Apple-TV Der Mac als Media-Center
Es ist durchaus verwunderlich, dass Apple bislang kein eigenes Media Center auf den Markt gebracht hat. Zwar beherrscht das Unternehmen mit seinem MP3-Player iPod und dem zugehörigen iTunes Music Store den digitalen Musikmarkt unangefochten. Doch das Thema Fernsehen scheint man bei Apple bisher zu ignorieren - anders als etwa der Konkurrent Microsoft, der eine gelungene Media-Center-Software für Windows entwickelt hat. Einen echten Wohnzimmer-PC mit digitalem Videorecorder haben diverse Hersteller im Angebot, nur Apple nicht.
Dabei hat Apple mit Frontrow sogar eine ansprechende Wohnzimmersoftware nebst kleiner weißer Fernbedienung im Programm, die seit einiger Zeit den meisten Macs beiliegen. Doch damit lassen sich zunächst nur Musik, Bilder und DVD-Filme starten.
Ein Mac lässt sich problemlos an einen Fernseher anschließen: Allerdings bedarf es dafür eines 19 Euro teuren S-Video-Adapters, besser und für HDTV Pflicht ist ein DVI-Eingang am TV. Immerhin bringen alle Macs mittlerweile einen digitalen Tonausgang mit, der einen 5:1-Receiver mit optischen Signalen für den kinogemäßen Surroundsound versorgen kann.
Die Fähigkeiten des Mac als Musicbox sind unbestritten. Mit der kostenlosen iTunes-Software kann man nämlich nicht nur den iPod bespielen, sondern auch den Computer als MP3-Player verwenden und auf Wunsch per Playlist sogar Partys beschallen. Über die 130 Euro teure AirPort-Expressstation lässt sich der Ton auch drahtlos an die Stereoanlage im Nachbarzimmer übermitteln.
Zum schlichten Fernsehgucken benötigt der Mac aber zusätzliche Hardware: einen externen USB-2.0- oder FireWire-Tuner. Ist die Signalquelle bereits wie beim terrestrischen oder satellitengebunden DVB digital, gibt es eigentlich nichts mehr zu tunen und die Hardware kann relativ einfach gestrickt sein. Analoge Signale von Antenne oder Kabel müssen erst ins MPEG-Format umgerechnet werden, was tunlichst der externe Tuner machen sollte, damit der Computerprozessor damit nicht belastet wird.
USB-Tuner ab 100 Euro
Grundsätzlich kann man am Mac alle Tuner aus dem PC-Markt (etwa von Hauppauge , Miglia , Terratec , Twinhan , ATI oder Plextor ) verwenden, sofern man eine Mac-Software dafür findet. Abgesehen von der wenig komfortablen Freewarelösung iTele für DVB und einer noch in den Kinderschuhen steckenden Software namens "MediaCentral" ist man dabei auf EyeTV von Elgato angewiesen. Das Programm ist ausgereift, bietet Funktionen zum zeitversetzten Sehen (Timeshift), zum programmierbaren Aufnehmen und unterstützt verschiedenste Hardware . Es passt sich in die Frontrow-Oberfläche nahtlos ein, womit die Steuerung per Apple-Fernbedienung problemlos möglich ist. Die 70 Euro Kaufpreis zusätzlich zu den Investitionen in den PC-Tuner kann der Macianer nur vermeiden, wenn er ein spezielles Mac-Bundle wählt.
Elgato selbst bietet für alle Übertragungsformen ebenfalls unter dem Label EyeTV Komplettlösungen aus Hard- und Software an. Für DVB-T gibt es einen kleinen USB-Stick bereits zum Preis von knapp 100 Euro. Zum Empfang von digitalen Satelliten-Signalen muss man hingegen schon 270 Euro hinblättern und erhält dafür das EyeTV 310 mit einem SmardCard-Steckplatz für ein Conditional Access Module (CAM) das etwa für Pay-TV-Empfang benötigt wird.
Als Analogtuner mit Hardware-Encoding eignet sich das 200 Euro teure EyeTV 250 gleichermaßen für Kabel oder Antenne, es ist jedoch nicht HDTV-fähig. Das angenehm kleine EyeTV Hybrid zum Preis von etwa 150 Euro kann DVB-T-Signale verwerten, akzeptiert aber auch analoge Quellen. Da es keinen eigenen Encoder mitbringt, lässt sich damit nur auf schnellen Doppelprozessor-Rechnern (also allen aktuellen Macs) zeitversetzt fernsehen. Auch die Mac-Handelskette Gravis bietet Bundles mit der EyeTV-Software, etwa den Miglia-DVB-T-Stick für 100 Euro oder den Hybridtuner Terratec Cinergy XS für 130 Euro.
Externe Platte für mehr Platz
Wer seinen Mac als digitalen Videorecorder gebraucht, kann je nach vorhandenem Brenner und zugehöriger Software aus den TV-Mitschnitten Video-CDs oder -DVDs erstellen oder die Filme passend für den iPod klein rechnen. Das Platzschaffen ist mitunter schneller nötig als einem lieb ist, denn die von Apple im Mac mini verbaute Notebook-Festplatte fasst nur 60 oder 80 Gigabyte, eine Stunde Standard-TV frisst bereits rund zwei Gigabyte. Abhilfe schafft hier eine externe Festplatte, die es auch im Look des Mac mini gibt, etwa die Minimax von Iomega mit 250 Gigabyte für 190 Euro oder eben jede andere FireWire- oder USB-2.0-Harddisk.
Die Probleme mit knappem Stauraum und unleserlichen Schriften auf dem PAL-Fernseher umgeht der Apple-Fan, wenn er sich statt des schmucken Minis einen ebenso schicken iMac anschafft. Seit neuestem gibt es den Komplettrechner im Design eines weißen Flachbildschirms nicht nur mit 17 und 20, sondern auch mit 24-Zoll-Display, das entspricht einer nutzbaren Diagonale von 61 Zentimetern. Keine schlechte Lösung für die Einzimmerwohnung, allerdings mit einem Preis von 1950 Euro vielleicht nicht kompatibel zur Studentenbude, zumal das Geld für den Fernsehtuner noch obendrauf kommt.
Einen weiteren Schritt vom Arbeits- ins Wohnzimmer will Apple mit seinem bisher nur angekündigten iTV machen. Anders als der noch vorläufige Name suggeriert, taugt die kleine Set-Top-Box im Design des Mac mini aber nicht zum Fernsehen in seiner jetzigen Form. Apple-CEO Steve Jobs scheint seiner Zeit mal wieder voraus zu sein, wenn er seinen Kunden den Bezug der Sendungen über das Internet zumutet. Zumindest für Spielfilme, die in nächster Zeit mehr und mehr im iTunes-Store und anderswo zu haben sein werden, kann der Kauf im Internet allerdings bald zum Alltag gehören.
Mit dem 300 US-Dollar teuren iTV soll auch das direkte Anschauen (mit einem kleinen Zeitversatz für die Pufferung des Downloads im Streamingverfahren) möglich sein - vorausgesetzt der Haushalt verfügt über eine entsprechend dicke Leitung ins Internet. Vermutlich wird mit dem iTV dann auch das Abspielen von HDCP-geschützten HDTV-Filmen kein Problem sein, eine HDMI-Buchse soll es in jedem Falle mitbringen. Damit eignet sich der Mac dann auch als Zentrale für zukünftige Medien, die heutigen managt er zusammen mit einem Tuner schon jetzt.