Angefasst: Alien-Attacke - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Angefasst Alien-Attacke

Doppelgrafikkarte, Doppelfestplatte, Doppelpreis: Das sind die Eckdaten des Spiele-Notebooks Area 51 von Alienware. Wie bei einem guten Sportwagen tauscht man mit diesem Mobilrechner Geschwindigkeit gegen Komfort ein - und flößt seinen Gegnern mit einem leuchtenden Alien Respekt ein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf die Frage "darf es auch ein bisschen mehr sein?" hat der Computerhersteller Alienware stets die gleiche Antwort: "Ja". Denn seit Jahren agiert der Hersteller hochspezialisierter und vor allem hochpreisiger Spiele-PCs nach dem Motto viel hilft viel. So auch beim aktuellen Modell Area 51 m9750.

In das wuchtige, aber stabile Gehäuse haben die Spiele-Spezies aus Irland deshalb reichlich feine Zutaten gestopft. Einem 2,33 Gigahertz schnellen Prozessor steht ein Grafikkarten-Doppelpack zur Seite. Zwei Gigabyte Arbeitsspeicher sorgen dafür, dass Spiele genug Platz finden, sich ruckelfrei auszubreiten. Drahtlose Netzwerkfunktionen und Bluetooth-Kurzstreckenfunk gehören längst zum Standard. Für Unterhaltung sorgt der integrierte TV-Tuner, der mit analogen wie digitalen Signalen umgehen kann.

Besonders viel bietet auch der Bildschirm. Auf eine Diagonale von 17 Zoll pressen Alienwares Konstrukteure 2,3 Millionen Bildpunkte. In Länge und Breite ausgedrückt beträgt die Auflösung 1920 mal 1200 Bildpunkte. Das ist mehr als sogar die besten hochauflösenden TV-Geräte bei der sogenannten "Full HD"-Auflösung darstellen. Das ist einerseits toll, weil man HD-Filme darauf auch in ihrer vollen Auflösung bewundern kann. Andererseits gibt es da ein kleines Problem: Ein HD-Laufwerk ist gar nicht eingebaut.

Luxus-Zubehör Flash-Festplatte

Und HD hat natürlich noch andere Nebenwirkungen: Man bezahlt die hohe Auflösung mit kleinen Symbolen. In der Taskleiste beispielsweise schrumpfen die Programm-Icons auf wenige Millimeter zusammen.

Das größte Problem des als "Stealth Black" bezeichneten Bildschirms stellt allerdings seine Oberfläche dar. Die ist, wie immer öfter üblich, nicht entspiegelt. Das Argument der Hersteller: Auf diese Weise könnten kräftigere Kontraste, vor allem ein dunkleres Schwarz dargestellt werden. Dummerweise reflektiert ein derart hochglänzender Bildschirm aber auch sehr stark. Die Kombination aus dunklem Bildschirmhintergrund und hellem Hemd wirkt dabei tödlich auf die Sichtbarkeit, macht den Bildschirm zum Spiegel.

Technisches Highlight des Testgeräts war eine Flash-Festplatte, auf der das Betriebssystem untergebracht war. Solche Festplatten bieten gleich mehrere Vorzüge: Sie sind mindestens so schnell wie herkömmliche Platten, verbrauchen dabei aber deutlich weniger Strom, produzieren kaum Wärme und sind extrem unempfindlich gegen Stöße.

Der Nachteil: sie sind extrem teuer. Bei Alienware etwa zahlt man für eine Flash-Festplatte mit mickrigen 32 Gigabyte knapp 500 Euro Aufpreis. Die doppelte Kapazität kostet dementsprechend knapp 900 Euro. Zum Vergleich: eine Festplatte herkömmlicher Bauart mit gut sechsmal soviel Speicherplatz ist im Versandhandel ab rund 100 Euro zu bekommen.

Kaum Ausdauer im Akkubetrieb

Ob sich die Investition in den teuren Flash-Speicher, zumindest bei einem Gaming-Notebook, lohnt, darf man bezweifeln. Den Trumpf des geringen Stromverbrauchs kann die Festplatte jedenfalls nicht ausspielen. Beim Belastungstest ging dem Laptop schon nach einer Stunde der Strom aus. Offensichtlich saugen die übrigen Komponenten des Rechners bereits so viel Energie aus dem Stromspeicher, dass der Verbrauch der Festplatte hier nicht mehr ins Gewicht fällt.

Gamer, die Wert auf Geschwindigkeit legen, sollten das Alienware-Notebook deshalb lieber mit einer Kombination aus zwei Standard-Festplatten, einem sogenannten Raid, bestellen. Das ist insgesamt billiger als die Flash-Variante und dürfte überdies mehr Leistung liefern.

Doch an der Leistung des Area 51 m9750 gibt es auch in der Testkonfiguration nichts zu meckern. Für Büroaufgaben und Internet-Surftouren ist das Gerät viel zu gut ausgestattet, verbringt die meiste Zeit im Leerlauf. Das hat immerhin zur Folge, dass es sich, etwa beim Schreiben eines Briefes, nur durch ein leises Surren bemerkbar macht.

Aufklappen und losdaddeln

Wird die Hardware hingegen gefordert, etwa von einem Spiel mit aufwendiger 3D-Grafik, kommen auch die eingebauten Lüfter in Schwung und sorgen deutlich vernehmbar dafür, dass die Abwärme aus dem engen Gehäuse transportiert wird. Angesichts der gebotenen Leistung, die auch aktuelle Spiele ruckelfrei auf den Bildschirm bringt, ist das Geräuschniveau aber immer noch angenehm niedrig.

Dennoch sollte man nicht auf die Idee verfallen, das Alienware-Notebook als echtes Notebook zu verwenden. Dafür ist es zu groß und vor allem zu schwer. Eher schon ist es in die Kategorie der tragbaren Rechner einzuordnen. Als solches empfiehlt es sich allen, die häufig auf Lan-Partys mitspielen und keine Lust mehr haben, jedes Mal einen kompletten PC samt Monitor und Kabelverhau mitzuschleppen und aufbauen zu müssen.

Diese Zielgruppe sollte allerdings ein prall gefülltes Portemonnaie zur Verfügung haben. Denn mit der Grundversion, die bereits ab 1699 Euro zu bekommen ist, wird sich wohl niemand zufrieden geben. Richtig aufgemotzt, so wie das getestete Gerät, kostet der mobile Spiel-Spaß stattliche 3750 Euro. Und damit ist man noch nicht einmal am Ende der Fahnenstange angekommen. Denn Alienwares Zubehör- und Ausstattungsliste ist lang - und teuer. Fast so, wie bei Nobelkarossen. Aber auch für die gibt es ja reichlich Kundschaft.