Rotterdam: Niederländer gründete sadistisches Onlinenetzwerk - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Ermittlungen in Rotterdam Niederländer gründete sadistische Onlinegruppierung und rief zur Jagd auf Menschen auf

In der Onlinegruppe »No Lives Matter« sollen Jugendliche zu Angriffen auf Wehrlose auf der Straße animiert haben. Nach SPIEGEL-Informationen gab es bereits mehrere Festnahmen im Zusammenhang mit der Gruppierung.
Mann an einem Rechner (Symbolbild)
Mann an einem Rechner (Symbolbild)

Mann an einem Rechner (Symbolbild)

Foto: Nicolas Armer / dpa

Die Online-Gruppierung »No Lives Matter« (Deutsch: Kein Leben zählt) soll für mehrere Prügelattacken und Messerangriffe auf der Straße verantwortlich sein. Im Netz teilte sie Anleitungen für sogenannte Menschenjagden im echten Leben, die wiederum live im Netz übertragen wurden. Dem SPIEGEL sind mindestens vier entsprechende Videos bekannt.

Nun wurde bekannt, dass in den Niederlanden ein 25-Jähriger festgenommen wurde, der die Gruppierung gegründet haben soll. Der Mann hat zugegeben, die Gewalt verherrlichende Gruppe gegründet zu haben. Er sei dort auch aktiv gewesen, sagte der Mann in Rotterdam vor Gericht.

Er bestreitet jedoch nach den Worten seines Verteidigers die direkte Beteiligung an Gewalttaten. Bisher ist nicht deutlich, welche Gewalttaten ihm konkret zur Last gelegt werden. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Die Polizei identifizierte nach eigenen Angaben bereits Dutzende mutmaßliche Opfer. Inzwischen wurde ein weiterer Verdächtiger, ein 22 Jahre alter Mann aus Hoofddorp bei Amsterdam, festgenommen, der ebenfalls zu der Gruppierung gehören soll.

Nach SPIEGEL-Informationen kam es zuvor bereits in Schweden und den USA zu Festnahmen im Zusammenhang mit der Gruppe.

Mann an einem Rechner (Symbolbild)

Mann an einem Rechner (Symbolbild)

Foto: Nicolas Armer / dpa

Angeklagter will nicht mehr aktiv sein

Vor Gericht in Rotterdam sagte der 25 Jahre alte Angeklagte, er sei nicht mehr aktiv an der Gruppe beteiligt. Er sei zum Christentum konvertiert und habe »sein Leben in Ordnung gebracht«. B. war im Juli in Eindhoven festgenommen worden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, mehr als fünf Jahre lang eine führende Rolle in der Gruppe gespielt zu haben. Die Ankläger sprechen von einer terroristischen Vereinigung mit dem Ziel, Jugendliche zu schweren Gewalttaten und sogar Mord anzustacheln.

Der Internetname des Angeklagten war »Cxrpse« nach dem englischen Wort für Leiche. Die Staatsanwaltschaft sagte, dass in seinem Computer Aufnahmen gefunden worden waren, auf denen Personen den Namen Cxrpse in ihren Körper geritzt hätten. Auf B.s Computer hatte die Polizei auch Videos mit extremen Gewalttaten gefunden, die er verherrlicht hatte.

Die Gruppe »No Lives Matter« gehört der Anklage zufolge zu dem weltweit operierenden »Com-Netzwerk«. Gruppen in dem Netzwerk werden mit Erpressung, Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und extremer Gewalt in Verbindung gebracht. (Lesen Sie hier mehr darüber.)

Mehr zum Thema

Auch in Deutschland gibt es einen Fall, der mit dem »Com-Netzwerk« in Verbindung stehen soll: Vor Kurzem wurde in Hamburg ein junger Mann angeklagt, der unter dem Namen »White Tiger« ebenfalls online Kinder zu selbstverletzenden Handlungen bis hin zum Suizid getrieben haben soll. Mehr über den Fall von »White Tiger« lesen Sie hier. 

ptz/rho/hpp/dpa