernommen werden.
- Der Taschenrechner wurde um wissenschaftliche Funktionen ergänzt.
- Parental Controls: Eltern können die Nutzung von iPhone oder iPod einschränken.
- Neben Microsoft-Office-Dokumenten können jetzt auch Dokumente aus Apples iWork-Paket betrachtet werden.
- Es werden mehr Sprachen unterstützt (vor allem asiatische).
Einstieg ins Unternehmensgeschäft - und viele Spiele
Die iPhone-Software 2.0 soll dem Apple-Handy offenbar auch als Türöffner für die Anwendung in Unternehmen dienen. So wird jetzt der mobile Datenabgleich über Microsofts Mobilsynchronisations-Software Activesync ebenso unterstützt wie sichere Verbindungen zu Firmennetzwerken über sogenannte VPN-Verbindungen von Cisco. Vor allem aber hat man etliche Sicherheitsfunktionen eingebaut. So zum Beispiel die Möglichkeit, den gesamten Speicher aus der Ferne zu löschen, um geheime Informationen im Falle eines Diebstahls oder Verlusts vor fremden Zugriffen zu schützen.
Im Vergleich: iPhone und iPhone 3G
| Modell | iPhone 1 | iPhone 1 mit Update | iPhone 3G |
|---|---|---|---|
| Speicher [GB] | 8/16 | 8/16 | 8/16 |
| Bildschirmgröße [cm] | 8,89 | 8,89 | 8,89 |
| Bildauflösung [Pixel] | 480 x 320 | 480 x 320 | 480 x 320 |
| Maße [mm] | 115 x 61 x 11,5 | 115 x 61 x 11,5 | 115,5 x 62,1 x 12,3 |
| Gewicht [Gramm] | 135 | 135 | 133 |
| Quadband | Ja | Ja | Ja |
| EDGE | Ja | Ja | Ja |
| UMTS/HSDPA | Nein | Nein | Ja |
| W-Lan | Ja (802.11b/g) | Ja (802.11b/g) | Ja (802.11b/g) |
| Bluetooth | Ja | Ja | Ja |
| GPS integriert | Nein | Nein | Ja |
| Digitalkamera | 2 Megapixel | 2 Megapixel | 2 Megapixel |
| Preis inkl. Vertrag | 99 bis 499 Euro | 99 bis 499 Euro | Max. 199 Dollar |
Viel plakativer als die neuen Unternehmensfunktionen sind die speziell für Endanwender konzipierten Applikationen, von denen Apple ein gutes halbes Dutzend von den jeweiligen Entwicklern demonstrieren ließ. Die Highlights:
- Sega startet mit dem knuffigen Spiel Super Monkey Ball, das für 9,99 Dollar verkauft werden soll.
- Gleich zwei Games, Enigmo und Cromag Ralley, kommen von Pangea Software, sollen ebenfalls je 9,99 Dollar kosten und verblüffend realistische physikalische Effekte bieten.
- Komplett kostenlos bietet eBay einen iPhone-Software sein, welche die mobile Abwicklung von Online-Auktionen vereinfachen soll.
- Blogger bekommen von Typepad eine Anwendung, die es ermöglichen soll, Blogeinträge aus Texten und Bildern am iPhone zusammenzusetzen und ins Web zu laden.
- Verblüffend: Ein britischer Versicherungsmakler führte eine selbstgeschriebene Musiksoftware vor, mit der man diverse Instrumente, vom Bass bis zur Orgel, am iPhone spielen und auch aufnehmen kann.
- Reichlich Platz wurde ortsbezogenen Diensten, den location based services, eingeräumt. So wurde eine Software vorgestellt, mit der man sich auf einer Karte anzeigen lassen kann, wo in der Umgebung befreundete iPhone-Besitzer unterwegs sind - sicher kein Spielzeug für Datenschützer.
- Als Werkzeug für Medizinstudenten bietet sich Modality an, eine Software mit der man, ohne Skalpell, Einblicke in den menschlichen Körper erhält.
Apple stellt es Entwicklern frei, ob sie ihre Software kostenlos oder kostenpflichtig über den sogenannten App Store anbieten, der ein Teil der Musiksoftware iTunes werden wird. Nur eine Einschränkung soll es geben: Programme, die kleiner als zehn Megabyte sind, können über das Mobilfunknetz geladen werden. Alles was größer ist, muss via W-Lan überspielt werden.
Das mobile Ich - "mobileme"
Als Ergänzung zum neuen iPhone kündigte Apple den Webdienst mobileme an. Für Anwender, die nicht in großen Firmen arbeiten, in denen Activesync zum Einsatz kommt, soll mobileme ein alternatives Angebot zur Synchronisation von Daten zwischen einem iPhone und mehreren Computern sein. E-Mails, Kalendereinträge, Kontaktdaten und Fotos sollen über diesen Dienst via Mobilfunknetz und Internet zwischen dem Apple-Handy, Windows-PCs und Macs gleichermaßen ausgetauscht werden. Landet eine Mail im Eingangskorb des mobileme-Accounts wird sie automatisch an alle registrierten Geräte weitergeleitet. Ändert man einen Kalendereintrag am iPhone, wird er auch am PC und Mac geändert. Dasselbe funktioniert mit Kontaktdaten.
Während Mac-Anwender das Apple-Adressbuch und den Kalender iCal damit abgleichen können, müssen PC-User das Angebot unter Windows mit Outlook benutzen. Überdies gibt es Web-Entsprechungen dieser Programme, die über die Webseite me.com nutzbar sein sollen. Wie schon Apples 2002 eingeführter Onlinedienst .mac ist das Angebot nicht kostenlos, sondern soll ab den 11 Juli für 79 Euro pro Jahr abbonnierbar sein - inklusive 20 Gigabyte Speicherplatz.