Computer-Leidenschaft Der Apple-Sammler
Er hat 99 Computer. Nein, doch nicht - es sind 100. Erst gestern Nacht hat er sich wieder einen geholt, erklärt er beim Gespräch in seinem Zuhause, ungefähr 55 Kilometer westlich von St. Louis.
In seinem Keller sind Dutzende Apple-Macintosh-Computer ausgestellt. Es ist eine Traumwohnung für Technikfreaks. Mehrle, 29, ahnt, dass seine Sammlung ihn als Computerfreak erscheinen lässt, irgendwie "geeky" ist, aber er nimmt's mit Humor. Wenn man so tief drin steckt wie er, ist es vielleicht schon wieder schick.
Seine Bar besteht aus 30 Mac Classics, die sich neben- und übereinander stapeln. Zwar können Besucher hier Drinks zu sich nehmen, "aber das macht nie jemand", sagt er. (Man will sich gar nicht vorstellen, wie viel Unheil ein einziges verschüttetes Getränk an der Technologie anrichten würde). Die Stromleitungen im Keller sind mit 20 Ampere abgesichert, denn Mehrle stellt seine Computer nicht nur aus, er schaltet sie auch an, wenn er Gäste hat. Klassische Screensaver, wie zum Beispiel fliegende Toaster mit Flügeln, schwirren über die Bildschirme. Wenn seine Freunde vorbeikommen, spielen sie altmodische Spiele wie "StarCraft" an vernetzten Macs.
Zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel Silvester, spielt er schon mal Videos über mehrere Bildschirmen ab oder stellt eine Atmosphäre wie auf einer Rave-Party nach, indem er auf mehreren Monitoren Stroboskop-Effekte tänzeln lässt. "Ich denke, das regt einen zum Tanzen an, obwohl ich eigentlich nicht tanze", sagt er. "Ich war noch nie bei einem Rave, also habe ich mich an 'Alias' orientiert", witzelt er mit Referenz zur TV-Serie.
An einer Wand hat er iMacs in allen Farben oder "Flavors" aufgebaut. Der erste in "Bondi Blue" sitzt alleine da, aber die anderen zwölf sind in Reihen, nach Veröffentlichungsdatum angeordnet. Sie beginnen mit den allerersten Farben wie zum Beispiel "Blueberry" oder "Tangerine" bis hin zum neuestem "Snow". An einer anderen Wand stehen neun Uralt-Macs in chronologischer Abfolge. Darunter sind der Original-Macintosh mit 128 Kilobyte Speicher und der "Twentieh Anniversary Mac" den Apple 1997 zum 20. Geburtstag der Firma auflegte. Mehrle kaufte ihn bei Ebay und schätzt, dass er ungefähr 800 US-Dollar dafür bezahlt hat.
Seitdem er mit dem Sammeln anfing war ihm die Online-Auktions-Seite eine große Hilfe. Sein Interesse an Computern wurde durch den IBM Personal Computer seines Vaters geweckt, den er mitbenutzte. Er fing an, alle möglichen Computer zu sammeln, Commodores und Tandys, Ataris und IBMs. Er wollte wissen, wie die unterschiedlichen Modelle funktionierten und wie sie sich weiter entwickelten.
Dann entdeckte er einen iMac G4, einen Computer mit rundem Sockel, Schwingkopf und Flatscreen. "Sobald ich ihn gesehen hatte, dachte ich: 'Diesen Computer muss ich haben'", sagt Mehrle, der bis dahin kein Fan von Apple-Computern war. Das änderte sich schnell: "Das Design, die Benutzerfläche, sein System machten einfach Sinn", sagt er.
Manchmal schenken ihm Leute ihre alten Computer. Aber die meisten hat er sich bei eBay gekauft. Einige haben ihn nur 10 Dollar gekostet, weil er, wie er betont, hauptsächlich ausrangierte Modelle kauft.
Leander Kahney, stellvertretender Chefredakteur bei Wired News, hat ein Buch über die Mac-Subkultur verfasst und schreibt einen Blog namens "Cult of Mac". Laut ihm werfen viele Leute ihre alten Macs nicht weg, sondern wandeln sie in Aquarien um oder stellen sie aus. Aber Mehrles Macs seien schon etwas Besonderes, sagte Kahney, nachdem er die Fotos gesehen hat. "Das ist die unglaublichste Sammlung, die ich je gesehen habe."
Mehrle besitzt nicht jedes einzelne Apple-Modell. "Das wäre fantastisch, aber meine Freundin würde mir wahrscheinlich den Laufpass geben", sagt er. Obwohl er Vollzeit bei einem Apple-Händler arbeitet, geht er die Erweiterung seiner Sammlung inzwischen langsamer an. Seine Freundin, Katrina Bibb, hat ihm gedroht, dass sie sich jedes Mal ein neues Haustier anschaffen wird, wenn er wieder einen Computer nach Hause bringt.
Zuhause bei ihnen im Erdgeschoss sind die Wände hell gestrichen und mit Möbeln dekoriert. Die sachlichen Linien und die modernen Kurven erinnern an die alten Science-Fiction-Serien, die Mehrle so mag. Zwar sind die Zimmer nicht mit Computern vollgestellt, aber "die Badezimmer sind die einzigen Räume, in denen wir keine Computer haben", so Bibb. Über Mehrles Kollektion sagte sie: "Ich mag es, wie er die Computer aufstellt. Ich mag es, dass er eine Leidenschaft hat."
Und sie fügte hinzu: "Für mich ist ein Computer ein funktionales Ding."
Betsy Taylor, AP