China: DDoS-Attacken auf Greatfire - DER SPIEGEL
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Blockadeaktion Digitaler Großangriff auf chinesische Zensurgegner

Mit Milliarden Anfragen pro Stunde versuchen Unbekannte die Webseite chinesischer Internetaktivisten zu blockieren. Eine Attacke, die für die Opfer teuer werden kann.
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Die chinesischen Internetaktivisten von greatfire.org beklagen, dass ihr Angebot seit Tagen unter digitalem Dauerfeuer steht. Laut einer Mitteilung vom Donnerstag  prasseln stündlich etwa 2,6 Milliarden Anfragen auf die Seite ein. Ein typisches Zeichen für einen DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service), den Versuch eine Webseite aus dem Netz zu werfen, indem man sie mit einer Vielzahl gleichzeitiger Aufrufe überlastet.

Das Portal Greatfire schleust US-Websites wie Twitter, Facebook und Google an den Zensurbehörden in China vorbei. Dafür senden die Aktivisten die blockierten Seiten durch einen sogenannten VPN-Tunnel und legen Kopien der Websites auf Cloud-Servern großer Online-Dienstleister ab. Doch seit Dienstag wird die Arbeit der Zensurgegner erschwert. Es landen 2500-mal mehr Anfragen auf dem Server als gewöhnlich.

Wegen der Angriffe haben sich nach Angaben der Seitenbetreiber auch die Serverkosten extrem erhöht. Demnach seien die Gebühren mittlerweile auf 30.000 Dollar pro Tag gestiegen. Die Website liegt auf den Servern des Online-Händlers Amazon. Ob der Konzern die Kosten übernimmt, ist bisher unklar. Auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE hat Amazon am Freitagvormittag nicht reagiert.

Wer hinter den Angriffen steckt, ist nicht bekannt. Greatfire verweist auf die chinesische Internetbehörde Cyberspace Administration of China. "Die Angriffe fallen damit zusammen, dass der Druck auf unsere Organisation in den vergangenen Monaten verstärkt wurde", schreibt Smith. Außerdem sei versucht worden, verschlüsselte E-Mails an Greatfire abzufangen und Unternehmen zu beeinflussen, die mit der Organisation zusammenarbeiten.

Zensur trifft Reuters und Deutsche Welle

In der Zwischenzeit werden immer mehr Seiten in China blockiert. Am Freitagmorgen meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass Nutzer in China nicht mehr auf deren Webseite zugreifen können. Sowohl die englischen als auch die chinesischen Seiten seien in China nicht mehr erreichbar. Die chinesische Internetregulierungsbehörde reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur.

In China waren zuletzt immer wieder Angebote anderer ausländischer Medien im Internet nicht abrufbar, etwa die Seiten der "New York Times" und des "Wall Street Journal". Dies war oft der Fall, nachdem dort Geschichten veröffentlicht worden waren, die der chinesischen Führung offenbar missfielen. Thomson Reuters verkauft Kunden in China auch Finanzdaten. Dieser Service war am Freitag nicht gestört.

Auch die Deutsche Welle ist von den Zensurmaßnahmen betroffen. Der Auslandsrundfunk entschloss sich Anfang dieses Jahres zu einer Kooperation mit dem Portal Greatfire . Seither werden die Nachrichtenangebote der Deutschen Welle kopiert und auf Cloud-Servern ablegt. Damit sind die Nachrichten in China ohne spezielle Software direkt mit dem Browser zugänglich.

jbr