Angefasst: Das Macbook Air - DER SPIEGEL
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Angefasst Das Macbook Air

Schön schlank ist es schon, das neue Macbook Air von Apple. Aber hält es auch, was man sich davon verspricht? Matthias Kremp hat das Leichtbau-Laptop unter die Lupe genommen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stimmt es nun oder stimmt es nicht? Die Frage, ob das Macbook Air tatsächlich das dünnste Notebook der Welt ist, wie Apple in seiner Werbung behauptet, wird wohl nie abschließend geklärt werden können. Zu unterschiedlich sind die Maße, mit denen die Hersteller ihre Mobilcomputer messen. So viel aber ist klar: Schlank und Rank ist es, wie kein Macbook zuvor.

Ein Blick ins Innere enthüllt, wie Apple das geschafft hat: Die Hauptplatine, das Herz des Rechners, ist auf die Größe einer Scheibe Knäckebrot eingedampft worden. Möglich wurde das nur, weil Prozessorhersteller Intel Apple eine Spezialversion des im Macbook verwendeten Mobilprozessors liefert. Der steckt in einem Gehäuse, das kleiner ist als üblich und eigentlich erst später in diesem Jahr eingeführt werden sollte.

Um den Stromverbrauch auf einem erträglichen Niveau zu halten hat Apple sich für eine besonders stromsparende CPU-Variante, einen sogenannten ULV-Prozessor (ulta-low-voltage) entschieden. Wie beengt es in dem Gehäuse zugeht, dokumentiert auch die Festplatte. Apple verwendet standardmäßig ein 1,8-Zoll-Modell, wie es auch im iPod Classic steckt. Dass ausschließlich die 80-Gigabyte-Variante dieser Platte eingebaut wird, ist wiederum dem fehlenden Platz geschuldet. Die im großen iPod genutzte 160-Gigabyte-Version ist einige Millimeter dicker, hätte nicht mehr unters Blech gepasst.

Alles für den Akku

Den meisten Platz verbraucht allerdings der Akku. Knapp zwei Drittel der Grundfläche nimmt er ein, schmiegt sich eng an das Gehäuse an. Die Befürchtung, man könne den Stromspeicher nicht selbst austauschen, weil er nicht von außen zugänglich ist, lässt sich leicht entkräften. Acht Schrauben sind zu lösen, um die komplette Bodenplatte des Geräts zu lösen. Der Akku selbst ist ebenfalls mit etlichen Schrauben gesichert, kann aber problemlos ausgetauscht werden.

Ob dass sinnvoll ist, muss sich allerdings erst zeigen. 139 Euro veranschlagt Apple für den Akkutausch. Dazu muss das Macbook allerdings zu Apple eingeschickt werden, soll binnen fünf Tagen zurück bei seinem Besitzer sein. Drittfirmen haben allerdings bereits eigene Austauschakkus angekündigt. Ob es sich lohnt, einen solchen in Heimarbeit einzubauen, wird sich freilich erst zeigen, wenn Preise für solche Lösungen bekannt gegeben werden.

Viel Licht

Wirklich beeindruckend ist der Bildschirm: Um ihn besonders flach zu bekommen setzt Apple hier eine moderne LED-Hintergrundbeleuchtung ein. Die ist nicht nur besonders sparsam, sondern in diesem Fall auch noch besonders hell. Wie hell, das regulieren zwei Lichtsensoren, die auf das Umgebungslicht reagieren. Vermutlich kann man auf diesem Bildschirm sogar noch Texte und Bilder erkennen, wenn man draußen im Biergarten in der Sonne sitzt. Im Hamburger Winter war das freilich nicht überprüfbar.

Ein wichtiges Hilfsmittel im winterlichen Dämmerlicht ist dagegen die Tastaturbeleuchtung, die bei nachlassender Helligkeit automatisch aktiviert wird. Die Apple-typisch halb im Gehäuse versenkte Tastatur macht ohnehin Freude und ist auch für Vielschreiber gut geeignet.

Mangelerscheinungen

Für Viel-Stöpsler hingegen ist das schlanke Macbook überhaupt nicht geeignet. Neben dem magnetisch arretierten Stromanschluss sind nur drei weitere Buchsen vorhanden: ein Kopfhörerausgang, ein Monitoranschluss und eine USB-Buchse. Netzwerk- und Firewire sucht man vergebens. Dafür ist die drahtlose Abteilung mit Bluetooth 2.0 und schnellem W-Lan nach IEEE 802.11n bestens ausgestattet.

Auch auf ein optisches Laufwerk für CDs und DVDs muss man verzichten. Als Notnagel hat Apple das Betriebssystem Mac OS X um eine Funktion erweitert, die es erlaubt, vom Macbook Air aus beispielsweise den DVD-Brenner eines iMac über das drahtlose Netzwerk zu kapern und mit zu nutzen. Wem eine solche Lösung zu wackelig ist, bietet der Hersteller für 99 Euro ein schickes externes USB-Laufwerk an. Aus unerfindlichen Gründen hat Apple das Gerät allerdings so gebaut, dass es wirklich nur mit dem Macbook Air funktioniert. Anderen Computern verschließt es sich kategorisch.

Nichts für Performance-Protze

Echte Schwächen zeigt das Macbook Air auch, wenn man seinen Leistungswerten mit Benchmark-Programmen auf den Zahn fühlt. Im Vergleich mit einem 550 Euro billigeren Standard-Macbook mit 2-Gigahertz-Prozessor fällt es in der Prozessorleistung um gut ein Drittel zurück. Der CPU-lastige Cinebench zeigt zudem, dass der zweite CPU-Kern des 1,6 Gigahertz schnellen Doppelkernprozessors nur wenig zum Zuge kommt. Inkonsistent waren die Messungen der Grafikbeschleunigung. Hier scheinen die Benchmark-Programme noch Schwierigkeiten mit der im Air verwendeten Intel-Grafik zu haben.

Wer nun hofft, dem flachen Apple-Notebook mit einem schnelleren Prozessor auf die Sprünge helfen zu können, muss tief in die Tasche greifen. Als einzige Option bietet Apple an, eine top-moderne 64-Gigabyte-Flash-Festplatte samt 0,2 Gigahertz schnellerem Prozessor zu bestellen. Der Aufpreis für diese Ausstattung liegt mit 1169 Euro allerdings jenseits jeder Vernunft, der zu erwartende Geschwindigkeitszuwachs ist minimal und im Alltag kaum spürbar.

Schnäppchenpreise bei Apple?

Für einen kurzen Augenblick hat Apple die Nase vorn. Das Macbook Air ist schick, dünn und mit 1,3 Kilogramm verhältnismäßig leicht. Doch der Ruhm dürfte nur kurz währen, denn die Windows-Konkurrenz hat sich bereits aufmunitioniert. Samsung, Toshiba und Lenovo haben allesamt Laptops in der Mache, die teils leichter sind als Apples Flunder, dabei aber leistungsfähigere Prozessoren und teilweise auch eingebaute optische Laufwerke sowie vor allem integrierte UMTS- oder gar HSDPA-Karten haben.

Allen diesen Konkurrenzmodellen ist aber auch gemein, dass sie deutlich teurer sind als das Macbook Air. Ungefähr 2500 Dollar will Lenovo für sein superschlankes x300 haben, wenn es denn eines Tages tatsächlich auf den Markt kommt. Toshibas Portégè R500 ist sogar erst ab knapp 3000 Euro zu haben. da scheint Apples Angebot mit einem Einstiegspreis von 1699 Euro schon fast wie ein Schnäppchen.

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