Blu-ray-Notebook Vier Kilo Kino
Das Highlight des XPS M1710 steckt vollkommen unscheinbar in dessen linker Flanke. Nur ein kleines Logo und der "Blu-ray Disc"-Schriftzug weisen darauf hin, dass hier der feuchte Traum vieler Heim-Cineasten steckt: ein Blu-ray-Laufwerk. Damit soll man Filme in HD-Auflösung betrachten können. Mehr Details, besseren Sound und überhaupt ein viel Kino-mäßigeres Erlebnis versprechen die Befürworter dieser Technologie. Um HD allerdings genießen zu können, braucht man auch einen passenden Bildschirm, der die hohe Auflösung darstellen und dessen Grafikkarte zudem die HDCP-Verschlüsselung der Blu-ray Disks dekodieren kann. "Full HD", also die Video-Wiedergabe mit 1920 mal 1200 Pixel Auflösung, waren bei den meisten Notebooks bisher undenkbar. Bisher.
Mittlerweile jedoch gibt es etliche Notebook-taugliche Bildschirme, die in der Lage sind, die vielen Bildpunkte des HD-Formats darzustellen. Einen solchen hat Dell in das XPS M1710 implantiert. Das Ergebnis scheint auf den ersten Blick beeindruckend.
Denn das Display ist brillant. So brillant sogar, dass sich niemand mehr unbemerkt von hinten anschleichen kann. Die hochglänzende-Oberfläche wirkt wie ein Spiegel. Als "Glare"-Display bezeichnet man solche Bildschirme, die leuchtende Farben und kräftige Kontraste erreichen, indem sie auf eine entspiegelte Beschichtung verzichten. Im abends schummrig beleuchteten Wohnzimmer ist das prima, auf einem Fensterplatz im ICE dagegen furchtbar.
Darauf HD-Filme zu gucken, ist allerdings eine Wonne, wenn die Beleuchtung stimmt. Da wackelt und ruckelt nichts, selbst feinste Feinheiten werden gestochen scharf wiedergegeben. Die einzelnen Bildpunkte sind derart klein, dass sie selbst mit Mühe nicht als individuelle Pixel auszumachen sind. Das Resultat: Farbige Flächen wirken absolut homogen. Ein Raster ist nicht erkennbar.
Grafikkarte für Gamer
Mit verantwortlich für diesen Eindruck dürfte die Grafikkarte sein. Sie ist purer Luxus und besteht aus nVidias Top-Chip GeForce Go 7950 GTX, dem 512 MB Speicher zur Seite stehen. Besser geht's nimmer. Gamer frohlocken bei solchen Eckdaten. Selbst Microsofts neuer Flight Simulator X, sonst ein Garant für Bildwiederholraten im einstelligen Bereich, wird damit flüssig und ohne Ruckeln dargestellt. Einziger Makel: die Grafikkarte ist noch nicht kompatibel zu Microsofts neuem Grafikstandard DirectX 10, ein späteres Upgrade unmöglich.
Das Soundsystem dagegen weist einige Tücken auf. Die eingebauten Lautsprecher mühen sich nach Kräften, ein homogenes Klangbild zu erzeugen, scheitern aber letztlich am fehlenden Volumen. Externe Lautsprecher und Kopfhörer lassen sich nur analog und in Stereo anschließen. Den digitalen Rundumklang der integrierten Sound-Hardware soll man laut Handbuch mittels eines Adapters vom S-Video-Ausgang abgreifen können. Leider fehlte jener Adapter beim Testgerät und war auch nicht in Dells Online-Shop zu finden.
Lightshow inside, Vista outside
Auf Dells "XPS Light-FX" hingegen hätte ich locker verzichten können. Sowohl im Notebook-Deckel als auch in den Seiten des Rumpfes sind LEDs eingelassen, die in unterschiedlichen Farbtönen leuchten können. Und das nicht nur statisch, sondern beispielsweise im Rhythmus der gerade laufenden Musik oder passend zu dem, was gerade in in einem PC-Spiel passiert. Fast schon meditativ wirkt dagegen ein regelmäßig pulsierender Farbwechsel. Glücklicherweise lässt sich das Lichterspiel abschalten.
Mindestens ebenso ungewöhnlich wie die Außen-Illuminierung ist auch die Wahl des mitgelieferten Betriebssystems. Das heißt nämlich Windows XP und wird wahlweise als Media Center Edition oder als Professional-Version vorinstalliert. Windows Vista hingegen steht nicht zur Wahl. Lediglich ein Upgrade-Coupon kann geordert werden.
Begrenzt Outdoor-tauglich
Die durchaus reizvolle Idee, einen kompletten Blockbuster von gut zwei Stunden Spieldauer im Garten, am Strand oder gar neben der Skipiste genießen zu wollen, legt man nach dem ersten Versuch ad acta. Im Praxistest wurde der Filmgenuss nach rund eineinhalb Stunden Laufzeit rabiat unterbrochen. Offenbar schwächelt der Akku zu diesem Zeitpunkt bereits derart, dass sich das Notebook gezwungen sieht, sich in einen Strom sparenden Schlafmodus zu versetzen. Eine Warnmeldung, die auf den drohenden Energie-Exitus hinweist, wäre durchaus angebracht. Zwar gibt es Rechts unterhalb des Displays eine grüne Leuchte, die auf den Zustand des Energiespeichers hinweist, doch darauf richtet man seinen Blick nicht, wenn gerade King Kong die Weiße Frau rettet.
Ohnehin aber verbietet das Gewicht des Geräts den regelmäßigen mobilen Einsatz. Gut vier Kilo bringt es auf die Waage. Damit ist es tragbar, zieht den Rucksack aber doch merklich nach unten.
Saftiger Aufpreis für Blu-ray
Dell bietet das XPS 1710 Gamer inklusive Versand und mit durchaus guter Ausstattung zu Preisen ab 2299,- Euro an. Die von Dell gelieferte Edel-Variante mit schnellerem Prozessor und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher dagegen schlägt mit rund 2900 Euro zu Buche. Ohne Blu-ray-Laufwerk wohlgemerkt, denn das ist derzeit in Europa nicht lieferbar. In den USA dagegen schon. Dort kommt die getestete Konfiguration auf einen Preis von rund 4100 US-Dollar, plus Steuern und Versand. In Deutschland dürfte der entsprechende Gegenwert irgendwo zwischen 3500 und 3750 Euro liegen.
Die Hoffnung, zu einem derart luxuriösen Preis auch ein entsprechend luxuriös gestaltetes Laptop zu bekommen, wird enttäuscht. Billiges silbernes Plastik beherrscht das Gehäuse. Lediglich der Display-Deckel, wahlweise in Rot oder Schwarz erhältlich, macht einen etwas hochwertigeren Eindruck. Das kann man natürlich als Understatement werten. Wahrscheinlicher ist aber, dass Dells Ingenieure bei ihrem Blu-ray-Erstling schlicht in den firmeneigenen Notebook-Baukasten gegriffen haben. Durchaus mit Erfolg. Aber für gutes Design sind andere Firmen zuständig.