»Vulkan Files«-Enthüllungen EU sanktioniert Hackerfirma NTC Vulkan
Das Logo von NTC Vulkan, der russischen Firma, die nun auf einer EU-Sanktionsliste steht
Foto: Timon Schneider / Zoonar / IMAGODie russische IT-Firma NTC Vulkan steht seit Freitag auf der Sanktionsliste der Europäischen Union. Die Moskauer Firma entwickelt Programme für Cyberangriffe und groß angelegte Desinformationskampagnen. Zu den Kunden gehören russische Geheimdienste und das Militär. »Mit dem heutigen Sanktionspaket erhöhen wir den Druck auf Russland und Putins Kriegsmaschinerie«, erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.
NTC Vulkan stand im Zentrum der sogenannten »Vulkan Files«, einer internationalen Recherche zu digitalen Kriegsführung Russlands, an der der SPIEGEL federführend beteiligt war. Eine anonyme Quelle hatte interne Firmenunterlagen geleakt und erklärt: »Wegen der Vorgänge in der Ukraine habe ich mich entschieden, diese Informationen öffentlich zu machen«. Die Dokumente wurden zunächst der »Süddeutschen Zeitung« zugespielt und später auch mit dem SPIEGEL geteilt. Sie zeigen erstmals im Detail, wie private Firmen den russischen Staat bei weltweiten Hacking-Operationen unterstützen.
Die Ende März veröffentlichten Recherchen belegen, dass Vulkan als Dienstleister für mindestens drei russische Geheimdienste tätig ist:
den Militärgeheimdienst GRU,
den im Inland tätigen FSB
und den für Auslands- und Wirtschaftsspionage zuständigen SWR.
Auch für das Militär und den Generalstab des Verteidigungsministeriums lieferte Vulkan bis in die jüngste Vergangenheit maßgeschneiderte Software .
Zu den mutmaßlichen Anwendern der Software gehört auch die berüchtigte Hackergruppe »Sandworm«, der Angriffe auf ukrainische Stromnetze, die Olympischen Winterspiele in Südkorea sowie den französischen Präsidentschaftswahlkampf zugeschrieben werden.
Nach Recherchen des SPIEGEL und des ZDF brachten Analysten von Google Vulkan bereits 2012 mit der Hackergruppe »Cozy Bear« in Verbindung, die dem Auslandsgeheimdienst SWR zugerechnet wird und in der Vergangenheit europäische Regierungen und die Demokratische Partei in den USA angegriffen hatte.
Die EU begründet die Sanktionierung Vulkans damit, dass die Firma eine Lizenz des FSB zur Entwicklung von IT-Systemen habe und damit den russischen Geheimdiensten zuarbeite. Dies trifft auch auf weitere russische Firmen zu, die nun mit Vulkan auf die EU-Sanktionsliste gesetzt wurden.