Verbotsdebatte: Flaschenhals im Hirn - DER SPIEGEL
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Verbotsdebatte Flaschenhals im Hirn

Es gilt weitgehend als ausgemachte Sache, dass Telefonieren hinterm Steuer auch mit einer Freisprechanlage die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt. Eine britische Studie zeigt jetzt die Ursachen auf und liefert Munition für den endgültigen Handy-Bann im Straßenverkehr.
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Das hierzulande geltende Verbot, mit dem Handy am Ohr ein Fahrzeug zu lenken, das gleichzeitig das Telefonieren mit der Freisprechanlage erlaubt, stellt sich immer mehr als besonders fauler Kompromiss heraus: In zahlreichen Tests wurde bereits nachgewiesen, dass die Konversation am Telefon für Ablenkung sorgt, und nicht etwa die Tatsache, dass man nicht beide Hände am Steuer hat.

Am deutlichsten wurde dieser Befund bislang mit einem Versuch der Universität in Utah veranschaulicht, bei dem Versuchspersonen entweder beim Autofahren Telefonate absolvieren mussten, oder aber betrunken die gleiche Strecke fahren - natürlich in einem Fahrsimulator. Im Ergebnis zeigten die Probanden mit einem Blutalkoholwert von 0,8 Promille fast die gleichen Defizite wie die Handy-Nutzer, gleichgültig ob diese eine Freisprecheinrichtung verwendeten oder das Handy selbst in der Hand hielten.

Im Telefon-Rausch

Britische Wissenschaftler haben das Phänomen jetzt genauer untersucht. Dabei sind sie auf grundlegende Ursachen im menschlichen Gehirn gestoßen, womit sich Faktenlage für ein komplettes Telefonverbot im Straßenverkehr wohl deutlich verbessert.

Vereinfacht lautet das Ergebnis der Studie, die an der Vanderbilt University durchgeführt und im Wissenschaftsmagazin "Neuron" publiziert wurde, dass das menschliche Denkorgan schlicht unfähig ist, zwei komplexe Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, ohne das die Reaktionsfähigkeit deutlich beeinträchtig wird - der Preis des Multitaskings ist ein Geschwindigkeitsverlust. Bei Untersuchungen im Kernspintomographen, während der die Versuchspersonen gleichzeitig zwei verschiedene Aufgaben bewältigen mussten, zeigte sich ein "Flaschenhals" im präfrontalen Kortex, der die Reaktionsfähigkeit zwingend reduziert, wenn zeitgleich mehr als eine Aufgabe ansteht.

Kein echtes Multitasking

Wenn die Aufgaben nur um eine Sekunde zeitversetzt gestellt wurden, konnten allerdings keine Einbußen in der Reaktionsgeschwindigkeit festgestellt werden, was bedeutet, dass die Hirnregion relativ schnell zwischen zwei Prozessen "hin- und herschalten" kann. Für den Straßenverkehr, der ja eine Dauerbelastung darstellt, reicht dies aber eben nicht aus. Aufs zeitgeistige Multitasking im Büro übertragen, bedeutet dieser Befund wohl, dass wir zu "echtem" Multitasking gar nicht fähig sind, sondern höchsten unsere Aufmerksamkeit sehr schnell zwischen zwei Dingen pendeln lassen können.

"Unsere Arbeit beweist auf neurologischer Ebene, dass das Gehirn nicht in der Lage ist, zwei Dinge gleichzeitig und effektiv zu erledigen," fasste Dr. Rene Marois, ein Co-Autor der Studie, den Befund gegenüber der BBC zusammen: "Wenn Leute glauben, dass Telefonieren am Steuer durch eine Freisprechanlage sicher wird, dann liegen sie schlicht falsch, weil sie immer noch zwei kognitiv anspruchsvolle Aufgaben zur gleichen Zeit bewältigen müssen."

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler

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